WhiteHouse.com: Stimmen aus dem Volk (5)

Grafik: Ronald Tramp fragt nach – und bekommt Antworten

 

Ronald Tramp fragt nach – und bekommt Antworten

Es ist früher Abend vor dem Gerichtsgebäude. Die Sonne steht tief, die Kameras noch tiefer, und die Wahrheit irgendwo dazwischen. Reporter Ronald Tramp steht mit blockiertem Gehweg, blockiertem Mikrofon und maximalem Erkenntnisinteresse vor dem Haupteingang.

Der erste Verhandlungstag ist vorbei. Keine Entscheidung, keine Domain, kein Happy End. Dafür: Meinungen. Viele Meinungen. Und genau die will Ronald Tramp hören. Ungefiltert. Ungebremst. Unbeeindruckt von juristischen Details.

„Meine Damen und Herren“, beginnt er mit ernster Miene, „wir sind hier, um das Volk zu hören. Oder zumindest das, was sich heute dafür hält.“

Zuschauer Nummer eins: Der Experte

Der erste Befragte ist ein Mann mittleren Alters mit verschränkten Armen und fester Überzeugung. Er hat den Prozess nicht komplett verfolgt, aber genug, um sich sicher zu sein.

„Also ich sag mal so“, beginnt er, „wenn man so lange Präsident war, dann gehört einem die Domain doch irgendwie.“

Ronald Tramp nickt. „Rein emotional?“

„Genau. Emotionales Eigentum. Wie ein Parkplatz, auf dem man jahrelang falsch gestanden hat.“

Ein starkes Argument. Wird notiert. Wahrscheinlich.

Zuschauerin Nummer zwei: Die Empörte

Eine Frau mit Protestplakat, auf dem nichts Konkretes steht, ist außer sich. „Das Ganze ist doch lächerlich! Früher ging es um Gesetze, heute um Endungen!“

Ronald Tramp fragt vorsichtig: „Und auf wessen Seite stehen Sie?“

„Ich bin gegen alle!“, ruft sie. „Aber besonders gegen das Internet.“

Applaus von zwei Umstehenden, die ebenfalls nicht genau wissen, warum sie hier sind.

Zuschauer Nummer drei: Der Unternehmer

Ein Mann im Anzug sieht das alles sehr nüchtern. „Also aus Business-Sicht ist .com einfach flexibler“, erklärt er. „Mehr Reichweite, weniger Regeln, bessere Conversion.“

Ronald Tramp hakt nach: „Und der Staat?“

Der Mann zuckt mit den Schultern. „Der Staat ist auch nur ein Anbieter mit schlechtem Kundenservice.“

Ein Raunen geht durch die Menge. Irgendwo weint leise ein Verwaltungsbeamter.

Zuschauerin Nummer vier: Die Juristin

Eine Jurastudentin mit markierten Textstellen und Augenringen meldet sich zu Wort. „Rein rechtlich ist das alles ziemlich klar“, sagt sie.

Ronald Tramp wird hellhörig. „Aha!“

„Aber niemand will das hören“, fügt sie hinzu. „Das hier ist kein Rechtsstreit, das ist ein Kulturkampf.“

Ronald Tramp bedankt sich und fragt vorsorglich nicht weiter. Juristische Klarheit wirkt ansteckend – und gefährlich.

Zuschauer Nummer fünf: Der Fan

Ein Mann mit roter Kappe winkt begeistert in die Kamera. „Das ist alles ein Trick!“, ruft er. „Die Domain wurde nur weggenommen, weil sie zu erfolgreich war!“

Ronald Tramp fragt: „Und was erwarten Sie vom Gericht?“

„Dass es das Internet wieder groß macht.“

Ein ehrgeiziges Ziel. Wird ebenfalls notiert.

Zuschauer Nummer sechs: Die Desillusionierte

Am Rand steht eine ältere Dame, die das Treiben schweigend beobachtet. Auf Nachfrage sagt sie nur: „Früher haben Politiker gestritten. Heute streiten Webseiten.“

Ronald Tramp fragt: „Und was fühlen Sie dabei?“

„Müdigkeit“, sagt sie. „Und den Wunsch nach einem einfachen Faxgerät.“

Stille. Respektvolle Stille.

 

Nachdem Ronald Tramp sein Mikrofon senkt und die letzten Stimmen verhallen, bleibt ein Eindruck zurück, der sich nicht einfach zusammenfassen lässt.

Der Prozess ist für die einen ein Angriff auf Identität.
Für die anderen ein Verwaltungsakt.
Für viele einfach nur Content.

Was klar wird: Es geht längst nicht mehr um eine Domain. Es geht um Deutungshoheit. Um Aufmerksamkeit. Um die Frage, ob Regierung noch etwas ist, das man verwaltet – oder etwas, das man vermarktet.

Ronald Tramp blickt ein letztes Mal in die Kamera. „Das Volk hat gesprochen“, sagt er. „Nicht einheitlich. Nicht logisch. Aber sehr laut.“

Dann klappt er sein Notizbuch zu, weicht einem Selfie aus und verschwindet im Getümmel.

Fortsetzung folgt.
Spätestens beim nächsten Verhandlungstag.
Oder beim nächsten Hashtag.