Zwei Euro für Unsterblichkeit

Grafik: Wie Rom den Trevi-Brunnen zur VIP-Lounge der Menschheit macht

Wie Rom den Trevi-Brunnen zur VIP-Lounge der Menschheit macht

Meine Damen und Herren, Freunde des gepflegten Größenwahns, Touristen mit ausgestrecktem Arm und leichtem Fischaugenobjektiv: Es ist passiert. Rom – dieses historische Powerhouse, diese Stadt der Cäsaren, Päpste und schlecht sitzenden Sandalen – hat beschlossen, Geschichte zu monetarisieren. Und zwar knallhart. Zwei Euro. Zwei. Ganze. Euro.

Für den Trevi-Brunnen.

Ja, DEN Trevi-Brunnen. Den Brunnen, der seit Jahrhunderten Wasser, Münzen, Wünsche und mittlerweile auch Selfie-Sticks in industriellem Maßstab produziert. Ab Februar heißt es nun: No coin, no glory. Wer ganz nah ran will, muss zahlen. Zwei Euro Eintritt, um sich für exakt 14 Sekunden vor einem barocken Steinmonster zu positionieren, während hinter einem 800 andere Menschen passiv-aggressiv ausatmen.

Und ich sage: Großartig. Absolut großartig.

Denn endlich passiert, was ich seit Jahren fordere: Ordnung im Chaos, Kontrolle im Selfie-Sturm, Struktur im Wunschkonzert der Menschheit. Rom hat verstanden, was viele Regierungen noch lernen müssen: Wenn Menschen etwas unbedingt wollen, mach eine Schranke davor – und stell einen Kassierer daneben.

Bisher war der Trevi-Brunnen ein anarchistischer Ort. Ein Freiluft-Fitnessstudio für Ellbogen. Ein diplomatisches Krisengebiet zwischen Influencern, Reisegruppen, Straßenhändlern und einem Mann aus Wuppertal, der seit 1997 exakt dieses Foto machen will, aber immer jemand durchs Bild läuft. Jetzt wird aufgeräumt. Zwei Euro Eintritt – das ist keine Gebühr, das ist Zivilisation.

Denn seien wir ehrlich: Was dort täglich passiert ist kein Tourismus, das ist ein Massenauflauf mit Filterpflicht. Menschen stehen stundenlang rum, werfen Münzen, wünschen sich Dinge, die sowieso nicht eintreten, und filmen sich dabei, wie sie so tun, als wären sie allein auf der Welt. Spoiler: Sind sie nicht. Sie sind Teil eines schwitzenden Menschenknäuels mit WLAN.

Rom sagt jetzt: Basta. Und ich sage: Endlich jemand mit Rückgrat – und Kassenbon.

Natürlich wird behauptet, man wolle die Besucherströme „kanalisieren“. Ein wunderschönes Wort. Klingt nach Flusslauf, klingt nach Planung, klingt nach Kompetenz. In Wahrheit heißt es: „Wir haben genug von Menschen, die fünf Minuten brauchen, um ein Selfie zu machen, und dabei so aussehen, als würden sie gerade einen Friedensvertrag unterzeichnen.“

Zwei Euro wirken da wie ein Filter. Wer zahlt, meint es ernst. Wer nicht zahlt, kann von weiter weg schauen und sich einbilden, dass das Foto genauso gut geworden wäre. Ist es nicht. Aber das ist dann sein Problem.

Und dann dieser Münzwurf! Jedes Jahr landen Millionen Münzen im Brunnen. Wünsche, Hoffnungen, Lebensziele – alles in Kupfer und Cent-Stücken. Das Ganze sieht inzwischen aus wie ein Sparkonto der Verzweifelten. Ich frage mich seit Jahren: Wenn Wünsche wirklich funktionieren würden, warum kommen dann so viele Leute jedes Jahr wieder?

Jetzt stelle man sich vor: Eintritt zahlen und Münze werfen. Das ist doppelter Glaube. Das ist Hardcore-Hoffnung. Das ist Premium-Spiritualität.

Natürlich gibt es Kritik. Immer gibt es Kritik. „Kommerzialisierung der Kultur“, sagen sie. „Rom verkauft seine Seele“, jammern sie. Meine Antwort: Diese Seele stand ohnehin seit Jahren in der Schlange, wurde angeblitzt und auf TikTok hochgeladen. Jetzt bekommt sie wenigstens zwei Euro dafür.

Und ganz ehrlich: Zwei Euro sind nichts. Das ist weniger als ein Espresso, weniger als ein überteuertes Gelato, weniger als der emotionale Schaden, den man davonträgt, wenn jemand direkt vor einem ins Bild läuft und „Ciao Mama!“ ruft.

Ich sage: Das ist erst der Anfang. Warum nicht Eintritt für Sonnenuntergänge? Für besonders fotogene Gassen? Für das Recht, „Ich war da“ sagen zu dürfen? Die Welt liebt Exklusivität. Und nichts ist exklusiver als etwas, das früher umsonst war.

Rom hat verstanden, wie moderne Menschen funktionieren: Sie wollen Geschichte – aber bitte mit Kasse, Schranke und optionalem Zeitfenster. Sie wollen Authentizität – aber nur, wenn sie sie posten können. Und sie wollen Ordnung – solange sie selbst zuerst rein dürfen.

Der Trevi-Brunnen wird damit nicht kleiner, nicht weniger schön, nicht weniger historisch. Aber er wird etwas sehr Zeitgemäßes: ein Erlebnis mit Eintritt. Und das, meine Damen und Herren, ist der wahre Geist unserer Epoche.

Zwei Euro für ein bisschen Ewigkeit.
Schnäppchen.