Wenn Strategen, Sünder und Sakristeien aufeinanderprallen

Grafik: Strategen, Sünder und Sakristeien

Freunde, haltet euch fest. Es gibt politische Skandale – und es gibt Skandale, bei denen selbst Drehbuchautoren sagen: „Leute, das ist ein bisschen zu dick aufgetragen.“

Da sitzen also zwei Herren mit sehr speziellem Ruf und schmieden angeblich Pläne, den Papst zu stürzen. Nicht metaphorisch. Nicht theologisch. Sondern politisch. Und man denkt sich: Haben wir versehentlich den Kanal gewechselt und sind in einer Staffel „House of Thrones – Vatikan Edition“ gelandet?

Beginnen wir mit dem zentralen Satz, der jetzt durch die Dokumente geistert wie ein schlecht gelaunter Weihrauchschwaden: „Will take down Francis.“

Das ist keine beiläufige Bemerkung über einen misslungenen Espresso. Das ist ein ambitioniertes Projekt. Andere Menschen planen Sommerurlaube. Hier wird der Sturz eines Kirchenoberhauptes diskutiert.

Und jetzt kommt der Teil, bei dem selbst Verschwörungstheoretiker kurz innehalten: Die Unterstützung sollte offenbar ausgerechnet von einem verurteilten Sexualstraftäter kommen. Man liest das, reibt sich die Augen und fragt sich, ob das Justizministerium inzwischen Netflix-Drehbücher schreibt.

Ich sage es euch: Wenn du politische Missionen startest, ist die Wahl deiner Kooperationspartner vielleicht nicht völlig unwichtig. Nur so eine kleine Randbemerkung.

In einer Nachricht werden dann gleich mehrere globale Akteure in eine Liste gepackt, als würde man eine Einkaufsliste schreiben: „Die Clintons, Xi, Franziskus, die EU – los, Bruder.“ Das klingt weniger nach geopolitischer Strategie und mehr nach einem besonders ambitionierten Fantasy-Manager-Spiel.

Stell dir vor, du wachst morgens auf, schaust auf dein Handy und liest: „Heute: Papst stürzen. Morgen: Europäische Union erledigen. Freitag: vielleicht noch China.“

Ich bewundere diesen Terminkalender. Sehr effizient.

Besonders pikant wird es bei der Idee, ein Enthüllungsbuch über den Vatikan zu verfilmen – mit eben jenem Herrn als Executive Producer. Executive Producer! Das klingt so harmlos, so glamourös. Roter Teppich, Blitzlicht, Interviews. „Wie kamen Sie zu diesem Projekt?“ – „Nun, ich wollte eigentlich nur ein bisschen Weltpolitik machen.“

Das Buch selbst hatte bereits für Aufsehen gesorgt. Doppelmoral, Geheimhaltung, kirchliche Abgründe – Stoff genug für Diskussionen. Aber hier ging es offenbar nicht nur um Aufklärung. Es ging um politische Instrumentalisierung. Wenn schon Skandal, dann bitte mit ideologischer Schlagseite.

Und damit sind wir beim Kern der Sache: Ideologie.

Der Papst hatte sich wiederholt gegen Nationalismus positioniert und für Migration ausgesprochen. Für manche war das eine moralische Haltung. Für andere eine Provokation. Wenn Weltanschauungen aufeinandertreffen, knallt es – manchmal im Parlament, manchmal im Feuilleton. Und manchmal offenbar in privaten Nachrichten.

Seit Jahren wird versucht, nationalpopulistische Bewegungen zu stärken, Netzwerke aufzubauen, Medienplattformen auszubauen. Ein Büro in Rom? Warum nicht. Wenn man schon global denkt, dann bitte mit Ausblick auf den Petersdom.

Was mich fasziniert, ist die Mischung aus religiöser Symbolik und politischer Strategie. Der Vatikan als geopolitische Spielfigur. Der Papst als politischer Gegner. Das klingt wie ein Mittelalter-Roman, nur mit Smartphones und Chatverläufen.

Und jetzt stellen wir uns kurz die Szene vor:

Ein Raum. Dicke Vorhänge. Strategische Karten an der Wand. Auf dem Tisch: Notizen, Schlagzeilen, vielleicht ein Cappuccino. Und dann der Satz: „Wir bringen ihn zu Fall.“

Man möchte fast applaudieren – für die Dramatik.

Aber hier kommt der satirische Realitäts-Check: Es wurde nichts umgesetzt. Kein Film. Kein Umsturz. Kein Abspann mit dramatischer Musik. Stattdessen bleiben Dokumente, Nachrichten, Spekulationen – und eine Menge Stirnrunzeln.

Was sagt uns das?

Erstens: Politik ist manchmal absurder als jede Satire.
Zweitens: Nicht jede große Ansage führt zu großen Taten.
Drittens: Wenn du schon Revolution planst, wähle deine Verbündeten mit Bedacht.

Die Vorstellung, dass religiöse Autorität und politische Macht in einem Chatverlauf verhandelt werden, ist zugleich faszinierend und beunruhigend. Es zeigt, wie sehr Institutionen – selbst jahrhundertealte – in moderne Machtspiele hineingezogen werden.

Und doch bleibt eine gewisse Komik. Der Papst als politisches Zielobjekt. Ein Enthüllungsbuch als strategische Waffe. Ein verurteilter Straftäter als möglicher Filmproduzent. Es fehlt eigentlich nur noch ein geheimes Drehbuch mit dem Titel „Operation Weihrauch“.

Ich stelle mir vor, wie irgendwo im Vatikan jemand die Schlagzeilen liest, einen Espresso abstellt und sagt: „Ah. Schon wieder.“

Denn am Ende ist das vielleicht die größte Ironie: Während Strategen große Pläne schmieden, läuft die Welt weiter. Gottesdienste finden statt. Filme werden gedreht – nur andere. Und der Papst hält weiter Reden.

Die Lektion? Große Worte sind leicht. Große Umstürze weniger.

Und ich sage euch: Wenn politische Ambitionen anfangen, wie ein Verschwörungsroman zu klingen, dann lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und tief durchzuatmen.

Oder – noch besser – einen guten satirischen Artikel darüber zu schreiben.

Denn manchmal ist die Realität so überdreht, dass man sie nur noch mit Humor erträgt.