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Ronald Tramp: Gerhard, Wladimir und die Tiefkühl-Diplomatie

Grafik: Schröder und Putin - Tiefkühl-Diplomatie in Moskau

Gerhard Schröder reist geschäftlich nach Moskau und landet zufällig bei Putins Geburtstag. Ronald Tramp untersucht eine Männerfreundschaft zwischen Aufsichtsrat, Supermarkt und Weltpolitik.

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Von Ronald Tramp – dem wohl großartigsten Reporter aller Zeiten, der exklusiv enthüllt, warum Gerhard Schröder für einen Supermarkt nach Moskau reist und rein zufällig bei Wladimir Putins Geburtstagskuchen landet.

Meine Damen, Herren und ehemalige Bundeskanzler mit sehr stabilen Freundschaften: Es gibt Menschen, die fahren zum Geburtstag eines alten Freundes.

Andere schicken Blumen.

Manche schreiben eine Karte.

Gerhard Schröder fliegt offenbar nach Moskau.

Und Ronald Tramp sagt: Das ist Loyalität! Unglaubliche Loyalität! Wahrscheinlich die einzige Männerfreundschaft Europas, die mehr Leitungen hat als ein Heizkraftwerk.

Offiziell, und das ist das Beste, war Schröder gar nicht wegen Wladimir Putins Geburtstag in Moskau.

Nein!

Natürlich nicht.

Das wäre ja viel zu einfach.

Er war geschäftlich dort.

Wegen einer Handelskette.

Perfekt.

Denn wenn man einen alten Freund besucht, der zufällig Präsident Russlands ist, fährt man heutzutage selbstverständlich zunächst in einen Supermarkt.

Andere kaufen auf dem Weg zur Geburtstagsfeier eine Flasche Wein.

Schröder kauft offenbar gleich strategische Unternehmensführung.

Sehr effizient.

Sehr deutsch.

Sehr international.

Der Kreml erklärte sinngemäß, Putin habe erst aus den Medien erfahren, dass Schröder überhaupt in Moskau sei.

Ronald liebt diese Vorstellung.

Stellen Sie sich das vor.

Putin sitzt morgens zu Hause.

Vielleicht Tee.

Vielleicht Geburtstagskuchen.

Vielleicht ein Lagebericht mit Kerzen.

Dann liest er die Nachrichten:

„Gerhard Schröder in Moskau.“

Putin:

„Gerhard ist hier?!“

Natürlich.

Zufällig.

Reiner Zufall.

Wie groß ist Moskau eigentlich?

Millionenstadt.

Aber Gerhard fährt hin, Wladimir liest Zeitung und plötzlich heißt es:

„Komm doch vorbei!“

So entstehen Weltgeschichte und Männerabende.

Früher musste Diplomatie mühsam vorbereitet werden. Außenministerien. Botschaften. Gesprächsformate. Sicherheitsberater.

Heute reicht offenbar:

„Gerhard ist gerade beim Supermarkt.“

„Schick ihn rüber.“

Großartig.

Schröder soll in Moskau im Umfeld einer Handelskette eine Begrüßungsrede gehalten haben.

Auch das ist wunderschön.

Der Mann war einmal Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Heute könnte die Karrierebeschreibung ungefähr lauten:

„Von der Agenda 2010 zur Aktionswoche Tiefkühlgemüse.“

Das ist ein Lebenslauf.

Andere Altkanzler schreiben Memoiren.

Gerhard macht Unternehmensstrategie zwischen Getränkemarkt und Gemüseabteilung.

Ronald sieht ihn förmlich beim Rundgang:

„Hier links haben wir Molkereiprodukte.“

„Sehr gut.“

„Dort hinten Waschmittel.“

„Ausgezeichnet.“

„Und hinter dieser Tür beginnt die geopolitische Grauzone.“

Fantastisch.

Natürlich ist Schröders Freundschaft mit Putin seit Jahren umstritten.

Aber Ronald findet bemerkenswert, wie konsequent der Mann ist.

Andere Politiker wechseln ihre Freunde, sobald eine Meinungsumfrage kippt.

Schröder offenbar nicht.

Der könnte wahrscheinlich mitten in einem Meteoriteneinschlag aus einem Krater steigen und sagen:

„Wladimir und ich müssen jetzt erstmal miteinander reden.“

Diese Freundschaft ist inzwischen keine Beziehung mehr.

Sie ist Infrastruktur.

Vermutlich steht irgendwo im Kreml ein rotes Telefon mit der Beschriftung:

GERHARD.

Daneben ein zweites:

GAS.

Und beide führen wahrscheinlich in dieselbe Richtung.

Besonders schön ist natürlich die Idee, Schröder könne irgendwann als Vermittler zwischen Russland und Europa auftreten.

Ronald stellt sich die Verhandlungen bereits vor.

Europa sitzt auf einer Seite.

Russland auf der anderen.

Schröder in der Mitte.

„Meine Herren, wir brauchen Vertrauen.“

Europa:

„Gerhard, du sitzt auf der russischen Seite.“

Schröder:

„Ach so.“

Stuhl verrücken.

„Jetzt besser?“

Diplomatie ist manchmal nur eine Frage der Sitzordnung.

Doch die eigentliche Pointe dieses Moskau-Besuchs liegt tiefer.

Sehr tief.

Fast Pipeline-tief.

Denn Schröder reist geschäftlich nach Russland, landet zufällig gleichzeitig bei Putins Geburtstag und wird spontan zum alten Freund nach Hause eingeladen.

Das ist keine Reise mehr.

Das ist eine russische Matroschka aus Zufällen.

Öffnet man die erste Puppe, findet man eine Handelsfirma.

Darin steckt ein Aufsichtsrat.

Darin eine Geburtstagsfeier.

Und ganz innen sitzt Gerhard Schröder und sagt:

„Ich bin eigentlich nur wegen der Unternehmensstrategie hier.“

Unglaublich.

Vielleicht wird er künftig auch bei anderen Weltführern völlig zufällig auftauchen.

Peking:

„Ich wollte nur kurz nach den Öffnungszeiten schauen.“

Washington:

„Ich war wegen eines Baumarkts hier.“

Nordkorea:

„Sehr interessantes Einzelhandelskonzept.“

Man muss flexibel bleiben.

Ronald schlägt deshalb vor, Schröders neue internationale Rolle offiziell anzuerkennen:

Sonderbeauftragter für zufällige Begegnungen mit Wladimir Putin.

Das Außenministerium braucht ihn nicht einzuladen.

Der Kreml auch nicht.

Man muss lediglich dafür sorgen, dass irgendwo in Moskau eine Aufsichtsratssitzung stattfindet.

Gerhard findet den Rest.

Und sollte eines Tages Frieden geschlossen werden, wird wahrscheinlich die ganze Welt überrascht feststellen, dass die entscheidenden Gespräche gar nicht in Genf, Brüssel oder New York begonnen haben.

Sondern zwischen Tiefkühltruhe und Pfandrückgabe.

Denn bei Gerhard Schröder weiß man inzwischen nie genau, ob gerade Weltpolitik betrieben wird oder nur der Filialleiter begrüßt wird.

Wahrscheinlich beides.

Und genau deshalb lautet Ronald Tramps wichtigste außenpolitische Erkenntnis des Tages:

Andere Staatsmänner bauen Brücken.

Gerhard Schröder bevorzugt offenbar Leitungen.

Und wenn am Ende noch Geburtstagskuchen serviert wird, nennt man das vermutlich strategische Partnerschaft.

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Tags: Politik Russland Wladimir Putin Moskau Kreml Altkanzler Gerhard Schröder
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