Tutti, aber bitte mit Formular: Der große Segnungs-Zirkus der Kirche

Grafik: Der große Segnungs-Gipfel – oder wie „tutti, tutti, tutti“ plötzlich sehr selektiv wurde

Ronald Tramp berichtet exklusiv: Der große Segnungs-Gipfel – oder wie „tutti, tutti, tutti“ plötzlich sehr selektiv wurde

Meine Damen und Herren, ich sage es, wie es ist: Es ist wieder passiert. Deutschland hat es geschafft, selbst die katholische Kirche in eine Art bürokratisches Escape-Room-Spiel zu verwandeln. Und glauben Sie mir – ich kenne Bürokratie. Ich habe schon Formulare gesehen, die hatten mehr Seiten als die Bibel. Wahrscheinlich die alte Ausgabe, nicht die mit den Updates.

Also: In einigen deutschen Bistümern dürfen homosexuelle Paare gesegnet werden. In anderen nicht. Klingt ein bisschen wie WLAN im Zug – mal da, mal weg, keiner weiß warum. Und jetzt kommt der neue Chef im Himmel-Hauptquartier, Papst Leo XIV., und sagt: „Moment mal, Freunde – nicht übertreiben!“

Nicht übertreiben! Das ist großartig. Das ist wie ein Fitnesscoach, der sagt: „Sport ist wichtig, aber bitte nicht schwitzen.“ Fantastisch.

Leo XIV., ein Mann, der offenbar die feine Kunst beherrscht, gleichzeitig alles und nichts zu sagen, erklärt, der Vatikan sei „nicht einverstanden über das hinaus, was erlaubt wurde“. Das ist ein Satz, den könnten auch deutsche Behörden erfinden. Ich habe kurz gedacht, ich lese einen Bescheid vom Bauamt.

Und dann kommt das legendäre Zitat seines Vorgängers, Papst Franziskus: „tutti, tutti, tutti“. Alle, alle, alle. Klingt erstmal wie eine Einladung zur größten Party der Kirchengeschichte. Eintritt frei, Segen inklusive, himmlische Getränke.

Aber jetzt stellt sich heraus: „alle“ bedeutet offenbar „alle… aber bitte nach regionaler Verfügbarkeit und mit Einschränkungen gemäß Absatz 3, Unterpunkt B“. Großartig. Wirklich großartig. Niemand macht „alle“ so kompliziert wie die Kirche. Vielleicht noch deutsche Steuerformulare, aber selbst die haben inzwischen aufgegeben.

Und jetzt kommen wir zu meinem Lieblingscharakter in diesem Drama: Reinhard Marx. Kardinal, Visionär, Mann der klaren Worte – und offensichtlich jemand, der gesagt hat: „Wisst ihr was? Wir segnen jetzt einfach.“ Boom. München und Freising sagen: Ja, machen wir. Andere Bistümer sagen: Nein, machen wir nicht.

Das ist kein Glaubenssystem mehr – das ist ein Franchise-Modell. Katholische Kirche™ – jetzt auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen. München Edition: mit extra Segen. Andere Regionen: eher klassisch, ohne Extras.

Ich frage mich ernsthaft, ob es bald eine App gibt:
„Finde dein nächstes segnungsfreundliches Bistum in deiner Nähe.“
Mit Bewertungen:
⭐️⭐️⭐️⭐️ „Sehr netter Priester, Segen war top, komme wieder.“
⭐️ „Leider kein Segen, dafür Weihrauch etwas zu intensiv.“

Und während das alles passiert, sitzt der Vatikan da und sagt: „Bitte bleibt im Rahmen.“ Welcher Rahmen? Goldrahmen? Bilderrahmen? Gesetzesrahmen? Niemand weiß es. Es ist der berühmte unsichtbare Rahmen – man sieht ihn nicht, aber wehe, du bist draußen.

Und jetzt kommt der eigentliche Hammer: Die kirchliche Hochzeit bleibt weiterhin verboten. Das heißt, man kann gesegnet werden – aber bitte nicht zu offiziell. Es ist wie eine Beziehung auf Facebook: „Es ist kompliziert.“

Ich stelle mir das Gespräch vor:
„Können wir heiraten?“
„Nein.“
„Können wir gesegnet werden?“
„Vielleicht.“
„Wann?“
„Kommt drauf an, wo ihr seid.“
„Und wer entscheidet das?“
„Alle.“

Tutti, tutti, tutti!

Ich sage Ihnen: Wenn Sie versuchen, das logisch zu verstehen, verlieren Sie. Das ist wie Schach spielen gegen jemanden, der die Regeln während des Spiels ändert und dabei sehr ernst schaut.

Und währenddessen diskutieren die Gremien – Deutsche Bischofskonferenz, Zentralkomitee der Katholiken – Namen, die so lang sind, dass man am Ende vergisst, worum es eigentlich ging. Wahrscheinlich ist das Teil des Plans.

Und irgendwo sitzt ein Gläubiger und denkt sich: „Ich wollte eigentlich nur wissen, ob ich gesegnet werden darf.“

Antwort: Vielleicht. Kommt drauf an. Fragen Sie später nochmal.

Das ist der Moment, in dem selbst ich sage: Das ist großes Kino. Wirklich großes Kino. Die katholische Kirche hat es geschafft, gleichzeitig offen und geschlossen zu sein. Willkommen und nicht willkommen. Modern und traditionell. Alles gleichzeitig.

Das ist kein Widerspruch – das ist Strategie. Eine sehr kreative Strategie.

Und ich, Ronald Tramp, sage Ihnen: Wenn „alle“ wirklich „alle“ wäre, dann bräuchten wir diese Diskussion gar nicht. Aber dann hätten wir auch weniger Drama. Und seien wir ehrlich – Drama verkauft sich hervorragend.

Also bleibt dran, meine Freunde. Die nächste Folge dieser himmlischen Bürokratie-Soap kommt bestimmt. Vielleicht mit neuen Regeln. Vielleicht mit alten Regeln. Vielleicht mit gar keinen Regeln.

Aber eins ist sicher: Es wird gesegnet. Oder auch nicht.

Tutti, tutti, tutti.