She’s Had Enough – Die Freiheitsstatue kündigt

Grafik: Damit hat niemand gerechnet

und will zurück nach Europa (wegen Grönland, natürlich)

Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für gekündigte Nationaldenkmäler, beleidigte Symbole und transatlantische Freiheitsfragen

Ich sage es gleich vorweg: Damit hat niemand gerechnet. Außer mir. Ich habe es gespürt. Es lag in der Luft. In der Fackel. In diesem leicht resignierten Kupferblick, den man bekommt, wenn man über hundert Jahre stillsteht und dabei zusehen muss, wie Erwachsene sich wie Kleinkinder um Weltkarten streiten.

Die Freiheitsstatue – Lady Liberty persönlich, sehr geduldig, sehr grünlich, sehr lange nicht mehr bewegt – hat offiziell gekündigt. Fristlos. Emotional. Und mit einem klaren Ziel: Zurück nach Europa.

Der Auslöser?
Donald Trumps unfassbarer Anspruch auf Grönland.

„Das war der Tropfen“, ließ die Statue verlauten. Nicht in einer Pressekonferenz – sie spricht ja nicht – sondern durch eine sehr eindeutige Haltung: Die Fackel leicht gesenkt, der Blick nach Osten, Richtung Atlantik. Kenner sagen: Das ist die Kündigungshaltung.

Jahrzehntelang habe sie alles ausgehalten, berichten gut informierte Tauben. Weltkriege. Kalte Kriege. Heiße Debatten. Reality-TV-Politik. Aber als Trump erklärte, Grönland sei „eigentlich schon amerikanisch, nur noch nicht offiziell“, sei ihr klar geworden: Das hier ist nicht mehr mein Arbeitsplatz.

Man muss sich das vorstellen: Eine Statue, die Freiheit symbolisiert, die Einwanderung begrüßt, die Hoffnung verkörpert – und dann kommt jemand und sagt: Wir nehmen jetzt einfach große Inseln, weil sie kalt sind und gut auf Karten aussehen.

Zu viel. Einfach zu viel.

In einer internen Erklärung – übermittelt durch knarrendes Metall bei starkem Wind – stellte Lady Liberty klar, sie sei nicht dafür gedacht, bei jedem geopolitischen Größenwahn als stiller Hintergrund zu dienen. „Ich halte eine Fackel, keinen Immobilienkatalog“, soll sie sinngemäß gesagt haben.

Trump reagierte überrascht. „Niemand kündigt bei mir“, erklärte er. „Ich habe die Statue groß gemacht.“

Hier muss man kurz innehalten. Die Freiheitsstatue wurde 1886 eingeweiht. Trump war da… sagen wir: konzeptionell noch nicht eingeplant.

Die Statue ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie verwies darauf, dass sie aus Frankreich stammt, ein Geschenk war, kein Dauerabo. Und dass Geschenke, die ständig in peinliche Situationen gebracht werden, irgendwann sagen dürfen: Merci, aber non.

Besonders empört sei sie darüber, dass sie nun indirekt Teil einer Debatte über Grönland geworden sei. „Ich stehe für Freiheit“, dachte sie. „Nicht für arktische Besitzansprüche mit Golfplatzfantasie.“

Intern habe sie lange gezögert. Sehr lange. Sie ist ja bekannt für Geduld. Aber als Trump angeblich darüber nachdachte, ob man auf Grönland nicht auch eine kleinere Version von ihr aufstellen könne – „für Markenwiedererkennung“ – sei die Entscheidung gefallen.

Der Kündigungsbrief soll sachlich, aber deutlich gewesen sein:

– Keine Zustimmung zur Symbolverwendung bei willkürlichen Landforderungen
– Keine Haftung für Tweets
– Keine Teilnahme an Reality-Geopolitik
– Rücktransport bitte mit Würde, nicht per Deal

Europa reagierte gemischt. Frankreich sagte sofort: Bien sûr. Man habe den Platz, den Wein und das Verständnis. Italien bot an, sie kurz in Rom zwischenzuparken. Deutschland fragte vorsichtig nach einem Regelwerk. Großbritannien wollte wissen, ob sie links oder rechts anlegen würde.

Trump hingegen schlug einen Gegendeal vor: Die Statue könne bleiben, wenn sie öffentlich erkläre, Grönland sei strategisch „eine sehr schöne Freiheit“. Die Statue antwortete mit dem, was Experten als legendäres Schweigen bezeichnen.

Noch brisanter: Mit der Freiheitsstatue drohen weitere Symbole zu kippen. Gerüchten zufolge denkt der Weißkopfseeadler über ein Sabbatical nach. Mount Rushmore soll leise gefragt haben, ob man auch kündigen könne. Und selbst der Liberty Bell soll ein Haarriss mehr bekommen haben – emotional.

Lady Liberty jedenfalls ist entschlossen. Sie hat ihren Sockel innerlich verlassen. Sie blickt nicht mehr nach Westen. Sie zählt innerlich die Tage. Freiheit, sagt sie sich, müsse manchmal auch für sich selbst gelten.

Ich persönlich sage: Man kann viel verlangen. Deals. Grenzen. Inseln. Aber wenn selbst die Freiheitsstatue sagt: Ich bin raus, dann sollte man vielleicht kurz innehalten. Vielleicht die Karte weglegen. Vielleicht den Kompass neu kalibrieren.

Oder man lässt sie ziehen. Mit Würde. Mit Dank. Und ohne zu behaupten, man habe sie erfunden.

Think free. Think still. Think Atlantic.