Fliegen klappt, Kämpfen bleibt ambitioniert: Ronald Tramp entdeckt Deutschlands neue Abschreckung aus Rotorblättern, Wollsocken und laminierten Einsatzabsichten.
Von Ronald Tramp, Ihrem Sonderkorrespondenten für schwebende Verfahren, ambitionierte Liefertermine und Abschreckung durch Beschaffungsunterlagen.
Leute, ich liebe deutsche Rüstungsprojekte. Niemand organisiert Überraschungen so gründlich. Man bestellt einen Kampfhubschrauber und bekommt zunächst einen Hubschrauber. Der Kampf kommt später. Vermutlich als Download.
Laut dem vorliegenden Bericht zweifelt der Bundesrechnungshof daran, dass die neuen Maschinen rechtzeitig kampfbereit werden. Fliegen können sie offenbar. Beim Kämpfen bestehen noch gewisse Meinungsverschiedenheiten zwischen Wunschzettel und Wirklichkeit.
Fantastisch! Ein Kampfhubschrauber mit pazifistischer Einführungsphase. Andere Länder tarnen ihre Waffen. Deutschland tarnt die Einsatzbereitschaft als Zukunftsperspektive.
Die Beschaffung sollte ein Leuchtturmprojekt werden. Das passt: Ein Leuchtturm steht herum, kostet Geld und warnt andere davor, denselben Weg einzuschlagen.
Die Grundidee war durchaus vernünftig: bewährte Technik nutzen, militärisch ausrüsten, fertig. Doch zwischen „bewährt“ und „bewaffnet“ sitzt offenbar ein deutscher Arbeitskreis mit unbefristetem Mandat.
Besonders delikat: Die vorgesehene Kanonenmunition lässt sich dem Bericht zufolge wegen elektrostatischer Empfindlichkeit nicht als sicher erklären.
Ich sehe bereits die neue Dienstvorschrift: Vor Feindkontakt bitte nicht mit Wollsocken über den Kasernenflur schlurfen. Der gefährlichste Gegner wäre damit vorerst ein aufgeladener Rollkragenpullover.
Auch die Panzerabwehrraketen brauchen noch Lieferung und Tests. Das Ministerium nennt den Zeitplan angeblich „sehr ambitioniert“. Großartiger Ausdruck! In der Beschaffung bedeutet das ungefähr: Der Kalender wurde informiert, hat aber widersprochen.
Der Rechnungshof empfiehlt eine Überprüfung und vorerst keine weiteren Bestellungen. Verständlich. Wenn der erste Toaster nur leuchtet, bestellt man normalerweise nicht sofort die Großküche.
Aber Tempo ist wichtig! Sehr wichtig! Besonders beim Bestellen von Dingen, auf die man anschließend jahrelang wartet.
Mein Vorschlag für die NATO-Präsentation: Die Hubschrauber fliegen über das Übungsgelände und werfen laminierte Einsatzabsichten ab. Wasserfest. Dreisprachig. Mit Durchschlag.
Und falls der Gegner trotzdem weitermacht?
Dann erklären wir ihm das Vergabeverfahren.
Der ergibt sich freiwillig.

