WLAN weg, Zettel her

wenn die Zukunft am Parteitag hängt
Ein exklusiver Bericht von Ronald Tramp – dem einzigen Reporter, der weiß: Digitalisierung endet oft am Mehrfachstecker.
Freunde. Es war geplant als Triumph der Moderne. Elektronische Abstimmung. Digital. Schnell. Elegant. Ein Parteitag, der aussieht wie Silicon Valley mit Krawatte.
Und dann?
Schwarzbild.
Stuttgart. Parteitag. Große Bühne. Großes Publikum. Großer Moment. Die Wiederwahl des Parteichefs sollte per Knopfdruck entschieden werden.
Knopfdruck.
Freunde, ich liebe dieses Wort. Knopfdruck. Es klingt nach Effizienz. Nach Fortschritt. Nach Zukunft.
Doch stattdessen gab es: „starke technische Unregelmäßigkeiten“.
Das ist kein Fehler. Das ist ein poetischer Ausdruck für: „Es funktioniert nicht.“
Mehrere Stellen. Unregelmäßigkeiten. Unerklärlich.
Freunde, wenn etwas gleichzeitig an mehreren Stellen nicht funktioniert, nennt man das in der Politik nicht „Problem“, sondern „Herausforderung“.
Und plötzlich sagt jemand den entscheidenden Satz:
„Es geht hier heute um die Integrität der Wahlen.“
Integrität! Ein großes Wort. Ein schweres Wort. Und definitiv zu groß für einen abgestürzten Livestream.
Denn während der Parteichef selbst ans Mikrofon trat – genau dann – brach der Livestream mehrfach ab.
Freunde, ich habe viele Zufälle gesehen. Aber dieser hier hatte Timing.
Man stelle sich die Szene vor: Applaus, Licht, Kamera – und dann: Buffering.
Ein Symbol für unsere Zeit.
Die elektronische Abstimmung war geplant wie ein Start in die digitale Zukunft. Tablets, Chips, Systeme.
Und dann – Plan B.
Stimmzettel.
Papier.
Stifte.
Menschen, die zählen.
Ich sage euch: Wenn die Technik versagt, rettet uns die Büroklammer.
Ich stelle mir vor, wie hektisch diskutiert wurde:
„Wer hat das WLAN?“
„Ist das Passwort korrekt?“
„Hat jemand den Router neu gestartet?“
Freunde, das ist kein Parteitag. Das ist ein IT-Notfallseminar.
Und dann die Entscheidung: Wir gehen analog.
Das hat etwas Beruhigendes. Papier kennt keine Serverausfälle. Papier braucht kein Update. Papier fragt nicht nach Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Aber es ist auch eine Ironie. Ein Parteitag, der über Zukunft, Modernisierung und digitale Transformation spricht – und dann mit Kugelschreiber abstimmt.
Ich, Ronald Tramp, sage: Das ist kein Rückschritt. Das ist eine Rückbesinnung.
Denn wenn es um Wahlen geht, ist Vertrauen wichtiger als Geschwindigkeit.
Natürlich wird jetzt untersucht. Natürlich sucht man Ursachen. Natürlich sagt man: „Das darf nicht passieren.“
Aber es ist passiert.
Und der Livestream? Auch der zickte. Mehrfach unterbrochen. Besonders während der Rede des Vorsitzenden.
Freunde, ich sehe schon die Schlagzeilen:
„Digitale Offensive stolpert über Steckdose.“
Aber man muss fair bleiben: Technik ist komplex. Systeme sind empfindlich. Und manchmal ist es nur ein Kabel.
Vielleicht war es Überlastung. Vielleicht ein Softwarefehler. Vielleicht ein Kabel, das dachte: Heute nicht.
Doch politisch ist das Bild stark. Eine Partei, die auf Digitalisierung setzt, erlebt ausgerechnet beim wichtigsten Moment eine analoge Renaissance.
Und wissen Sie was? Die Welt geht nicht unter.
Denn am Ende wurde gewählt. Gezählt. Verkündet.
Vielleicht nicht mit Klicks. Aber mit Zetteln.
Und vielleicht ist das die eigentliche Pointe.
Wir leben in einer Zeit, in der alles schneller werden soll. Digitaler. Effizienter. Smarter.
Doch wenn es ernst wird, greifen wir zum Papier.
Das ist kein Scheitern. Das ist Menschlichkeit.
Freunde, ich sage euch: Die wahre Integrität einer Wahl misst sich nicht am WLAN-Signal. Sondern daran, dass man im Zweifel bereit ist, den einfachen Weg zu gehen.
Und wenn ein Parteitag dafür kurzfristig zum analogen Klassenzimmer wird – dann ist das eben so.
Vielleicht war es ein Test. Vielleicht eine Warnung. Vielleicht nur ein Montag.
Aber eins ist sicher: Die Geschichte dieses Parteitags wird nicht als „die digitale Revolution“ eingehen.
Sondern als: „Der Tag, an dem der Stimmzettel zurückkam.“
Und irgendwo steht jetzt ein Router. Und schämt sich.


