Trump will sich im eigenen Pool verewigen, doch die Algen spielen Opposition. Ronald Tramp ermittelt zwischen illoyalem Beton und präsidialem Rasengefühl.
Von Ronald Tramp, Ihrem Sonderkorrespondenten für präsidiale Selbstbespiegelung und politisch verdächtige Grünflächen.
Leute, andere Politiker gehen vor Zwischenwahlen zu ihren Wählern. Donald Trump geht zum Wasserbecken. Verständlich: Wasser unterbricht nicht, stellt keine Fragen und wirft sein Gesicht zurück. Endlich eine ausgewogene Berichterstattung!
Laut dem vorgelegten Bericht könnte der Reflecting Pool am Lincoln Memorial künftig „Trump Reflecting Pool“ heißen. Hervorragend! Lincoln hat die Union zusammengehalten. Trump lässt das Becken renovieren. Da muss man historisch schon fair bleiben.
Ich, Ronald Tramp, erkenne die weltpolitische Bedeutung sofort: Amerika braucht einen Ort, an dem der Präsident sich selbst begegnen kann, ohne anschließend jemanden entlassen zu müssen.
Leider entwickelte das Wasser einen grünen Schimmer. Algen! Ungeheuerliche Algen! Man bestellt präsidiales Blau und bekommt biologische Opposition.
In meiner satirischen Vorstellung beruft Trump umgehend eine Pressekonferenz ein: „Diese Algen kamen illegal über den Beckenrand. Niemand weiß, woher. Sehr links. Betreiben ihre eigene grüne Wirtschaft. Zahlen keine Steuern!“
Der Bericht nennt allerdings Baumängel statt Vandalismus als Ursache der Schäden an der Beckenauskleidung. Ein schwerer Rückschlag für die Ermittlungsgruppe „Antifa mit Taucherbrille“.
Doch Baumängel lassen sich erklären: Der Beton war offenbar nicht ausreichend auf Loyalität geprüft worden. Ein patriotischer Untergrund hält dicht. Dieser hier hat mit den Fakten kooperiert.
Auch dem Rasen widmete sich der Präsident. Gras habe wie der Mensch ein Leben. Bewegend! Endlich kümmert sich jemand um die schweigende Mehrheit zwischen Gehweg und Sprinkleranlage.
Ich rechne mit einem Kabinettsposten für den ältesten Grashalm. Zuständig für Wachstum. Entlassung beim ersten gelben Blatt.
Mein Lösungsvorschlag: Das Becken wird vergoldet. Dann sieht niemand mehr die Algen, weil alle vom Preis geblendet sind.
Und sollte das Wasser weiterhin grün bleiben, nennen wir es einfach „flüssiges Gold“.
Die Farbe ist schließlich nur eine Meinung.
Das Spiegelbild dagegen gilt als amtliches Wahlergebnis.

