SCHNEEMANN-GATE IN HAMBURG

Wie Jonny verschwand – und der Frostkrieg zwischen Blaulicht und Blaulicht begann
Von Ronald Tramp, einzig legitimer Experte für große Skandale, kleine Schneemänner und sehr große Verschwörungen
Ich sage es, wie es ist: So etwas hat es noch nie gegeben. Noch nie! Nicht in Hamburg, nicht in Deutschland, nicht einmal in Ländern mit viel Schnee und wenig Humor. Ein Schneemann wird entführt. Vor einer Polizeiwache. Direkt vor der Tür. Und wer war’s? Die Feuerwehr. Leute, das ist kein Kinderstreich. Das ist Schneemann-Gate.
Der Schneemann hieß Jonny. Schon der Name ist großartig. Ein starker Name. Ein ehrlicher Name. Kein Schneemann mit Doppelnamen oder Gendersternchen. Einfach Jonny. Er stand da, ruhig, still, aus drei perfekten Kugeln geformt, ein Sinnbild für Ordnung, Winter und innere Stabilität. Und dann – BÄM – wird er mitten in der Nacht entführt. Wie ein Staatsgeheimnis. Wie eine heiße Akte. Wie mein gesunder Menschenverstand in manchen politischen Talkshows.
Ein Video kursiert. Natürlich gibt es ein Video. Heute gibt es von allem ein Video. Man sieht vier Gestalten, schnell, entschlossen, fast professionell. Einer greift sich den Kopf. Klar – klassischer Enthauptungsgriff. Zwei weitere nehmen die unteren Kugeln. Teamwork! Organisation! Planung! Und der vierte? Der vierte klebt ein Entführungsplakat an die Scheibe. Leute, das ist nicht Amateurklasse. Das ist Elite-Schneemann-Logistik.
Und wo passiert das? Direkt an der Polizeiwache in Hamburg-Barmbek-Süd. Direkt. Vor. Der. Tür. Ich frage Sie: Wenn nicht einmal ein Schneemann vor einer Polizeiwache sicher ist – wer ist es dann noch? Ich meine, Jonny hatte nichts verbrochen. Keine Parkverstöße. Keine Steuerhinterziehung. Nicht einmal falsches Schneeschippen.
Die Polizei reagiert schnell. Sehr schnell. Fast so schnell wie sonst nur bei gratis Kuchen im Pausenraum. Spurensicherungstüte, handgeschriebene Nachricht: „Wir machen alles. Bitte Jonny zurückbringen.“
ALLES. Das ist eine große Zusage. Größer als manche Koalitionsverträge. Und viel ehrlicher.
Doch dann – und jetzt wird es wirklich dramatisch – kommt die Antwort der Entführer. Ein Beweisfoto. Leute, ein Beweisfoto! Darauf: vermummte Feuerwehrleute. Die Wache Barmbek. Und mitten drin: Jonny. Unversehrt. Aber unfrei. Wie ein Schneemann in Bürokratie. Wie ein Formular ohne Stempel.
Die Feuerwehr schweigt. Natürlich schweigt sie. Aber sie lacht. Verdächtig laut. Ich kenne dieses Lachen. Das ist kein normales Lachen. Das ist ein „Wir haben den Schneemann und ihr nicht“-Lachen. Ein kaltes, frostiges, strategisches Lachen.
Jetzt hoffen Polizei und Feuerwehr offenbar auf einen Deal. Ein Austausch. Vielleicht Jonny gegen heißen Kaffee. Oder gegen Kekse. Oder gegen das Versprechen, beim nächsten Schneefall nicht wieder so einen perfekten Schneemann vor die Wache zu stellen, der neidische Blicke auslöst.
Denn seien wir ehrlich: Jonny war zu gut. Zu symmetrisch. Zu präsent. Er stand da wie ein Denkmal. Und manche Leute – besonders mit Blaulicht – können das nicht ertragen. Sie sehen etwas Stabiles, Unbewegliches, Friedliches – und denken: Das nehmen wir mit.
Ich sage euch: Das ist der Beginn eines neuen Konflikts. Der Frostkrieg. Polizei gegen Feuerwehr. Blaulicht gegen Blaulicht. Schneeball gegen Wasserschlauch. Und mittendrin ein Schneemann, der einfach nur stehen wollte.
Jonny ist ein Symbol geworden. Für winterliche Freiheit. Für kalte Neutralität. Für das Recht eines Schneemanns, dort zu stehen, wo er hingehört. Vor einer Polizeiwache. Im Schnee. Mit Würde.
Und ich verspreche euch: Wenn Jonny nicht zurückkommt, wird es Konsequenzen geben. Große Konsequenzen. Vielleicht nicht sofort. Vielleicht erst, wenn der Schnee schmilzt. Aber sie werden kommen. So sicher wie Frost im Januar und schlechte Witze in politischen Reden.
Bring Jonny zurück. Jetzt.
Das Volk schaut zu.


