Donald Trump ruft: „Tut so, als wäre ich auf dem Wahlzettel!“ Seine Kandidaten scheinen darauf zu antworten: „Natürlich, Sir – wir tun sogar so, als wären Sie gar nicht da.“ Ronald Tramp beobachtet den großen republikanischen Wahlkampfzaubertrick.
Von Reporter Ronald Tramp – heute aus dem republikanischen Wahlkampf, wo der wichtigste Mann der Partei gleichzeitig überall und erstaunlicherweise nirgends ist.
Meine Damen und Herren, es geschehen Wunder.
Große Wunder.
Historische Wunder.
Vielleicht sogar die größten Wunder, die jemals in einem Wahlkampf passiert sind.
Donald Trump hat herausgefunden, wie man gleichzeitig der Mittelpunkt des Universums und aus dem Werbespot herausgeschnitten sein kann.
Das muss man erst einmal schaffen.
Bei einem republikanischen Parteitreffen erklärte Trump seinen Anhängern sinngemäß: Tut einfach so, als wäre ich selbst auf dem Wahlzettel.
Ein fantastischer Gedanke.
Und die republikanischen Kandidaten antworteten offenbar:
„Sehr gern, Mr. President. Wir tun sogar so, als hätten wir noch nie von Ihnen gehört.“
Denn in hunderten republikanischen Wahlspots taucht der Name Trump derzeit bemerkenswert selten auf. CNN berichtete unter Berufung auf AdImpact, dass er in der ersten Septemberhälfte lediglich in zwölf von mehr als fünfhundert republikanischen Anzeigen erwähnt wurde.
Zwölf!
Das ist nicht Wahlkampf.
Das ist Zeugenschutz.
Man stelle sich die Sitzung einer republikanischen Werbeagentur vor:
„Wir brauchen einen starken Spot.“
„Wirtschaft?“
„Gut.“
„Grenze?“
„Sehr gut.“
„Steuern?“
„Fantastisch.“
„Trump?“
Stille.
Jemand lässt einen Kugelschreiber fallen.
Die Praktikantin kündigt.
Der Wahlkampfmanager flüstert:
„Wir benutzen dieses Wort hier nicht.“
Das Faszinierende daran: Geld ist reichlich vorhanden. Republikanische Gruppen haben in mehreren umkämpften Senatsrennen deutlich höhere Werbebudgets reserviert als die Demokraten. Trump-nahe Gruppen selbst investieren ebenfalls dreistellige Millionenbeträge in die Midterms.
Mit anderen Worten:
Sie nehmen gerne sein Geld.
Sie nehmen gerne seine Organisation.
Sie nehmen gerne seine Spender.
Nur beim Namen wird plötzlich Datenschutz großgeschrieben.
Donald Trump ist damit möglicherweise der erste Präsident der Geschichte, der politisch nach dem Prinzip eines WLAN-Routers funktioniert:
Man möchte unbedingt die Verbindung – aber das Gerät soll bitte im Keller bleiben.
Und natürlich versteht Trump selbst die Welt vermutlich vollkommen anders.
Denn wenn Donald Trump eine Straße eröffnet, dann hat Donald Trump die Straße erfunden.
Wenn irgendwo die Sonne scheint, wurde sie vermutlich durch eine Executive Order freigegeben.
Wenn ein Amerikaner morgens Kaffee bekommt, dann wahrscheinlich deshalb, weil Trump persönlich irgendwann einmal Bohnen genehmigt hat.
Aber genau diese Dauerpräsenz wird im Wahlkampf offenbar zum Problem. Reuters/Ipsos maß Mitte September nur rund ein Drittel Zustimmung für seine Amtsführung. Besonders Wirtschaft, Preise und internationale Konflikte belasten die politische Stimmung.
Und plötzlich erleben wir etwas Bemerkenswertes:
Republikaner entdecken die politische Distanz.
Das ist ungefähr so, als würde eine Blaskapelle nach zehn Jahren sagen:
„Vielleicht müssen wir nicht bei jedem Frühstück die Tuba spielen.“
Ein republikanischer Berater sagte CNN sogar, Trump sei derzeit weder die beste Botschaft noch der beste Überbringer dieser Botschaft.
Das ist Washington-Sprache für:
„Bitte geben Sie ihm kein Mikrofon.“
Natürlich kann man ihm das Mikrofon nicht wegnehmen.
Man kann nur hoffen, dass es irgendwann leer ist.
Selbst einzelne republikanische Kandidaten beginnen, öffentlich Abstand zu Teilen der Regierungspolitik zu nehmen. Andere konzentrieren ihre Werbung lieber vollständig auf lokale Themen und ihre demokratischen Gegner. Parteifunktionäre räumen Kandidaten inzwischen ausdrücklich Spielraum ein, von Trump abzuweichen, wenn es im jeweiligen Wahlkreis sinnvoll erscheint.
Und gleichzeitig schickt die Parteiführung prominente Vertreter durchs Land.
JD Vance reist.
Regierungsmitglieder reisen.
Parteigrößen reisen.
Im Grunde läuft gerade ein gigantischer republikanischer Lieferservice:
„Ihr Kandidat wirkt gefährdet? Wir bringen Ihnen innerhalb von 24 Stunden einen Vizepräsidenten.“
Selbst in traditionell republikanischen Staaten finden plötzlich hochrangige Wahlkampfauftritte statt.
Das ist ein bisschen wie wenn die Feuerwehr bei Ihnen klingelt und sagt:
„Keine Sorge, Ihr Haus brennt nicht.“
Während hinter ihr drei Löschzüge stehen.
Und mitten in all dem steht Donald Trump und ruft:
„Ich bin auf dem Wahlzettel!“
Während seine Kandidaten hektisch den Wahlzettel untersuchen:
„Nein, Sir. Wirklich nicht. Wir haben mehrfach nachgesehen.“
Das wirklich Geniale ist aber das Wahlkampfprinzip dahinter:
Trump soll die Basis mobilisieren.
Trump soll Geld sammeln.
Trump soll Veranstaltungen füllen.
Trump soll Gegner attackieren.
Trump soll nur bitte möglichst nicht im eigenen Werbespot auftauchen.
Das ist politisch ungefähr dasselbe wie:
„Wir lieben unseren Sänger – deshalb haben wir ihn aus dem Album herausgeschnitten.“
Ich, Ronald Tramp, nenne das den MAGA-Geistermodus.
Der Präsident ist überall.
Sein Geld ist da.
Seine Bewegung ist da.
Sein Vizepräsident ist da.
Seine Politik ist da.
Nur sein Name versteckt sich irgendwo hinter dem Kleingedruckten.
Vielleicht erscheint demnächst sogar ein republikanischer Wahlspot mit folgendem Konzept:
Eine amerikanische Flagge.
Ein Bauernhof.
Eine glückliche Familie.
Ein Adler fliegt majestätisch durchs Bild.
Dann Schwarzblende.
Und aus dem Off flüstert jemand:
„Sie wissen schon, von wem wir reden.“

