Tresor? War offen!

Grafik: Tresor? War offen!

 

Wie eine Sparkasse erklärte, Opfer zu sein, während Millionen spazieren gingen

Ein investigativ-satirischer Sonderbericht von Ronald Tramp, dem einzigen Reporter, der einem Tresor niemals blind vertraut hat.

Es war Dezember. Weihnachten stand vor der Tür. Die Menschen dachten an Plätzchen, Kerzen, Familie – und an das, was man so tut, wenn man viel Geld besitzt: Man legt es beruhigt in ein Schließfach. Sicher. Solide. Deutsch. Sparkasse.

Denn wenn es irgendwo sicher ist, dann doch dort, wo der Name schon sagt, was passiert: Man spart. Und zwar sicher.

Oder?

In Gelsenkirchen – jener Stadt, die schon viel gesehen hat, aber offenbar noch nicht alles – ereignete sich kurz vor den Feiertagen ein Einbruch, der so spektakulär war, dass selbst Tresore danach an ihrer Berufswahl zweifelten. Maskierte Täter, professionell, geduldig, vermutlich mit Thermoskannen und guter Planung, drangen über eine Tiefgarage in eine Sparkassenfiliale ein.

Eine Tiefgarage.
Nicht durch die Tür.
Nicht durchs Fenster.
Sondern über den Parkplatz der Hoffnung.

Und dann passierte etwas, das man eigentlich nur aus Filmen kennt, die mit „Nach einer wahren Begebenheit“ beginnen: Die Täter bohrten sich über Tage hinweg in den Tresorraum. Über Weihnachten. Während Deutschland Gänse briet, bohrten sie sich durch Stahl, Technik und offenbar auch durch die Gewissheit, dass alles sicher sei.

Das Ergebnis: Tausende Schließfächer geöffnet. Wertsachen weg. Bargeld weg. Schmuck weg. Träume weg. Millionen weg.

Und die Sparkasse?
Sagte: „Wir sind auch Opfer.“

Ein Satz von majestätischer Eleganz. Ein Satz, der alles kann. Ein Satz, der sagt: Ja, hier sind Millionen verschwunden – aber fühlen Sie bitte auch mit uns.

Doch einige Kundinnen und Kunden sagten sich:
„Moment. Nein.“

Denn nun liegen Klagen vor. Drei Stück. Beim Landgericht Essen. Kein kleines Amtsgericht. Essen. Groß. Ernst. Juristisch gewürzt.

Die Kläger werfen der Bank mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen vor. Und ich frage:
Mangelhaft?
Oder eher… sehr optimistisch?

Nehmen wir Fall Nummer eins: Ein Rentner. Ein Mann, der nach dem Verkauf einer Wohnung dachte: Ich parke mein Geld sicher. Fast 400.000 Euro. Bargeld. Nicht unter der Matratze. Nicht im Blumentopf. Sondern im Schließfach einer Sparkasse.

Ein Ort, der Vertrauen verspricht. Kein „Vielleicht“, kein „Hoffentlich“. Sondern: Das ist doch eine Bank.

Fall Nummer zwei: Ein Geschäftsführer. Mittelstand. Deutschland liebt den Mittelstand. Bargeld, Schmuck, eine Rolex. Gesamtwert rund 120.000 Euro. Ebenfalls sicher deponiert. Ebenfalls weg.

Und nun stehen sie da. Vor Gericht. Mit Anwälten. Mit Argumenten. Mit der leisen Frage:
„Wenn das kein sicherer Ort war – was dann?“

Die Bank sagt: Die Räumlichkeiten seien „nach anerkanntem Stand der Technik gesichert“ gewesen.

Ein Satz, der klingt wie:
„Das Schiff war technisch korrekt gebaut, nur leider war Wasser drum herum.“

Was genau dieser „anerkannte Stand der Technik“ ist, bleibt spannend. Offenbar umfasst er Tiefgaragen, durchbohrbare Wände und die Möglichkeit, mehrere Tage ungestört an einem Tresor zu arbeiten. Das ist kein Einbruch – das ist ein Bauprojekt.

Ich stelle mir das vor:
„Chef, da bohrt jemand seit zwei Tagen.“
„Ach, das wird schon Technik sein.“

Der Fall machte deutschlandweit Schlagzeilen. International sogar. Und irgendwo in der Welt fragte sich jemand:
„Germany? The country of security and order?“
Und jemand antwortete:
„Yes. But only until Christmas.“

Natürlich ist die Bank auch tatsächlich Opfer eines Verbrechens. Niemand bestreitet das. Aber sie ist eben auch Betreiberin eines Systems, das absolute Sicherheit suggeriert – und genau deshalb Geld anzieht, das niemand verlieren will.

Ein Schließfach ist kein Lagerraum. Es ist ein Versprechen.

Und wenn dieses Versprechen gebrochen wird, dann ist es nur logisch, dass Menschen fragen: Wer trägt die Verantwortung?

Ronald Tramp sagt:
Man kann nicht gleichzeitig Hochsicherheitsbank und unbeteiligter Zuschauer sein. Man kann nicht sagen: „Hier ist alles sicher“ – und danach: „Wir konnten nichts tun.“

Denn wenn ein Rentner sein Lebenswerk dort lagert, dann lagert dort nicht nur Geld. Dann lagert dort Vertrauen. Und das ist unbezahlbar. Leider auch nicht versichert.

Was nun folgt, wird ein juristischer Showdown. Paragraphen gegen Beton. Gutachten gegen Bohrer. Anwälte gegen Technikbegriffe. Und am Ende die große Frage:
Wie sicher ist sicher?

Bis dahin empfehle ich:
Wer sein Geld in ein Schließfach legt, sollte vielleicht vorher fragen, ob die Tiefgarage abgeschlossen ist.

Ronald Tramp bleibt dran. Mit Taschenlampe. Und gesundem Misstrauen.