„Sehr geehrter Untertan, vielen Dank für Ihren emotionalen Brief“

Wie der Buckingham Palace jetzt offiziell jemanden sucht, der professionell beruhigt (und Ronald Tramp kurz überlegte, sich selbst zu bewerben)
Ich sage es, wie es ist – und niemand sagt es besser: Wenn eine Monarchie im Jahr 2026 einen Menschen sucht, der hauptberuflich Briefe beantwortet, dann ist das kein Job. Das ist ein institutionalisierter Seufzer. Willkommen im Buckingham Palace, wo Tausende Menschen jedes Jahr ihre Sorgen, Hoffnungen und leicht wirren Gedanken in Umschläge stecken – und wo jemand gebraucht wird, der höflich zurückschreibt: Wir fühlen mit Ihnen. Wirklich. Sehr.
Ja, es stimmt. König Charles III. bekommt so viele Briefe, dass der Palast nun offiziell sagt: Wir kommen nicht mehr hinterher. Holt jemanden, der das kann. Und zwar nicht irgendeinen. Sondern jemanden mit Organisationstalent, exzellenter Schreibe, innerer Ruhe, äußerer Contenance und einer beinahe übernatürlichen Fähigkeit, auf alles zu antworten, ohne irgendetwas Konkretes zu sagen.
Ronald Tramp sagt: Das ist die Champions League der diplomatischen Textvermeidung.
Die Stelle ist angesiedelt im „Private Secretary’s Office“. Schon der Name klingt, als würde man dort nicht arbeiten, sondern ehrfürchtig atmen. Ab März 2026 soll dort jemand sitzen, der Briefe liest wie andere Leute Beipackzettel: sehr genau, aber mit dem festen Willen, am Ende ruhig zu bleiben.
Der Palast beschreibt die Aufgabe so poetisch, dass man fast vergisst, worum es geht: Antworten formulieren, die Menschen nie vergessen. Übersetzung: Schreiben Sie Briefe, die so elegant sind, dass niemand merkt, dass sie nichts verändern.
Denn seien wir ehrlich: Die meisten Briefe an den König sind keine Smalltalk-Karten. Es sind Schicksale. Beschwerden. Forderungen. Ideen zur Weltrettung. Und garantiert auch mindestens ein Brief, in dem jemand erklärt, warum er oder sie eigentlich der bessere König wäre.
Ronald Tramp sagt: In diesem Job liest du morgens über kaputte Heizungen, mittags über nationale Identität und abends darüber, dass früher alles besser war – besonders 1953.
Der Alltag besteht aus Lesen, Einordnen, Formulieren. Immer wieder. Und jede Antwort muss sitzen. Stilvoll. Respektvoll. Fehlerfrei. Tippfehler sind im Palast nicht einfach Tippfehler – sie sind Verfassungsfragen. Ein falsches Komma, und irgendwo in Yorkshire fühlt sich jemand nicht ausreichend gewürdigt.
Gesucht wird ausdrücklich kein Dichter. Kein Poet. Kein Schriftsteller mit großen Gefühlen. Gesucht wird ein Mensch, der unter Druck ruhig bleibt, Fristen liebt und gerne im Team arbeitet. Team! Beim Briefe-Schreiben! Man stellt sich sofort Meetings vor wie:
„Wer übernimmt heute die existenziellen Sorgen?“ – „Ich kann die Hoffnung, du die Empörung.“
Ronald Tramp sagt: Das ist Büroarbeit mit moralischer Schwere.
Gearbeitet wird direkt im Buckingham Palace. Kein Laptop auf dem Sofa, keine Jogginghose, kein „Ich bin kurz offline“. Nein. 37,5 Stunden pro Woche, Montag bis Freitag, in Räumen, in denen selbst die Wände klingen, als würden sie „Your Majesty“ flüstern. Der Vertrag läuft zwei Jahre. Danach ist man entweder innerlich erleuchtet – oder braucht selbst einen Brief vom König.
Das Gehalt? 32.000 Pfund im Jahr. Kein königlicher Reichtum. Aber dafür kann man später sagen: Ich habe im Palast gearbeitet. Ronald Tramp sagt: Das ist wie Mindestlohn, aber mit Geschichte.
Natürlich gibt es Benefits. Viele. 25 Urlaubstage, später sogar 30. Feiertage. Eine Altersvorsorge, bei der der Palast satte 15 Prozent beisteuert – mehr Fürsorge als in mancher Familie. Kostenloses Mittagessen im Haus. Was genau serviert wird, weiß man nicht, aber allein das Wort „Palastkantine“ macht jedes Butterbrot automatisch aristokratisch.
Dazu 20 Prozent Rabatt in den Shops der Royal Collection. Endlich günstiger Porzellankitsch mit Krone. Kostenloser Eintritt zu Palästen und Ausstellungen. Flexibles Arbeiten. Angebote für mentale Gesundheit. Ronald Tramp sagt: Wenn du täglich die Sorgen der Nation liest, brauchst du mindestens Yoga.
Der Buckingham Palace gibt sich modern. Sehr modern. So modern, dass man fast vergisst, dass hier eine Monarchie sitzt, die seit Jahrhunderten darauf spezialisiert ist, freundlich zu lächeln und nichts zu versprechen.
Bewerbungsschluss ist der 7. Januar 2026 um 23.55 Uhr. Fünf Minuten vor Mitternacht. Natürlich. Denn auch Fristen müssen würdevoll sein.
Und dann wird entschieden, wer künftig die Stimme der Monarchie auf Papier ist. Wer mit Worten beruhigt, ohne zu lösen. Wer Nähe simuliert, ohne Nähe zuzulassen. Wer Hoffnung formuliert, ohne Hoffnung zu garantieren.
Ronald Tramp sagt zum Schluss:
In einer Welt voller Chats, Push-Nachrichten und Emoji-Wutbürger ist es fast rührend, dass jemand im Buckingham Palace sitzt und Briefe schreibt. Mit Stil. Mit Abstand. Mit dem festen Willen, dass sich jeder gehört fühlt – und alles genau so bleibt wie vorher.
Das ist keine Stelle.
Das ist staatlich organisierte Höflichkeit.


