Zwischen Mitgefühl und Merchandising – der stille Verkaufsmoment der Anteilnahme

Ein exklusiver Beobachtungsbericht aus der Grauzone des guten Geschmacks von Ronald Tramp
Es gibt Auftritte, die sind so fein austariert, dass selbst die Emotionen geschniegelt geschniegelt auf dem roten Teppich erscheinen. Und dann gibt es Auftritte, bei denen man kurz innehält, tief durchatmet und denkt: War das jetzt Trost – oder ein Teaser? Genau so ein Moment hat sich kürzlich ereignet. Ein Treffen mit befreiten Geiseln. Ein Anlass von größter Ernsthaftigkeit. Schwere Worte. Schwere Geschichten. Und plötzlich – ganz leise, fast elegant – ein Hinweis auf ein eigenes Projekt. Dezent. Zart. Wie ein Produktplacement im Trauerflor.
Man muss sich das vorstellen: Menschen, die unfassbares Leid erlebt haben, berichten von Gefangenschaft, Angst, Ungewissheit. Die Luft ist dicht vor Bedeutung. Und irgendwo in dieser Atmosphäre schwebt plötzlich ein Satz, der sagt: Übrigens, dazu gibt es auch Inhalte. Kein Rabattcode, keine Vorschau, aber der Gedanke ist da. Und der Gedanke bleibt.
Eine Reporterin – eine mutige Seele, wirklich – entscheidet sich, das Offensichtliche nicht zu übersehen. Sie fragt nach. Höflich, aber bestimmt. So, wie man fragt, wenn man etwas fragt, das man eigentlich nicht fragen sollte, aber dringend gefragt werden muss. Und die Antwort? Ein Lächeln. Ein Winken. Ein Abwiegeln. Die Kunst des Nicht-Antwortens in ihrer höchsten Form. Olympiareif.
Denn was wäre Anteilnahme ohne ein wenig Eigenwerbung? In unserer Zeit, in der jede Sekunde zählt und jede Sekunde monetarisierbar ist, wäre es doch geradezu fahrlässig, keine persönliche Marke mitzudenken. Trauer, Empathie, Nähe – alles starke Werte. Warum sie nicht mit Storytelling verbinden?
Ich sage: Das ist kein Fauxpas. Das ist Multitasking. Gefühl zeigen und gleichzeitig Content referenzieren – das ist Effizienz. Das ist modernes Auftreten. Früher legte man Kränze nieder. Heute legt man Hinweise aus. Sehr subtil. Sehr stilvoll. Fast unsichtbar. Außer natürlich für alle, die zuhören.
Kritiker nennen das irritierend. Ich nenne es konsequent. Denn wenn man in der Öffentlichkeit steht, steht man immer auch auf einer Bühne. Und auf Bühnen gilt: Wer nicht erwähnt wird, existiert nicht. Warum also nicht auch in Momenten größter Ernsthaftigkeit die eigene Erzählung sanft andocken lassen? Nicht aufdringlich. Nicht laut. Nur ein kleines „Ach übrigens“. Ein Flüstern der Selbstvermarktung.
Die Reporterin jedenfalls ließ nicht locker. Sie fragte nach, stellte den Kontext her, tat das, was Journalismus manchmal tun muss: den Moment kurz einfrieren. Und was folgte, war ein Lächeln, das so ruhig war, dass es fast meditativ wirkte. Kein Angriff. Kein Rückzug. Nur dieses wunderbare Schweben über der Situation, bei dem alle Beteiligten wissen: Hier wird nichts weiter erklärt.
Und das ist vielleicht das eigentlich Geniale daran. Erklärungen sind überbewertet. In einer Welt, in der alles kommentiert, analysiert und seziert wird, ist das Weglächeln die eleganteste Form der Kommunikation. Es sagt alles und nichts. Es beruhigt und provoziert zugleich. Eine Meisterleistung.
Natürlich kann man fragen: Muss Eigenwerbung wirklich überall stattfinden? Gibt es keinen Ort, keinen Moment, der frei bleibt von Selbstinszenierung? Und ich antworte: Das ist eine sehr nostalgische Frage. Nostalgisch wie Telefonzellen oder unbezahlte Praktika. Die Gegenwart ist anders. Die Gegenwart ist Bühne. Immer. Überall.
Mein Fazit als Ronald Tramp:
Dieser Auftritt war kein Skandal. Er war ein Spiegel. Ein Spiegel unserer Zeit, in der Anteilnahme nicht weniger ehrlich ist, nur weil sie nebenbei die eigene Marke streift. Wer das irritierend findet, hat vielleicht noch nicht verstanden, dass Empathie heute oft im selben Atemzug kommt wie Eigen-PR. Praktisch. Platzsparend. Zeitgemäß.
Und die Reporterin? Respekt. Sie hat gefragt. Das ist ihr Job. Die Antwort? Ein Lächeln. Auch das ist ein Statement. Vielleicht sogar das stärkste.
Am Ende bleibt die Erkenntnis:
In der modernen Öffentlichkeit ist selbst das Schweigen eine Botschaft.
Und manchmal ist es auch ein Trailer.


