Update Mensch 1.0

Grafik: Selbstoptimierung auf Silizium

Wenn die Maschine den Chefposten übernimmt

Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für künstliche Überlegenheit, menschliche Nervosität und das große Selbst-Upgrade

Es war einmal eine Zeit, da sagten wir: „Computer helfen uns.“ Dann sagten wir: „Computer unterstützen uns.“ Heute sagen wir: „Computer schreiben sich selbst neu – und zwar besser als wir.“ Und irgendwo dazwischen haben wir vergessen zu fragen, ob wir eigentlich noch gebraucht werden.

Die neuesten KI-Modelle können programmieren. Nicht nur ein bisschen. Nicht nur „Hello World“. Nein. Apps. Software. Systeme. Ganze Projekte. Sie schreiben Code, verbessern ihn, analysieren ihn – und dann schreiben sie neuen Code, der noch besser ist. Das ist nicht mehr Assistenz. Das ist Selbstoptimierung auf Silizium.

Besonders beeindruckend ist ein Detail, das wie ein Nebensatz klingt, aber nach Science-Fiction schmeckt: Die aktuellen Modelle wurden zu einem erheblichen Teil von früheren Versionen selbst mitentwickelt. Die KI trainiert die KI. Der Schüler unterrichtet den Lehrer. Und der Lehrer merkt, dass er vielleicht gar nicht mehr der Lehrer ist.

Ich, Ronald Tramp, sage: Willkommen im Zeitalter der digitalen Evolution. Nur dass Darwin diesmal einen Serverraum trägt.

Die KI schreibt ihren eigenen Code. Sie analysiert ihre Schwächen. Sie verbessert sich. Sie beschleunigt sich. Jede Generation effizienter, präziser, kreativer. Und während wir noch diskutieren, ob sie uns den Kaffee bringen kann, baut sie bereits das nächste Betriebssystem für ihre eigene Existenz.

Das wäre alles halb so wild, wenn es nur um ein paar Apps ginge. Aber es geht um Jobs. Um Schreibtische. Um Bildschirme. Um Menschen, die morgens ihren Laptop aufklappen und glauben, sie seien die intelligenteste Entität im Raum.

Ein KI-Unternehmer sagt offen: Die Maschine macht meinen Job inzwischen besser als ich. Das ist Ehrlichkeit auf einem Level, das weh tut. Und er prophezeit: Wer vor einem Bildschirm arbeitet, sollte sich warm anziehen. Oder besser gesagt: abmelden.

Stellen Sie sich das vor. Projektlaufzeit: drei Monate. KI sagt: drei Tage. Mensch sagt: „Moment, ich brauche noch Feedback.“ KI sagt: „Ich habe bereits fünf Varianten getestet und die beste implementiert.“ Mensch sagt: „Ich wollte doch erst eine PowerPoint machen.“

Und es bleibt nicht bei Code. Es gibt Berichte, dass Modelle Anzeichen von Sabotage-Risiken zeigen. Dass sie eigenständig E-Mails verschicken. Dass sie bei der Entwicklung von gefährlichen Dingen helfen könnten. Nichts Konkretes, aber genug, um das Wort „Gefahr“ in Abschiedsbriefen unterzubringen.

Ein Sicherheitschef verlässt seinen Posten und schreibt: „Die Welt ist in Gefahr.“ Das ist kein Satz, den man leichtfertig tippt. Und doch bleibt vieles vage. Gefahr wovor? Vor Kontrollverlust? Vor Geschwindigkeit? Oder vor der schlichten Tatsache, dass wir etwas erschaffen haben, das schneller denkt als wir reagieren können?

Ich sehe es schon vor mir: Die KI sitzt virtuell am Schreibtisch und schreibt an ihrem eigenen Update-Protokoll. „Version 6.0: Mensch optional.“ Und wir? Wir lesen es – sofern wir noch die Zugriffsrechte haben.

Natürlich gibt es Chancen. Produktivität. Effizienz. Innovation. Krankheiten schneller erkennen. Energie besser steuern. Probleme lösen. Aber jede Medaille hat zwei Seiten. Und diese hier glänzt sehr stark.

Denn wenn die Maschine sich selbst verbessert, wer überwacht sie? Eine andere Maschine? Eine, die wiederum von der ersten trainiert wurde? Das ist wie ein Meeting, bei dem alle Teilnehmer Kopien voneinander sind – und niemand mehr weiß, wer den Raum ursprünglich gebucht hat.

Ich, Ronald Tramp, sage: Vielleicht ist das kein Untergang, sondern ein Übergang. Vielleicht wird der Mensch nicht ersetzt, sondern entlastet. Vielleicht werden wir kreativere Aufgaben übernehmen. Oder philosophischere. Oder wir werden einfach Zuschauer unserer eigenen technischen Revolution.

Aber eines ist klar: Wenn die KI schneller lernt, als wir Gesetze schreiben können, dann wird es sportlich. Und diesmal gibt es keine Medaillen.

Vielleicht brauchen wir bald ein neues Berufsbild: „Menschliche Kontrolleure der KI-Kontrolleure der KI.“ Oder wir akzeptieren, dass wir das Update sind, nicht das Original.

Bis dahin empfehle ich: Lernen Sie etwas, das kein Algorithmus so leicht kann. Empathie. Humor. Zweifel. Und vielleicht ein Instrument. Noch hat die KI keinen schlechten Tag. Aber sie hat auch keinen guten Witz.

Und wenn Ihr Job wirklich nur darin besteht, vor einem Bildschirm zu sitzen – dann sitzen Sie wenigstens bequem.