Unterirdisch großartig

Grafik: Weiße Haus unterirdisch großartig

Wie Donald Trump das Weiße Haus zur Luxus-U-Bahn umbaut. 

Meine Damen und Herren, ich habe in meinem Leben schon viele Bauprojekte gesehen. Wirklich viele. Flughäfen, die niemals fertig werden. Bahnhöfe, die aussehen wie ein Puzzle aus Beton. Und natürlich Regierungsgebäude, die so lange renoviert werden, dass am Ende niemand mehr weiß, wie sie ursprünglich aussahen.

Aber was jetzt in Washington geplant wird, meine Damen und Herren, ist etwas ganz Besonderes.

Es geht um das Weiße Haus.

Das berühmteste Gebäude der amerikanischen Politik.

Der Ort, an dem Präsidenten arbeiten, Staatsgäste empfangen und gelegentlich Entscheidungen treffen, die den gesamten Planeten nervös machen.

Und genau dort gibt es jetzt ein neues Bauprojekt.

Ein unterirdisches Besucherzentrum.

Ja, Sie haben richtig gehört.

Unterirdisch.

Denn offenbar hat der Präsident festgestellt, dass die Sicherheitskontrollen rund um das Weiße Haus momentan aussehen wie eine Mischung aus Festival-Eingang und Baustellenlager.

Container.

Zelte.

Temporäre Kontrollpunkte.

Mit anderen Worten: Es sieht nicht besonders… präsidial aus.

Und das, meine Damen und Herren, ist ein Problem.

Denn wenn es etwas gibt, das dieser Präsident wirklich liebt, dann ist es Stil.

Groß.

Glänzend.

Beeindruckend.

Und möglichst mit Rolltreppen.

Deshalb lautet der neue Plan: Das Ganze kommt unter die Erde.

Ein riesiges Besucherzentrum, mehr als 3000 Quadratmeter groß.

Touristen.

Reisegruppen.

Menschen mit Selfiesticks.

Alle sollen künftig unterirdisch durch die Sicherheitskontrollen laufen.

Und danach – das ist der elegante Teil – fahren sie mit Rolltreppen wieder nach oben.

Direkt neben einen neuen Ballsaal.

Ja, meine Damen und Herren.

Ein Ballsaal.

Denn während manche Präsidenten sich um Infrastruktur kümmern, baut dieser Präsident erstmal einen Raum für große Empfänge.

Und ich sage Ihnen ehrlich: Das ist Vision.

Andere denken an Politik.

Hier denkt man an Architektur.

Ich stelle mir diese Szene schon vor.

Sie kommen als Tourist nach Washington.

Sie wollen das Weiße Haus sehen.

Zuerst gehen Sie unter die Erde.

Durch Sicherheitskontrollen.

Scanner.

Metalldetektoren.

Und vermutlich eine Sicherheitsstufe, bei der sogar Ihr Schlüsselbund politisch überprüft wird.

Dann fahren Sie mit einer Rolltreppe nach oben.

Und plötzlich stehen Sie neben einem Ballsaal, der wahrscheinlich größer ist als so manche europäische Oper.

Das nenne ich eine Besucherführung.

Natürlich hat dieses Projekt auch eine kleine Besonderheit.

Die Kosten.

Denn ursprünglich war das Ganze deutlich günstiger geplant.

Jetzt liegen die Kosten allein für den Ballsaal bei ungefähr 400 Millionen Dollar.

Und ich sage Ihnen: Wenn Bauprojekte teurer werden als geplant, dann ist das im Grunde ein internationales Kulturerbe.

Das passiert überall.

Flughäfen.

Brücken.

Stadien.

Und jetzt eben auch im Weißen Haus.

Das neue Besucherzentrum selbst hat übrigens noch keinen offiziellen Preis.

Was natürlich bedeutet, dass es später wahrscheinlich eine Überraschung geben wird.

Eine sehr große Überraschung.

Eine Überraschung mit vielen Nullen.

Aber das wirklich Faszinierende ist der Zeitpunkt.

Das Projekt soll im August beginnen.

Dauer: ungefähr zwei Jahre.

Fertigstellung: kurz vor Ende der aktuellen Amtszeit.

Ich sage Ihnen: Das ist Timing.

Denn nichts sagt „historisches Vermächtnis“ so sehr wie ein riesiges Bauprojekt, das gerade noch rechtzeitig fertig wird.

Oder zumindest fast.

Natürlich gibt es auch Kritik.

Zehntausende Rückmeldungen.

Viele davon skeptisch.

Manche Menschen fragen sich, ob ein unterirdisches Besucherzentrum wirklich nötig ist.

Andere fragen sich, ob ein Ballsaal wirklich Priorität haben sollte.

Und wieder andere fragen vermutlich einfach:

„Warum Rolltreppen?“

Aber ich sage Ihnen: Das ist moderne Politik.

Politik ist heute nicht nur Gesetze und Debatten.

Es ist auch Architektur.

Design.

Und manchmal sogar Eventplanung.

Denn wenn dieses Projekt fertig ist, wird das Weiße Haus nicht nur eine Regierungszentrale sein.

Es wird auch eine Art politisches Erlebniszentrum.

Mit unterirdischem Eingang.

Mit Rolltreppen.

Und mit einem Ballsaal, der wahrscheinlich so groß ist, dass man dort gleichzeitig eine Konferenz, einen Empfang und eine spontane Tanzveranstaltung veranstalten könnte.

Ich stelle mir schon vor, wie Historiker in hundert Jahren darüber sprechen.

„Im frühen 21. Jahrhundert begann eine neue Ära der amerikanischen Architektur.“

„Die Ära der großen Ballräume.“

„Und der unterirdischen Sicherheitskontrollen.“

Meine Damen und Herren, eines muss man diesem Präsidenten lassen.

Er denkt groß.

Sehr groß.

Manche bauen Denkmäler.

Andere bauen Tunnel.

Und wieder andere bauen Ballsaale.

Und wenn dieses Projekt tatsächlich fertig wird, dann wird das Weiße Haus nicht nur das Zentrum der amerikanischen Politik sein.

Es wird auch eines der wenigen Regierungsgebäude der Welt sein, bei dem Touristen zuerst unter die Erde gehen müssen, bevor sie an die Oberfläche der Macht gelangen.

Und ich sage Ihnen: Das ist fast schon poetisch.

Politik beginnt im Untergrund.

Und endet im Ballsaal.