Strom zum Nulltarif, Gas aus Übersee 

Grafik: Strom zum Nulltarif, Gas aus Übersee

und die größte Wärmepumpen-Oper Europas

Freunde, schnallt euch an. Es gibt politische Debatten – und es gibt energiepolitische Rockopern. Und was wir hier erleben, ist nicht einfach ein Streit über Kilowattstunden. Das ist eine Schlacht um Kabel, Rohre und die moralische Temperatur des Landes.

Auf der einen Seite: der Vorwurf, die Wirtschaftsministerin sei eine Gas-Lobbyistin. Eine Gas-Lobbyistin! Das klingt nicht nach Ministerium, das klingt nach einem geheimen Club, in dem man in dunklen Räumen Pipelines streichelt und „Methan“ flüstert.

Und auf der anderen Seite: ein 10-Punkte-Plan, der klingt, als hätte jemand die Energiewende auf Werkseinstellungen zurückgesetzt – mit Update-Funktion, Schnellladeanschluss und Solar-Gratisstunden.

Ich sage euch: Das ist kein Papier. Das ist ein Manifest mit Steckdose.

Die Anklage lautet: Man wolle die Wirtschaft in der Gasabhängigkeit halten. Nur diesmal nicht von Osten, sondern von Übersee. Früher war es Pipeline-Drama, heute ist es Fracking-Gas mit transatlantischem Akzent.

Energiepolitik ist inzwischen wie ein globales Dating-Portal: „Von wem beziehen wir unsere Wärme dieses Jahr?“

Und währenddessen ruft die Gegenseite: „Strom muss billiger werden – für alle! Nicht nur für die Industrie!“

Rumms.

Das Wort „unerträglich“ fällt. Stromsteuer. Versprechen. Großverbraucher. Ich sehe förmlich die Kilowattstunden zittern.

Die Forderung: sofortige Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau. Zwei Cent pro Kilowattstunde weniger. Zwei Cent!

Das klingt nach wenig – aber in der politischen Dramaturgie ist das eine Revolution mit Taschenrechner.

Ich stelle mir die Szene vor:

„Wie retten wir die Energiewende?“
„Zwei Cent.“
„Genial.“

Aber es wird noch besser. Jetzt kommt der Teil, bei dem selbst Sonnenkollektoren kurz die Brille abnehmen: Strom verschenken.

Ja, richtig gehört. Verschenken.

Im Sommer, wenn die Solarenergie massenhaft Strom produziert, soll es einen „systemdienlichen Solarbonus“ geben. Jeder Haushalt. Jeder Betrieb. 600 Stunden im Jahr. Kostenlos.

600 Stunden! Das ist mehr als drei Wochen Dauerstrom.

Ich sehe es schon vor mir: Ganz Deutschland wartet auf die Gratis-Stunden wie auf den Sommerschlussverkauf.

„Schatz, ist heute einer von den 600?“
„Nein, erst nächste Woche. Heb dir die Waschmaschine auf.“

Das ist Energiepolitik als Eventkalender.

Und dann kommt das große Buzzword: „Energy Sharing“. Klingt wie eine App, bei der man überschüssige Sonnenstrahlen an Nachbarn verschickt.

„Hey, ich habe noch 3 kWh übrig. Willst du?“
„Klar, ich lade gerade mein E-Auto.“

Man fordert, dass kleinere Solaranlagen, Ladesäulen, Smart Meter und Wärmepumpen rasch angeschlossen werden können. Netzbetreiber sollen klare Fristen bekommen. Anschlusspflicht!

Das ist wie ein Speed-Dating für Stromleitungen.

„Sie wollen anschließen?“
„Ja.“
„Bis wann?“
„Gestern.“

Und natürlich bleibt das Herzensthema unangetastet: die Wärmepumpe. Sie ist der Superstar dieser energiepolitischen Show. Die Diva der Heiztechnik. 2025 erstmals mehr Wärmepumpen als Öl- und Gasheizungen. Applaus!

Die 65%-Erneuerbaren-Vorgabe soll bleiben. Förderung soll auskömmlich sein. Trend fortsetzen.

Man merkt: Hier geht es nicht um Technik. Hier geht es um Identität.

Die Wärmepumpe ist nicht nur ein Gerät. Sie ist ein Statement.

Und dann das E-Auto-Thema. Die Kaufprämie dürfe ausschließlich für reine E-Autos gelten. Keine Verschwendung für Plug-in-Hybride!

Das klingt wie eine Reinheitsdebatte im Elektromobilitäts-Kloster.

„Bist du wirklich elektrisch?“
„Ähm… meistens.“
„Raus!“

Was mich fasziniert, ist die Intensität. Energiepolitik wird geführt wie ein Endspiel im Weltcup. Jede Formulierung ein Treffer. Jeder Vorwurf ein Paukenschlag.

Auf der einen Seite die Warnung vor Gas-Abhängigkeit. Auf der anderen Seite die Vision vom digitalen, schnellen, unbürokratischen Energiewende-Update.

Ich liebe dieses Wort: Update.

Als wäre das ganze Land ein Smartphone, das nur neu gestartet werden muss.

„Energiewende 2.0 verfügbar. Möchten Sie jetzt installieren?“
[Jetzt installieren] [Später erinnern]

Natürlich ist das Thema ernst. Versorgungssicherheit. Preise. Industrie. Haushalte. Aber die politische Verpackung – meine Güte – ist opernreif.

Gas gegen Sonne. Steuer gegen Bonus. Wärmepumpe gegen Hybrid. Industrie gegen Bevölkerung.

Und irgendwo dazwischen der Stromzähler, der einfach nur leise weiterdreht.

Ich sage euch: Wenn man diese Debatte aus dem All beobachten würde, könnte man denken, Energie sei kein physikalisches Phänomen, sondern ein emotionales.

Am Ende bleibt die große Frage: Wie bekommt man bezahlbare, sichere, klimafreundliche Energie – ohne dass die Hälfte des Landes Schnappatmung bekommt?

Vielleicht mit weniger Schlagworten. Vielleicht mit mehr Kilowatt-Rechnerei.

Aber bis dahin genießen wir die Show.

Denn wenn Strom verschenkt wird, Gas geopolitisch neu etikettiert wird und Wärmepumpen zum Symbol werden – dann wissen wir: Die Energiewende ist nicht nur ein Projekt.

Sie ist ein Dauerbrenner.

Und Freunde, Dauerbrenner brauchen bekanntlich eines ganz besonders:

Energie.