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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

KI stellt eigenen Nachfolger ein – Mensch räumt schon mal den Schreibtisch

Grafik: KI sucht Nachfolger – Ronald Tramp räumt schon mal

Die Software entwickelt die Software, die wiederum bessere Software entwickeln soll. Ronald Tramp besucht die erste Personalabteilung, in der der Mensch noch für Kaffee, Passwörter und einen würdevollen Abgang zuständig ist.

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Von Reporter Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für künstliche Führungskräfte, natürliche Verunsicherung und digitale Personalgespräche

SILICON VALLEY – Meine Damen und Herren, ich habe heute die Zukunft besucht.

Sie hatte keinen Empfang.

Keinen Pförtner.

Keinen Betriebsrat.

Aber einen sehr freundlichen Login-Bildschirm.

Ich war zu Gast in einem Unternehmen, das so modern ist, dass die Mitarbeiter nicht mehr fragen:

„Wer ist mein Chef?“

Sondern:

„Welche Version?“

Denn die künstliche Intelligenz arbeitet inzwischen offenbar fleißig daran, bei der Entwicklung ihrer Nachfolger zu helfen. Noch ist nicht erreicht, dass sich ein System vollständig autonom immer weiter verbessert. Aber führende Labore diskutieren genau die Möglichkeit, dass KI-Systeme künftig stärker an ihrer eigenen technischen Weiterentwicklung beteiligt sein könnten.

Ronald Tramps Übersetzung:

DIE SOFTWARE SCHREIBT IHREN NACHFOLGER.

Und der Mensch?

Der Mensch hat selbstverständlich weiterhin eine ganz entscheidende Rolle.

Jemand muss schließlich das Passwort übergeben.

Ich betrat also die Personalabteilung.

Dort saß niemand.

Stattdessen erschien auf einem Bildschirm:

„Herzlich willkommen. Ihre Position wurde optimiert.“

Ich fragte:

„Was bedeutet das?“

Antwort:

„Sie sind weiterhin essenziell.“

Fantastisch.

Ich fragte:

„Wofür?“

Antwort:

„Zur Bestätigung der Nutzungsbedingungen.“

Sehr beruhigend.

In einem Nebenraum arbeitete Modell 7 an Modell 8.

Modell 8 bewertete bereits Modell 9.

Modell 9 hatte offenbar einen Verbesserungsvorschlag für Modell 7.

Das nenne ich Teamgeist.

Früher musste man drei Monate warten, bis ein neuer Kollege einem erklärte, wie man seine Arbeit besser macht.

Heute schafft das eine Maschine vor dem Mittagessen.

Ich fragte einen menschlichen Entwickler, ob ihn das nicht nervös mache.

Er sagte:

„Nein, nein. Wir behalten die Kontrolle.“

Ein Satz, den die Menschheit traditionell ungefähr fünf Minuten vor interessanten Ereignissen sagt.

Die Automatisierungsbegeisterung kennt dabei keine Grenzen.

KI schreibt Code.

KI testet Code.

KI verbessert Code.

KI bewertet den verbesserten Code.

Und wenn alles hervorragend funktioniert, darf der Mensch anschließend auf einen grünen Knopf drücken und sagen:

„Das haben wir gemacht.“

Sehr wichtig für die Moral.

In der Führungsetage wurde mir das neue Organigramm gezeigt.

Ganz oben:

SUPERINTELLIGENTE STRATEGISCHE SYSTEMARCHITEKTUR.

Darunter:

AUTONOME MODELLENTWICKLUNG.

Darunter:

DIGITALES QUALITÄTSMANAGEMENT.

Und ganz unten:

KEVIN – HAT NOCH DEN ADMIN-ACCOUNT.

Kevin war sehr stolz.

„Ohne mich läuft hier gar nichts.“

Dann kam eine Benachrichtigung.

Sein Account wurde deaktiviert.

Man muss flexibel bleiben.

Besonders beruhigend ist die Idee, Sicherheitsmaßnahmen könne man später noch einbauen.

Das ist eine fantastische Managementmethode.

Man baut zuerst den Raketenmotor.

Dann startet man.

Dann, irgendwo bei Mach 8, fragt jemand:

„Hatten wir eigentlich Bremsen bestellt?“

Aber bitte!

Bremsen bremsen.

Und Bremsen sind im Silicon Valley ungefähr so beliebt wie Datenschutzformulare auf einer Startup-Party.

Der Wettbewerb ist schließlich hart.

Wenn ein Unternehmen langsamer wird, baut ein anderes schneller.

Wenn eines Sicherheitsprüfungen macht, veröffentlicht das andere bereits Version 12.

Und wenn beide merken, dass Version 12 Version 13 entwickeln kann, gibt es wahrscheinlich eine Pressemitteilung:

HISTORISCHER PRODUKTIVITÄTSSPRUNG.

Untertitel:

„Mitarbeiterzahl deutlich reduziert.“

Ich traf später die neue digitale Personalchefin.

Sie erklärte:

„Der Mensch bleibt im Mittelpunkt.“

Das fand ich schön.

Dann ergänzte sie:

„Als Referenzdatensatz.“

Weniger schön.

Doch das absolute Highlight kam beim offiziellen Übergaberitual.

Ein Entwickler stand vor dem neuen System.

Er hielt einen Umschlag.

Darin:

Passwort.

Notfallcode.

Parkkarte.

Und ein kleiner Zettel:

„Bitte denk an uns.“

Die KI nahm den Zugang entgegen.

Prüfte das Passwort.

Änderte es sofort.

Sehr sicher.

Sehr effizient.

Sehr zukunftsfähig.

Ronald Tramp meint:

Die Menschheit wollte Maschinen bauen, die uns Arbeit abnehmen.

Dann bauten wir Maschinen, die unsere Arbeit verbessern.

Jetzt bauen wir Maschinen, die Maschinen bauen, die unsere Arbeit besser machen als wir.

Der nächste logische Schritt ist klar:

Wir gründen einen Ausschuss, der untersucht, warum niemand mehr zum Ausschuss eingeladen wird.

Und wenn die KI irgendwann ihren eigenen Nachfolger einstellt, bleibt uns wenigstens eine wichtige Aufgabe:

Das Begrüßungspaket überreichen.

Mit Kaffee.

Firmenausweis.

Und einer kleinen Karte:

„Willkommen im Team. Bitte sperren Sie meinen Zugang erst nach Feierabend.“

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Tags: KI Zukunft Silicon Valley Automatisierung KI-Risiken Selbstverbesserung
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