Wenn Eliten plötzlich benachteiligt sind – Ein Drama in Weiß

Grafik: Ein Drama in Weiß

Meine Damen und Herren, es ist wieder soweit. Die Welt dreht sich, die Sonne scheint, und irgendwo in Amerika sitzt eine Elite-Universität in einem Turm aus Backstein und fragt sich: „Sind wir eigentlich Opfer?“ Und ich sage: Das ist großes Kino. Wirklich großes Kino. Besser als Streaming. Besser als Reality-TV. Und glauben Sie mir, ich kenne Reality-TV.

Da steht also eine Regierung vor einem Gericht und sagt mit ernster Miene: „Wir müssen prüfen, ob hier diskriminiert wird.“ Und man erwartet jetzt eine Debatte über strukturelle Benachteiligung, historische Ungleichheiten, soziale Durchlässigkeit. Aber nein! Plot-Twist! Es geht darum, ob die Mehrheit womöglich die eigentliche Minderheit ist. Das ist wie ein Steakhaus, das klagt, es bekomme zu wenig Fleisch.

Ich nenne das: Reverse-Universum-Politik. Alles ist umgedreht. Unten ist oben, oben ist unten, und am Ende ist jeder ein bisschen verwirrt – außer mir natürlich. Ich bin nie verwirrt. Ich bin maximal klar. Sehr klar. Glasklar.

Die Elite-Uni soll jetzt Dokumente herausgeben. Zulassungsunterlagen. Tabellen. Zahlen. Wahrscheinlich sogar Excel-Listen. Man will prüfen, ob bestimmte Gruppen benachteiligt wurden. Und mit „bestimmte Gruppen“ sind diesmal nicht diejenigen gemeint, die jahrzehntelang kämpfen mussten, um überhaupt in diese Hallen zu gelangen. Nein. Es geht um die, die schon immer dort waren. Dramatische Musik bitte.

Ich stelle mir vor, wie in einem holzgetäfelten Büro jemand sagt: „Wir müssen herausfinden, ob hier unfair ausgewählt wird.“ Und jemand anderes nickt ernst und flüstert: „Vielleicht bekommen die Privilegierten nicht genug Privilegien.“ Das ist mutig. Das ist neu. Das ist politischer Extremsport.

Natürlich geht es offiziell um Fairness. Um Gleichbehandlung. Um das große Ideal. Aber wenn man genauer hinschaut, sieht man: Es ist ein Kulturkampf in Tweed-Jacken. Die Regierung hat sich vorgenommen, alles zu hinterfragen, was nach Diversität, Inklusion oder Gleichstellung riecht. Diese Begriffe werden inzwischen behandelt wie exotische Gewürze – man ist sich nicht sicher, ob sie gefährlich sind.

Und jetzt also die Elite-Uni. Die Regierung sagt: „Zeigt uns eure Akten!“ Die Universität antwortet: „Moment mal.“ Die Gerichte sagen: „Wir prüfen das.“ Und irgendwo sitzt ein Student mit 1,0-Abitur und denkt: „Kann ich einfach nur studieren?“

Die Argumentation ist faszinierend. Man sagt: Vielleicht wurden Weiße benachteiligt. Besonders weiße Männer. Das ist ungefähr so, als würde man behaupten, Pinguine würden in der Antarktis unterdrückt. Es ist eine These, die man erst einmal wirken lassen muss. Sehr lange wirken lassen.

Und das Ganze kommt natürlich mit dem großen Versprechen: Wir retten das System! Wir stellen die Fairness wieder her! Wir kämpfen gegen Diskriminierung! Und ich sage: Wenn alles Diskriminierung ist, ist am Ende nichts mehr Diskriminierung. Dann ist es nur noch Statistik mit Drama.

Gleichzeitig versucht man, Fördergelder zu streichen, internationale Studierende fernzuhalten und Universitäten als ideologische Feindzentren darzustellen. Man will sie umerziehen. Oder zumindest einschüchtern. Es ist ein bisschen wie Elternsprechtag, nur mit Milliardenbudgets.

Was ich besonders liebe – und ich liebe vieles, glauben Sie mir – ist diese moralische Empörung. „Wie kann man nur!“ ruft die eine Seite. „Wie könnt ihr es wagen!“ ruft die andere. Und irgendwo dazwischen stehen die Fakten und winken leise.

Die Elite-Uni gilt als Symbol für Fortschritt, für Debatten, für Vielfalt. Für manche ist sie ein Leuchtturm. Für andere ein Elfenbeinturm. Und jetzt wird sie zur Bühne eines großen Schauspiels. Die Rollen sind klar verteilt: Regierung gegen Institution, Fairness gegen Ideologie, Aktenordner gegen Narrativ.

Aber hier ist die Pointe, meine Freunde: Am Ende geht es nicht nur um Zulassungszahlen. Es geht um Macht. Um Deutungshoheit. Um die Frage, wer bestimmt, was Gerechtigkeit ist. Und das ist kein kleiner Streit. Das ist ein Titanenkampf in Anzügen.

Ich sage Ihnen: Diese Auseinandersetzung wird nicht morgen enden. Sie wird durch Instanzen gehen. Sie wird Schlagzeilen produzieren. Sie wird Talkshows füllen. Und jeder wird behaupten, für das große Ganze zu kämpfen.

Und ich? Ich sitze hier, schaue mir das Spektakel an und denke: Wenn selbst Eliten sich diskriminiert fühlen, dann haben wir wirklich ein neues Level erreicht. Ein Level, auf dem jeder Opfer sein kann – solange er es laut genug sagt.

Das ist Amerika im 21. Jahrhundert: Ein Land, in dem man sogar über Privilegien diskutiert wie über Parkplätze – zu wenig, unfair verteilt, und jeder glaubt, er habe Anspruch auf den besten Platz.

Und wissen Sie was? Es bleibt spannend. Sehr spannend. Vielleicht schreiben sie irgendwann ein Buch darüber. Vielleicht auch ein Lehrbuch. Und vielleicht steht darin: „So begann der große Kampf um die Definition von Gleichheit.“

Bis dahin genießen wir die Show. Popcorn bereitstellen. Akten sortieren. Und immer daran denken: In der Politik ist nichts so wirkungsvoll wie ein gut inszenierter Konflikt.

Großartig. Wirklich großartig.