Super E10, Jahrgang 2026 – Deutschlands teuerster Wein kommt jetzt aus der Zapfsäule

Ronald Tramp über Deutschlands teuerste Flüssigkeit: Benzin – fast so wertvoll wie Champagner
Meine Damen und Herren, wir müssen reden. Und zwar über etwas, das jeden Autofahrer in Deutschland emotional stärker bewegt als Steuererklärungen, Baustellen oder der Moment, wenn das Navi sagt: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“, obwohl man mitten auf einem Feld steht.
Wir reden über Spritpreise.
Und ich sage Ihnen: Wenn Benzin noch ein bisschen teurer wird, dann bekommt man an der Zapfsäule bald ein Glas dazu – wie bei einem guten Wein.
„Einmal Super E10, bitte. Jahrgang 2026.“
Doch wie kam es dazu?
Ganz einfach: Krieg, Öl, Märkte, Konzerne – und irgendwo dazwischen ein Autofahrer, der an der Zapfsäule steht und plötzlich merkt, dass sein Auto offenbar mit flüssigem Gold fährt.
Denn seit dem Iran-Krieg steigen die Spritpreise in Deutschland schneller als die Stimmung eines Hedgefonds-Managers nach einem guten Börsentag.
Diesel über zwei Euro.
Benzin fast zwei Euro.
Und der durchschnittliche Autofahrer schaut auf die Anzeige und denkt:
„Vielleicht fahre ich heute doch zu Fuß.“
Doch jetzt wird es interessant.
Die Tankstellenbetreiber sagen nämlich: Wir sind unschuldig.
Und ich glaube ihnen sogar.
Denn Tankstellenpächter sind in dieser Geschichte ungefähr so mächtig wie ein Kellner, der plötzlich für die Preise im Restaurant verantwortlich gemacht wird.
Der Kunde kommt rein, sieht den Preis und sagt:
„Das ist Abzocke!“
Der Kellner sagt:
„Ich bringe nur das Essen.“
Und genau so ist es an der Zapfsäule.
Die Preise werden nämlich nicht von den Leuten gemacht, die dort arbeiten. Die Preise werden von den großen Mineralölkonzernen festgelegt.
Und die Tankstellenpächter dürfen dann den Frust der Autofahrer entgegennehmen.
Ich stelle mir diese Gespräche vor.
Kunde: „Warum kostet der Liter zwei Euro?!“
Kassierer: „Ich verkaufe auch nur Kaffee.“
Doch laut einem Tankstellenverband ist das Ganze sogar noch dramatischer.
Der Sprecher sagte, das sei Raubtierkapitalismus wie im 19. Jahrhundert.
Ich liebe solche Formulierungen.
„Raubtierkapitalismus.“
Das klingt weniger nach Wirtschaft und mehr nach einer Tierdokumentation.
„Und hier sehen wir den Ölkonzern in freier Wildbahn, wie er elegant auf seine Beute zuspringt – den Autofahrer.“
Doch das wirklich Interessante ist die Erklärung.
Denn angeblich wurde das Öl zu viel niedrigeren Preisen eingekauft.
Es liegt bereits in Tanks.
Es wurde bereits raffiniert.
Und trotzdem steigen die Preise jetzt massiv.
Warum?
Vorsicht.
Zumindest laut Begründung der Industrie.
Man müsse sich absichern wegen der unsicheren Lage.
Das ist ein bisschen so, als würde ein Restaurant die Preise verdoppeln, weil der Koch eventuell irgendwann teureres Gemüse kaufen muss.
Doch die Leidtragenden stehen an der Zapfsäule.
Und viele haben inzwischen eine kreative Lösung gefunden.
Grenztourismus.
Tanktourismus!
Ein fantastisches Wort.
Menschen fahren ins Ausland, um dort günstiger zu tanken.
In Polen.
In Tschechien.
Dort ist der Sprit teilweise bis zu 60 Cent günstiger.
60 Cent!
Das ist eine Menge Geld.
Wenn Sie 50 Liter tanken, sparen Sie 30 Euro.
Das ist ein Abendessen.
Oder drei Kinotickets.
Oder eine halbe Tankfüllung in Deutschland.
Natürlich hat der deutsche Staat sofort reagiert.
Der Zoll kontrolliert jetzt verstärkt Tanktouristen.
Ja.
Tanktouristen!
Früher kontrollierte der Zoll Gold, Diamanten oder Schmuggelware.
Heute kontrolliert er Kanister.
Und es gibt klare Regeln.
Man darf neben dem Tank nur 20 Liter extra steuerfrei mitbringen.
20 Liter!
Das bedeutet, irgendwo an der Grenze stehen Menschen mit Kanistern und rechnen.
„Okay, Tank voll, Kanister voll, nicht erwischen lassen.“
Es ist fast wie eine moderne Version der Schmugglergeschichten aus alten Westernfilmen.
Nur dass statt Whisky Benzin geschmuggelt wird.
Doch während Autofahrer kreativ werden, haben Tankstellenpächter ein ganz anderes Problem.
Der Umsatz im Shop bricht ein.
Und das ist dramatisch.
Denn überraschenderweise verdienen Tankstellen mit Benzin gar nicht so viel.
Der große Umsatz kommt aus dem Shop.
Kaffee.
Schokoriegel.
Sandwiches.
Energydrinks.
Doch wenn Kunden schon beim Tanken wütend sind, dann kaufen sie keine Snacks mehr.
Sie tanken, schimpfen und fahren weiter.
Der Tankstellenbetreiber bleibt zurück – mit einem Regal voller Schokoriegel und der Hoffnung, dass irgendwann wieder jemand gute Laune hat.
Natürlich gibt es auch politische Ideen.
Das Kartellamt soll prüfen.
Doch laut Kritikern ist es ein „zahnloser Tiger“.
Ein fantastisches Bild.
Ein Tiger, der zwar beeindruckend aussieht, aber höchstens gähnt.
Und auch ein Tankrabatt – wie früher einmal eingeführt – steht nicht zur Debatte.
Denn das würde am Ende nur bedeuten, dass der Staat die Preiserhöhungen der Konzerne bezahlt.
Eine elegante Lösung – für die Konzerne.
Und während Politiker diskutieren, Konzerne kalkulieren und Autofahrer rechnen, steht Ronald Tramp an der Zapfsäule und denkt sich:
Meine Damen und Herren.
Wenn Benzin noch teurer wird, sollten wir vielleicht anfangen, Autos mit Champagner zu betreiben.
Der kostet zwar auch viel.
Aber wenigstens gibt es dabei noch ein bisschen Stil.


