Elon Musk bekommt eine Wissenschaftsmedaille, Trump nennt ihn Freund und nationalen Schatz. Ronald Tramp untersucht die modernste Technologie Amerikas: politische Versöhnung ohne Augenkontakt.
Meine Damen, Herren, Raketenbauer und Menschen mit einem Aktienportfolio, das größer ist als der Haushalt kleiner Staaten: Amerika hat wieder ausgezeichnet.
Und diesmal bekam Elon Musk eine Medaille.
Nicht irgendeine Medaille.
Eine große Medaille.
Eine Wissenschaftsmedaille.
Also genau das Richtige für einen Mann, der Raketen baut, Autos verkauft, KI entwickelt und nebenbei das Internet regelmäßig in eine Therapiesitzung verwandelt.
Ronald Tramp sagt: Perfekt.
Denn wenn Amerika eines wirklich liebt, dann ist es eine Zeremonie, bei der zwei sehr mächtige Männer so tun, als hätte es den letzten Streit nie gegeben.
Noch vor einiger Zeit lagen Donald Trump und Elon Musk öffentlich übereinander wie zwei Waschbären in einer Mülltonne voller Tweets.
Vorwürfe.
Gegenangriffe.
Politisches Donnern.
Wirtschaftliches Blitzen.
Jeder erklärte, der andere sei im Grunde das Problem.
Und jetzt?
Jetzt steht man wieder zusammen auf einer Bühne.
Mit Medaille.
Mit Schatulle.
Mit Rückenklopfen.
Und offenbar möglichst wenig Augenkontakt.
Das ist keine Versöhnung.
Das ist Hochtechnologie.
Ronald kennt Ehen, die weniger kompliziert sind.
Trump bezeichnete Musk bei der Verleihung als nationalen Schatz.
Nationaler Schatz!
Ronald liebt diese Formulierung.
Früher waren nationale Schätze Goldreserven, historische Dokumente oder Gemälde.
Heute ist es ein Mann, der Raketen ins All schießt und gleichzeitig auf Social Media fragt, ob er eine Firma umbenennen soll.
Fortschritt.
Trump verglich Musk sogar sinngemäß mit einem modernen Thomas Edison.
Großartig.
Edison brachte Licht in die Häuser.
Musk bringt Raketen in den Himmel, Autos auf die Straße und manchmal die Kommentarspalten in Brand.
Fast identisch.
Ronald wartet nur noch auf den Moment, in dem Musk eine Glühbirne präsentiert, die per App ein Softwareupdate braucht und danach zwei Wochen nicht mit dem WLAN spricht.
Dann ist der Vergleich vollständig.
Doch die wirklich schöne Szene war offenbar die Übergabe.
Trump klopft Musk auf den Rücken.
Musk bekommt die Schatulle.
Beide sind Freunde.
Ganz besondere Freunde.
Freunde, die sich kürzlich noch öffentlich zerlegt haben.
Das ist die moderne amerikanische Männerfreundschaft.
Früher ging man zusammen angeln.
Heute beleidigt man sich vor Millionen Menschen und trifft sich später bei einer Preisverleihung.
Sehr effizient.
Sehr emotional.
Sehr marktkapitalisiert.
Ronald stellt sich das Gespräch hinter der Bühne vor:
„Elon, alter Freund!“
„Donald, großartig dich zu sehen.“
„Es tut mir leid wegen der Sache.“
„Welche Sache?“
„Genau.“
Perfekte Diplomatie.
Und natürlich passt der Preis wunderbar zum politischen Gesamtbild.
Musk war einst Berater.
Dann wurden unter seiner Mitwirkung Stellen gestrichen.
Dann gab es Streit.
Dann kam die Trennung.
Dann die Versöhnung.
Und jetzt die Medaille.
Das ist kein Lebenslauf.
Das ist eine Netflix-Serie.
Staffel eins: Der Berater.
Staffel zwei: Der Bruch.
Staffel drei: Die Fehde.
Staffel vier: Die Rückkehr.
Staffel fünf: Die Medaille.
Ronald wartet auf Staffel sechs:
„Elon übernimmt das Energieministerium und baut es auf dem Mars neu.“
Doch Musk war nicht allein.
