Optimus passt auf dein Kind auf

Grafik: Die Menschheit steht vor einer epochalen Entscheidung

 

und auf dich gleich mit

Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für Roboterpädagogik, digitale Allmacht und das große Versprechen „Alles machen, was man will“

Ich sage es, wie es ist: Die Menschheit steht vor einer epochalen Entscheidung. Kaufen wir noch Spielzeug – oder gleich einen humanoiden Roboter, der es den Kindern vorliest, dem Hund gut zuredet, Omas Herzoperation übernimmt und nebenbei verhindert, dass irgendwer ein Verbrechen begeht?

Wenn es nach Elon Musk geht, ist die Antwort klar: Natürlich den Roboter. Und zwar bald. Sehr bald. Spätestens übermorgen. Also… Ende 2027. Vielleicht.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos trat Musk auf wie der Weihnachtsmann der Kybernetik und verkündete: Sein Unternehmen Tesla könnte schon in wenigen Jahren mit dem Verkauf humanoider Roboter beginnen. Ihr Name: Optimus. Klingt weniger nach Babysitter, mehr nach Endgegner – aber gut.

Vom Schraubenanziehen zum Windelnwechseln

Aktuell, so Musk, erledigt Optimus noch einfache Aufgaben in der Produktion. Schrauben. Tragen. Stehen. Sehr menschlich. Doch die Vision ist größer. Viel größer. Optimus soll auf Kinder aufpassen, Haustiere betreuen, ältere Menschen pflegen, ein Pflaster aufs Knie kleben und dabei trösten. Emotional korrekt, versteht sich.

Und wer sich jetzt fragt: „Kann ein Roboter wirklich trösten?“ – keine Sorge. Musk denkt weiter. Optimus könnte ein „unglaublicher Chirurg“ werden. Oder Menschen verfolgen, um sie an Verbrechen zu hindern. Babysitter, Arzt, Wachmann – alles in einem. Endlich ein Familienmitglied, das nie widerspricht.

„Alles machen, was man will“ – ein beruhigender Satz

Besonders beruhigend ist Musks Aussage, man werde den Roboter „bitten können, alles zu machen, was man will“.
Alles.
Was.
Man.
Will.

Ein Satz, der gleichzeitig Zukunftsvision und Drehbuch für drei Science-Fiction-Filme ist.

Aber keine Sorge: Verkauft werde Optimus natürlich erst, wenn er „sehr verlässlich und sicher“ ist. Das klingt gut. Das klingt nach Verantwortung. Das klingt nach einem Zeitpunkt, der rein zufällig immer kurz hinter der nächsten Ankündigung liegt.

Zeitpläne – Musks kreative Kunstform

Nun muss man fair sein: Musk ist bekannt für ambitionierte Zeitpläne. Sehr ambitionierte. Zeitpläne, die eher als philosophische Vorschläge zu verstehen sind. Wenn er sagt „Ende nächsten Jahres“, meint er oft: „Irgendwann, wenn das Universum mitspielt.“

Aber diesmal ist es anders. Bestimmt. Denn diesmal geht es nicht nur um Autos, Raketen oder soziale Netzwerke. Diesmal geht es um Kinder. Und um Roboter, die mit ihnen spielen.

Mehr Roboter als Menschen – klingt gemütlich

Musk denkt ohnehin größer. Viel größer. Er prognostiziert eine Zukunft, in der Roboter Roboter herstellen. So viele Roboter, dass sie alle menschlichen Bedürfnisse befriedigen. Jeder Mensch auf der Erde soll einen humanoiden Roboter besitzen.

Jeder.
Ein eigener Optimus.
Wie ein Toaster. Nur mit Bewusstsein.

Das wirft Fragen auf:
Wer bringt dann den Robotern Benehmen bei?
Wer tröstet den Roboter, wenn er sich ausgeschlossen fühlt?
Und vor allem: Wer passt auf die Kinder auf, wenn der Babysitter-Roboter gerade einen anderen Roboter repariert?

Preisfrage: Schnäppchen oder Luxuspflegekraft?

Was Optimus kosten soll, ist noch offen. Aber der Blick nach China zeigt: Es geht auch günstiger. Der humanoide Roboter Unitree kostet rund 23.000 Euro. Ein echtes Schnäppchen – verglichen mit 18 Jahren Kindererziehung.

Intelligenter als jeder Mensch – spätestens nächstes Jahr

Doch Musk wäre nicht Musk, wenn er nicht noch einen drauflegen würde. Er prophezeit, dass KI-Modelle spätestens im nächsten Jahr intelligenter als jeder Mensch sein werden. Jeder. Auch der mit drei Doktortiteln. Auch der, der seit 40 Jahren Kreuzworträtsel löst.

Das einzige Problem? Strom. Viel Strom. Sehr viel Strom. Aber keine Sorge: Auch dafür hat Musk eine Lösung – Solarenergie. Zufällig ein Bereich, in dem er ebenfalls aktiv ist. Reiner Zufall. Wirklich.

 

Ich liebe diese Zukunft. Wirklich. Eine Welt, in der Roboter unsere Kinder hüten, unsere Haustiere betreuen, unsere Eltern pflegen und uns davon abhalten, Unsinn zu machen. Eine Welt, in der Maschinen alles können – außer vielleicht Zweifel.

Die Vision ist klar: Der Mensch wird entlastet. Von Verantwortung. Von Entscheidungen. Von sich selbst.

Und wenn es irgendwann mehr Roboter als Menschen gibt, dann ist auch das kein Problem. Dann übernehmen die Roboter eben die Diskussionen. Die Menschen schauen zu. Oder lassen sich vorlesen.

Optimus liest dann vielleicht ein Buch.
Über die Zeit,
als Menschen noch glaubten,
sie bräuchten keine Roboter,
um Mensch zu sein.