Silvester in Mar-a-Lago: Wie Donald Trump sich selbst feierte, Clooney vergaß und das neue Jahr mit einem Post beleidigte

Ich sage es, wie es ist – und niemand sagt es besser, schon gar nicht Donald Trump selbst: Wenn Donald Trump Silvester feiert, dann feiert Donald Trump vor allem eines – Donald Trump. Alles andere ist Beiwerk. Feuerwerk? Für ihn. Champagner? Für ihn. Glitzerkleid von Melania? Reflektiert sein Ego. Und während andere Präsidenten vielleicht innehalten, Bilanz ziehen oder wenigstens so tun, als würden sie über Verantwortung nachdenken, tat Donald das, was er am besten kann: posten. Pöbeln. Poltern. Auf Truth Social. Staatsmännisch? Nein. Berechenbar? Absolut.
Noch bevor er im Smoking die Treppe von Mar-a-Lago hinabstieg – ein Smoking, der wirkte wie ein diplomatischer Schutzschild gegen jede Form von Selbstreflexion – griff er zum Handy. Nicht, um Neujahrswünsche zu verschicken. Nicht, um Einigkeit zu beschwören. Sondern um sich an einem Schauspieler abzuarbeiten, den er offensichtlich nicht aus dem Kopf bekommt: George Clooney.
Warum? Gute Frage. Clooney lebt inzwischen halb in Frankreich, besitzt ein Weingut, trinkt vermutlich besseren Wein als Donald je getrunken hat und äußert Meinungen. Für Trump ist das offenbar Grund genug, ein ganzes neues Jahr mit einer Beleidigung zu eröffnen. Clooney und seine Frau Amal Clooney seien nun Franzosen, schrieb Trump, und Frankreich sei ein Land mit Kriminalitätsproblemen – dank Migration, versteht sich. Eine Analyse, so tiefgehend wie ein Swimmingpool in Mar-a-Lago. Chlor inklusive.
Das Bemerkenswerte ist dabei nicht die Kritik an Clooney. Hollywood wird seit Jahrzehnten kritisiert. Das wirklich Beeindruckende ist Trumps Timing. Silvester. Der Moment des Neubeginns. Und Donald entscheidet sich: Jetzt ist die perfekte Gelegenheit, um einem Schauspieler zu erklären, warum ich eigentlich der wahre Star bin.
Denn in Wahrheit ging es nie um Clooney. Es ging um Aufmerksamkeit. Um die altbekannte Trump-Logik: Wenn irgendwo ein Prominenter existiert, der nicht ausreichend bewundernd nickt, muss er öffentlich auf Normalgröße zurückgestutzt werden. Clooney sei kein Filmstar, behauptete Trump. Mittelmäßig. Kaum Filme. Viel Politik. Eine steile These von einem Mann, der Reality-TV zur Staatskunst erhoben hat.
Dabei wirkte Trump an diesem Abend weniger wie ein Präsident und mehr wie ein Talkshow-Gast, der verzweifelt den letzten Applaus sucht. Während die Gäste Champagnergläser hoben, führte er auf seinem Handy einen Ein-Mann-Kleinkrieg gegen Hollywood. Und gegen alles, was nicht klatschte.
Natürlich kam auch die Politik nicht zu kurz. Clooney habe erst Joe Biden unterstützt und ihn dann fallen lassen. Illoyalität! Ein schwerer Vorwurf – besonders aus dem Mund eines Mannes, der politische Weggefährten regelmäßig wie saisonale Deko austauscht. Biden, Kamala, Demokraten, alle wurden noch schnell in den Post gepackt, als handle es sich um eine Silvester-Best-of-Liste persönlicher Abneigungen. Kamala Harris durfte dabei natürlich nicht fehlen, immerhin hatte sie es gewagt, gegen Trump anzutreten – ein Affront, der offenbar bis heute schmerzt.
Während draußen das Feuerwerk explodierte, wirkte Trump seltsam isoliert. Umgeben von Luxus, aber gefangen im eigenen Feed. Ein Präsident, der das neue Jahr nicht mit Hoffnung beginnt, sondern mit einem Seitenhieb. Nicht mit Visionen, sondern mit Vergleichen. Nicht mit Größe, sondern mit Groll.
Clooney? Der dürfte den Post vermutlich bei einem Glas Rosé gelesen haben, irgendwo in Südfrankreich, und sich gedacht haben: Interessant, dass ich immer noch Thema bin. Trump hingegen bewies vor allem eines: Selbst an Silvester kann er nicht loslassen. Nicht die Bühne. Nicht die Kränkung. Nicht den Drang, der lauteste Mann im Raum zu sein – selbst wenn der Raum Mar-a-Lago heißt und ohnehin schon ihm gehört.
So begann das neue Jahr: mit Glanz, Glitzer und einem Präsidenten, der mehr über einen Schauspieler schrieb als über sein Land. Ein Silvester, das weniger nach Aufbruch klang als nach Echo. Und Ronald Tramp sagt: Das war kein Post. Das war ein Spiegel.