Auch andere große Namen aus der Tech-Welt wurden ausgezeichnet.
Das war im Grunde kein Wissenschaftsgipfel mehr.
Das war die Oscar-Verleihung für Menschen, deren Firmenwert in wissenschaftlicher Notation geschrieben werden muss.
Sergey Brin.
Jensen Huang.
Lisa Su.
Satya Nadella.
Michael Dell.
Ronald hätte nur noch Jeff Bezos auf einem Pferd erwartet, der von der Decke herabgelassen wird.
Dann wäre der Abend vollständig gewesen.
Besonders herrlich ist natürlich der Name des Gipfels:
„Wissenschaft: Ein neues goldenes Zeitalter.“
Golden!
Ronald liebt Gold.
Goldene Säle.
Goldene Schrift.
Goldene Medaillen.
Goldene Zukunft.
Wenn etwas nicht funktioniert, macht man es einfach golden.
Die Wissenschaft hat offenbar begriffen, wie Politik funktioniert.
Und dann bekam auch Trump etwas.
Natürlich.
Denn keine große Zeremonie wäre vollständig, wenn Donald Trump mehrere Minuten lang nicht indirekt über Donald Trump sprechen könnte.
Er erhielt einen Bilderrahmen mit der posthum verliehenen Medaille seines verstorbenen Onkels John Trump, der am MIT gelehrt hatte.
Und jetzt kommen wir zu Ronalds Lieblingsdisziplin:
Genetische Selbstbewertung.
Trump verweist bekanntlich gern auf seinen Onkel und auf Intelligenz.
Gute Gene.
Hoher IQ.
Sehr hoher IQ.
Wahrscheinlich der höchste IQ, der jemals familiär durch einen Bilderrahmen übertragen wurde.
Ronald findet das faszinierend.
Denn offenbar funktioniert Intelligenz jetzt wie eine Familienmitgliedschaft im Fitnessstudio.
Der Onkel war brillant.
Also besitzt man selbst offenbar eine Premium-Mitgliedschaft.
Wenn Ronaldis Onkel Zahnarzt wäre, könnte Ronald dann vermutlich sofort Wurzelbehandlungen durchführen.
Das wäre logisch.
Sehr gute Gene.
Aber genau hier wird die ganze Zeremonie perfekt.
Ein Tech-Milliardär bekommt eine Wissenschaftsmedaille.
Der Präsident lobt seine außergewöhnliche Begabung.
Der Präsident bekommt gleichzeitig eine Erinnerung an die wissenschaftliche Begabung seines Onkels.
Am Ende sind also alle brillant.
Elon ist brillant.
Der Onkel war brillant.
Der Präsident hat brillante Gene.
Und das Publikum darf brillant applaudieren.
Amerika hat damit endlich eine neue wissenschaftliche Methode entwickelt.
Sie besteht aus drei Schritten:
Erstens: Man wird sehr mächtig.
Zweitens: Man kennt jemanden, der sehr klug ist.
Drittens: Man hängt eine Medaille darum.
Peer Review beendet.
Ronald schlägt deshalb für die Zukunft eine neue nationale Auszeichnung vor:
Die Medaille für außergewöhnliche Freundschaft nach vorübergehendem öffentlichen Zusammenbruch.
Sie wäre perfekt für Washington.
Man verleiht sie immer dann, wenn zwei Menschen, die sich gestern noch gegenseitig politisch in Brand gesteckt haben, heute wieder gemeinsam lächeln.
Die Medaille müsste magnetisch sein.
Dann kann man sie bei der nächsten Fehde schneller wieder abnehmen.
Und das ist vielleicht die größte wissenschaftliche Erkenntnis des Abends:
Raketen können Menschen ins All bringen.
KI kann Texte schreiben.
Chips können Milliarden Berechnungen ausführen.
Aber nichts auf dieser Welt ist technologisch fortschrittlicher als die Fähigkeit mächtiger Männer, nach einem öffentlichen Vernichtungskrieg plötzlich wieder zu sagen:
„Du bist mein Freund.“
Und dabei möglichst nicht hinzusehen.

