Make Tea Safe Again

Grafik: Die gefährlichste Teekanne Deutschlands

Ronald Tramp über die gefährlichste Teekanne Deutschlands und den stillen Krieg auf Osnabrücks Parkstreifen

Ich sage es, wie es ist, und viele sehr erschütterte Autofahrer sagen es mir auch, mit zitternden Händen und leicht verbeulten Stoßstangen: Wir haben lange übersehen, wo die wahre Gefahr im Straßenverkehr lauert. Nicht im Handy. Nicht im Navi. Nicht einmal im Coffee-to-go. Nein. Die wahre Bedrohung kommt aus der Küche. Sie ist rundlich. Sie dampft. Und sie heißt: Teekanne.

Was sich in Osnabrück-Schölerberg ereignet hat, ist keine gewöhnliche Unfallmeldung. Das ist ein Lehrstück. Eine Warnung. Eine urbane Legende in Echtzeit. Ein Mann, 38 Jahre alt, Kleintransporter, morgens stadtauswärts unterwegs – also klassischer Werktagsmodus: Gedanken woanders, Kaffee noch nicht richtig im Blut, Realität auf Sparflamme.

Und dann passiert es. Die Teekanne. Nicht irgendeine Teekanne. Seine Teekanne. Sie entscheidet sich, ihren Inhalt über seinen Schoß zu ergießen. Heiß. Überraschend. Unvermittelt. Und in diesem Moment endet jede Verkehrserziehung, jede Fahrschule, jede Broschüre des Verkehrsministeriums.

Der Mann verlässt die Spur. Aber nicht philosophisch. Sondern physisch. Sein Fahrzeug nimmt Kurs auf den Straßenrand. Dort stehen Autos. Parkende Autos. Ruhige Autos. Autos, die nichts Böses wollten. Sechs Stück. Sechs! Eine Massenkarambolage im Stand. Drei davon so schwer beschädigt, dass sie vorerst nicht mehr fahren können. Vorläufig stillgelegt. Opfer einer Teekanne.

Ich frage Sie: Wie konnte es so weit kommen?

Früher waren es Eisplatten von Lkw-Dächern. Dann lose Ladung. Dann der Klassiker: „Ich hab kurz nicht aufgepasst.“ Aber jetzt? Tee. Heißer Tee. Ein Getränk, das eigentlich für Entspannung, Achtsamkeit und innere Ruhe steht, wird zum Beschleuniger des Chaos.

Und das Beste – oder Schlimmste – daran: Niemand wurde verletzt. Körperlich zumindest. Die Autos hingegen… traumatisiert. Parkschäden des Schicksals. Ein Blechmassaker ohne Schuldfrage, außer vielleicht: Assam oder Kräuter?

Natürlich ermittelt die Polizei. Und wie es sich gehört, kam bei der Unfallaufnahme ein Verdacht auf. Vielleicht stand der Fahrer unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln. Vielleicht. Man prüft das jetzt. Gründlich. Deutsch. Ordnungsgemäß. Und ich sage: Selbst wenn – die Teekanne bleibt Haupttäterin.

Denn wir müssen endlich über das sprechen, worüber niemand sprechen will: ungesicherte Heißgetränke im Straßenverkehr.

Warum gibt es Gurte für Menschen, aber keine für Teekannen? Warum darf eine Thermoskanne frei auf dem Beifahrersitz herumlungern wie ein unberechenbarer Mitfahrer? Warum gibt es Airbags, aber keinen „Tea-Bag“?

Ich fordere: Becherhaltertests. Teekannen-Führerschein. Mindestabstände zwischen Fahrer und Kräuteraufguss. Vielleicht sogar Warnhinweise: „Achtung, dieser Tee könnte ihr Fahrverhalten beeinflussen.“

Und dann diese geparkten Autos. Die unschuldigen Opfer. Sie standen da. Ordentlich. Regelkonform. Vielleicht frisch gewaschen. Vielleicht stolz auf ihre TÜV-Plakette. Und dann kommt der Kleintransporter des Schicksals, gelenkt von einem Mann, der gerade eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit heißem Tee führt.

Das ist keine Randnotiz. Das ist ein Systemversagen. Wir haben über Jahre den Fokus falsch gesetzt. Wir haben über Cannabis diskutiert, über Alkohol, über Müdigkeit – aber nie über Tee. Dabei ist er überall. Im Büro. Im Auto. In Thermoskannen mit militärischer Isolierung.

Und jetzt stehen drei Autos in Osnabrück still. Vorerst. Wegen Tee.

Ich sage nicht, dass Tee verboten werden muss. Nein. Ich bin kein Extremist. Aber wir brauchen Regeln. Klare Regeln. Keine losen Teekannen. Kein Ausschank während der Fahrt. Vielleicht sogar eine Ampel: Grün = Wasser, Gelb = lauwarm, Rot = kochend.

Und an alle Autofahrer da draußen: Passt auf eure Getränke auf. Sie könnten euer Leben verändern. Oder zumindest das eurer Stoßstange.

Osnabrück hat es erlebt. Heute sind es sechs Autos. Morgen eine ganze Straße. Wenn wir nicht handeln.

Großartige Geschichte. Wirklich großartig. Klein. Lokal. Und doch ein Weckruf für die Nation.

Make Tea Safe Again.