14 Millionen Dollar Sanierung, grünes Wasser und angebliche Sabotage: Ronald Tramp untersucht den mysteriösesten Teich Amerikas.
Freunde, Patrioten, Hobby-Gärtner und Menschen, die schon einmal einen Gartenteich besessen haben – ich muss heute über einen Skandal sprechen, der Amerika erschüttert.
Nicht die Inflation.
Nicht die Staatsverschuldung.
Nicht die Frage, warum Drucker grundsätzlich nur dann streiken, wenn man sie dringend braucht.
Nein.
Es geht um ein Wasserbecken.
Ein Wasserbecken!
Aber nicht irgendeines.
Das berühmte Reflecting Pool in Washington.
Die große, legendäre Wasserfläche zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument.
Ein Ort der Geschichte.
Ein Ort der Erinnerung.
Ein Ort, an dem Martin Luther King einst seine berühmte Rede hielt.
Und nun offenbar auch ein Ort internationaler Algenkriminalität.
Denn Präsident Donald Trump hat die Ursache für das jüngste Debakel bereits gefunden.
Sabotage.
Natürlich Sabotage.
Freunde, wenn in Amerika ein Wasserbecken grün wird, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten.
Möglichkeit eins:
Algen.
Möglichkeit zwei:
Eine internationale Chemikalien-Verschwörung.
Und wir alle wissen, welche Erklärung deutlich spannender klingt.
Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen.
14,2 Millionen Dollar wurden investiert.
14,2 Millionen!
Für diesen Betrag bekommt man in manchen Regionen ein Schloss.
Oder mehrere Fußballstadien.
Oder ungefähr sieben Minuten Parkzeit in Manhattan.
Das Becken wurde renoviert.
Der Boden neu beschichtet.
Alles sollte perfekt werden.
Fantastisch.
Großartig.
Historisch.
Mindestens so historisch wie die Pressemitteilungen darüber.
Doch dann geschah das Unfassbare.
Das Wasser wurde wieder grün.
Und Teile der Beschichtung lösten sich.
Für normale Menschen wäre das ärgerlich.
Für Politiker ist es eine Staatsaffäre.
Innerhalb weniger Stunden wurde aus einem Wasserproblem eine Art Mischung aus Kriminalfall, Verschwörungsthriller und Baumarkt-Reklamation.
Trump erklärte sofort, das Becken habe perfekt funktioniert.
Perfekt.
Die Schuld müsse also bei Vandalen liegen.
Schreckliche Vandalen.
Mit Chemikalien.
Ich stelle mir diese Szene vor.
Mitten in der Nacht schleicht eine finstere Gestalt zum Wasserbecken.
In der einen Hand eine Taschenlampe.
In der anderen eine Flasche mit der Aufschrift:
„Geheime Super-Algen-Flüssigkeit.“
Der Täter blickt sich um.
Lacht böse.
Und ruft:
„Heute mache ich dieses Wasser etwas grüner!“
Dann verschwindet er wieder in der Dunkelheit.
Freunde, das klingt weniger nach einem Verbrechen und mehr nach einem Bösewicht aus einer Zeichentrickserie.
Doch die Geschichte wird noch besser.
Denn einer der Festgenommenen soll ein ehemaliger Olympionike sein.
Ein Olympionike!
Nicht etwa ein Chemiker.
Nicht ein Industriespion.
Nicht ein professioneller Algenzüchter.
Nein.
Ein ehemaliger Spitzensportler.
Laut Berichten bestand seine mutmaßliche Straftat darin, ein teilweise gelöstes Stück der Beschichtung anzufassen.
Anzufassen!
Stellen Sie sich vor, wie die Ermittlungen verlaufen sein könnten.
„Was haben Sie dort gemacht?“
„Ich habe das lose Stück berührt.“
„Aha! Genau das würde ein Meisterverbrecher sagen!“
„Es war schon lose.“
„Interessant. Sehr interessant.“
Die amerikanische Kriminalliteratur wird diesen Fall noch jahrzehntelang untersuchen.
Doch vielleicht ist die wahre Sensation gar nicht die Alge.
Vielleicht ist die wahre Sensation die Ausschreibung.
Oder besser gesagt:
Die nicht vorhandene Ausschreibung.
Denn Berichten zufolge wurden die Aufträge direkt vergeben.
Wegen Zeitdruck.
Freunde, Zeitdruck ist in der Politik eine wunderbare Erfindung.
Mit Zeitdruck kann man praktisch alles erklären.
Warum wurde das Projekt teurer?
Zeitdruck.
Warum wurde die Planung verkürzt?
Zeitdruck.
Warum löst sich der Boden?
Extrem aggressiver Zeitdruck.
Vielleicht war sogar die Alge selbst unter Zeitdruck.
Wer weiß das schon.
Natürlich verteidigen die Verantwortlichen die Sanierung.
Und das verstehe ich.
Niemand möchte nach einer Renovierung für 14,2 Millionen Dollar hören:
„Übrigens, die Natur hatte andere Pläne.“
Algen besitzen eine bemerkenswerte Eigenschaft.
Sie interessieren sich nicht für Pressemitteilungen.
Nicht für Budgets.
Nicht für politische Mehrheiten.
Nicht für Wahlkämpfe.
Algen wachsen einfach.
Sie lesen keine Verträge.
Sie nehmen an keinen Ausschreibungen teil.
Sie erscheinen einfach.
Genau deshalb sind sie vermutlich die unabhängigste Lebensform der Welt.
Inzwischen stelle ich mir vor, wie die Zukunft aussehen könnte.
Es wird eine spezielle Behörde gegründet.
Die Nationale Kommission zur Bekämpfung Verdächtiger Wasserfärbungen.
Täglich sitzen dort Experten.
„Ist das eine Alge?“
„Vielleicht.“
„Oder Sabotage?“
„Vielleicht.“
„Oder eine sabotierende Alge?“
„Wir sollten ein Untersuchungskomitee gründen.“
Und irgendwo im Hintergrund sitzt Abraham Lincoln als Denkmal und blickt schweigend auf die Szene.
Wahrscheinlich denkt er sich:
„Ich habe einen Bürgerkrieg erlebt. Und jetzt diskutieren sie über einen Teich.“
Am Ende bleibt eine wichtige Erkenntnis.
Das Reflecting Pool sollte eigentlich Menschen zum Nachdenken bringen.
Deshalb heißt es schließlich Reflecting Pool.
Doch niemand hätte gedacht, dass es einmal ganz Amerika über folgende Frage nachdenken lassen würde:
„Kann ein Wasserbecken gleichzeitig frisch renoviert, grün, beschädigt und Teil einer internationalen Chemikalien-Verschwörung sein?“
Die Antwort lautet vermutlich:
Ja.
Zumindest in Washington.
Und deshalb bleibt dieses Wasserbecken weiterhin das vielleicht politischste Gewässer der Welt.
Nicht tief.
Nicht besonders groß.
Aber tief genug, um darin ganze Verschwörungstheorien zu versenken.

