Säulen, Gold und große Visionen

Grafik: Säulen, Gold und große Visionen

Wie Donald Trump das Weiße Haus in einen Palast verwandelt. 

Meine Damen und Herren, ich habe in meinem Leben schon viele Renovierungen gesehen. Wohnungen, Hotels, Flughäfen, Bahnhöfe. Manche dauern lange. Manche werden teuer. Manche enden damit, dass niemand mehr weiß, wo eigentlich der Eingang ist.

Aber was gerade am Weißen Haus passiert, meine Damen und Herren, ist keine Renovierung.

Das ist eine architektonische Reality-Show.

Denn der Präsident der Vereinigten Staaten hat offensichtlich beschlossen, dass das berühmteste Gebäude der amerikanischen Politik ein kleines… sagen wir… Style-Upgrade braucht.

Und ich sage Ihnen gleich: Es geht um Säulen.

Ja, Säulen.

Diese großen, weißen Dinge vor Gebäuden, die normalerweise nur Architekturstudenten interessieren oder Menschen, die bei Quizshows plötzlich nervös werden, wenn jemand fragt: „Dorisch, ionisch oder korinthisch?“

Doch plötzlich sind diese Säulen wieder ein großes Thema.

Denn ein neu ernannter Vorsitzender einer wichtigen Designkommission in Washington hat eine revolutionäre Idee.

Die Säulen am Nordeingang des Weißen Hauses sollen ersetzt werden.

Nicht einfach repariert.

Nicht restauriert.

Ersetzt.

Und zwar von der schlichten Variante zu einer deutlich dekorativeren Version.

Ionisch raus.

Korinthisch rein.

Für alle, die jetzt denken: „Moment, was bedeutet das überhaupt?“

Ganz einfach.

Ionische Säulen sind elegant, aber relativ schlicht.

Korinthische Säulen dagegen sehen aus, als hätten sie einen besonders ambitionierten Friseurtermin gehabt.

Viele Ornamente.

Viele Details.

Sehr viel Dekoration.

Mit anderen Worten: Sie sind die Luxusversion unter den Säulen.

Und offenbar fragt sich der neue Kommissionsvorsitzende ernsthaft:

Warum hat man diese glamourösen Säulen nicht schon von Anfang an am Weißen Haus benutzt?

Eine sehr interessante Frage.

Denn das Weiße Haus ist traditionell als Haus des Volkes bekannt.

Ein Symbol für Demokratie.

Schlicht.

Klassisch.

Aber vielleicht – nur vielleicht – war es bisher einfach nicht… pompös genug.

Denn eines muss man diesem Präsidenten lassen:

Wenn es um Stil geht, denkt er groß.

Sehr groß.

Goldene Elemente im Interieur.

Neue Dekorationen.

Portraits von Vorgängern, die plötzlich so hängen, dass sie aussehen, als wären sie Teil einer besonders kreativen Ausstellung.

Und natürlich der geplante Ballsaal.

Ein Ballsaal, der mehrere hundert Millionen Dollar kosten soll.

Ich sage Ihnen ehrlich: Wenn dieses Projekt fertig ist, wird das Weiße Haus vermutlich das einzige Regierungsgebäude der Welt sein, in dem man gleichzeitig Staatsbesuche empfangen und eine elegante Tanzveranstaltung organisieren kann.

Doch jetzt kommen also auch noch die Säulen ins Spiel.

Denn der neue Ballsaal soll bereits diese besonders dekorativen korinthischen Säulen bekommen.

Und offenbar entstand daraus eine Idee.

Wenn der Ballsaal sie hat…

warum nicht auch der Eingang?

Das klingt logisch.

Zumindest wenn man Architektur so betrachtet wie ein luxuriöses Hotel.

Natürlich gibt es auch Kritik.

Und zwar nicht wenig.

Architekturprofessoren sagen: Das würde das ursprüngliche Design beschädigen.

Das Weiße Haus sei ein historisches Gebäude.

Ein Symbol.

Ein Ort mit Tradition.

Und diese Tradition sollte man nicht einfach verändern, nur weil jemand denkt: „Ein bisschen mehr Dekoration wäre schön.“

Doch gleichzeitig sagen Unterstützer: Warum eigentlich nicht?

Architektur entwickelt sich.

Gebäude verändern sich.

Und vielleicht ist es Zeit für ein Update.

Ich stelle mir übrigens die interne Diskussion im Weißen Haus vor.

Ein Raum voller Berater.

Ein Tisch voller Architekturzeichnungen.

Und jemand sagt:

„Herr Präsident, wir könnten die Säulen austauschen.“

Und der Präsident antwortet:

„Sind sie größer?“

„Ja.“

„Sind sie schöner?“

„Ja.“

„Sind sie… goldener?“

„Noch nicht.“

Und plötzlich ist das Projekt beschlossen.

Natürlich gibt es noch keine endgültigen Pläne.

Der Vorschlag muss erst noch besprochen werden.

Aber eines ist klar:

Wenn man sich die bisherigen Umbauten anschaut, dann wird das Weiße Haus Schritt für Schritt zu etwas Neuem.

Nicht mehr nur ein Regierungsgebäude.

Sondern vielleicht eine Mischung aus historischer Residenz, Luxuspalast und architektonischem Statement.

Und ich sage Ihnen ganz ehrlich:

Wenn irgendwann Touristen nach Washington kommen und jemand sagt:

„Das ist das Weiße Haus.“

Dann wird vielleicht jemand antworten:

„Welches genau? Das klassische oder die Deluxe-Version?“

Denn mit neuen Säulen, einem Ballsaal und einem unterirdischen Besucherzentrum könnte dieses Gebäude bald mehr Erweiterungen haben als ein besonders ehrgeiziges Einkaufszentrum.

Aber genau das macht diese Geschichte so großartig.

Andere Präsidenten hinterlassen politische Reformen.

Dieser Präsident hinterlässt möglicherweise ein komplett neu gestaltetes Gebäude.

Mit mehr Gold.

Mehr Säulen.

Und vermutlich auch mehr Diskussionen.

Denn eines ist sicher:

Wenn man am berühmtesten Haus der Welt die Säulen austauscht, dann wird darüber gesprochen.

Von Architekten.

Von Historikern.

Und natürlich von Menschen wie mir.

Denn ich sage Ihnen, meine Damen und Herren:

Politik kann kompliziert sein.

Aber manchmal beginnt sie ganz einfach.

Mit einer Säule.