RT
Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Ronald Tramp im Kolosseum der KI: Wenn der Imperator den Algorithmus entdeckt

Grafik: Ronald Tramp trifft den KI-Imperator

Ich dachte immer, Politiker wollten Geschichte schreiben. Roberto Vannacci scheint sie lieber nachdrehen zu wollen. Mit künstlicher Intelligenz marschiert er als römischer Kaiser durchs Kolosseum und verteilt Urteile über heutige Politiker. Was kann da schon schiefgehen? Außer ungefähr alles.

Satiressum - Banner 003Partnerlink

Liebe Leser,

ich habe in meinem Leben schon vieles gesehen.

Politiker mit Krone.

Politiker mit Heiligenschein.

Politiker, die sich für Napoleon hielten.

Und einige, die bereits beim Betreten eines Sitzungssaals so auftraten, als würde gerade ihre persönliche Nationalhymne gespielt.

Doch Italien liefert bekanntlich immer noch eine Portion Parmesan extra.

Dort hat Roberto Vannacci beschlossen, dass gewöhnliche Wahlplakate viel zu langweilig sind.

Warum freundlich in die Kamera lächeln, wenn man sich dank künstlicher Intelligenz direkt zum römischen Kaiser befördern kann?

Ein Gedanke, der vermutlich irgendwo zwischen einem Geschichtsbuch, einem Hollywood-Film und einem sehr langen Espresso entstanden ist.

Also erscheint der ehemalige General plötzlich als Imperator.

Mit majestätischem Blick.

Mit kaiserlicher Pose.

Mit jeder Menge digitalem Marmor.

Und selbstverständlich mitten im Kolosseum.

Denn wenn man schon in die Vergangenheit reist, dann bitte nicht sparsam.

Ich stellte mir kurz vor, wie die KI wohl gearbeitet haben muss.

Prompt Nummer eins:

"Mach mich größer."

Prompt Nummer zwei:

"Noch größer."

Prompt Nummer drei:

"Jetzt bitte so groß, dass Julius Caesar fragt, ob er ein Selfie machen darf."

Die Software dürfte irgendwann aufgegeben haben und einfach sämtliche Regler auf "MAXIMUM" geschoben haben.

Doch dann wurde es richtig spektakulär.

Im Video spricht der digitale Imperator über heutige politische Gegner Todesurteile aus.

Nicht gegen Gladiatoren.

Nicht gegen barbarische Eindringlinge.

Sondern gegen heutige Politiker.

Da hört der Spaß dann auf.

Denn politische Satire lebt davon, Macht zu überzeichnen, nicht davon, Gewaltphantasien gegen reale Personen als Unterhaltung zu inszenieren.

Das dachten sich offenbar auch zahlreiche Kritiker.

Einer der Betroffenen warnte, solche Bilder könnten Fanatiker aufstacheln.

Eine Sorge, die man angesichts immer realistischerer KI-Technik durchaus ernst nehmen kann.

Aber offenbar dachte sich irgendwo ein Algorithmus:

"Ich wurde doch nur nach einem Kaiser gefragt."

Besonders bemerkenswert finde ich allerdings die Dramaturgie.

Normale Politiker veröffentlichen Wahlprogramme.

Vannacci veröffentlicht offenbar den Director's Cut des Römischen Reiches.

Ich warte bereits auf die nächsten Folgen.

Episode 2:

"Der Senat tagt auf TikTok."

Episode 3:

"SPQR – Special Political Quality Reels."

Und das Staffelfinale:

"Gladiatoren gegen die Haushaltsdebatte."

Natürlich bleibt es nicht beim Kolosseum.

Im nächsten KI-Video setzt der digitale Kaiser sogar beim amtierenden Staatspräsidenten eine Begnadigung durch.

Warum auch nicht?

Wenn man sich ohnehin schon zum Imperator erklärt hat, wäre etwas Bescheidenheit ja geradezu stilwidrig.

Ich sehe die nächsten Ausbaustufen bereits kommen.

Der Wetterbericht wird künftig vom Kaiser persönlich genehmigt.

Der Vesuv muss vor jedem Ausbruch einen Antrag stellen.

Und der Schiefe Turm von Pisa wird per Dekret verpflichtet, endlich gerade zu stehen.

Schließlich regiert hier der Algorithmus Augustus.

Das Faszinierende an künstlicher Intelligenz ist ja, dass sie inzwischen nahezu alles darstellen kann.

Man kann historische Szenen erschaffen.

Zukünftige Städte.

Drachen.

Raumschiffe.

Oder eben Politiker, die aussehen, als hätten sie Rom persönlich gegründet.

Technisch beeindruckend.

Politisch allerdings ungefähr so dezent wie ein Elefant im Porzellanladen.

Ich fragte einen Historiker, was Julius Caesar wohl dazu sagen würde.

Er antwortete:

"Zunächst würde er sich wundern, warum plötzlich alle Hochkantvideos drehen."

Ein berechtigter Einwand.

Auch die römischen Kaiser hätten vermutlich irgendwann gefragt, weshalb heute jeder zweite Imperator einen eigenen Social-Media-Kanal besitzt.

Und warum niemand mehr Lorbeerkränze trägt, sondern stattdessen Filter mit Goldglanz verwendet.

Das eigentliche Problem ist jedoch ein anderes.

KI macht Inszenierungen heute erschreckend einfach.

Früher brauchte man Filmstudios.

Maskenbildner.

Statisten.

Kulissen.

Heute genügt ein leistungsfähiger Rechner, etwas Fantasie und die Bereitschaft, jede Grenze zwischen Realität und Inszenierung möglichst spektakulär zu verwischen.

Das ist technisch faszinierend.

Aber genau deshalb braucht es umso mehr Verantwortungsbewusstsein.

Denn je überzeugender künstliche Bilder wirken, desto leichter können sie Emotionen erzeugen – oder bewusst anheizen.

Zum Glück besitzt die Demokratie einen entscheidenden Vorteil gegenüber jedem digitalen Kaiser.

Sie funktioniert nicht mit Daumen hoch oder Daumen runter.

Sie lebt von Wahlen, Diskussionen und Rechtsstaatlichkeit.

Das ist manchmal langsamer.

Weniger spektakulär.

Und garantiert schlechter für virale Videos.

Aber dafür endet eine Parlamentsdebatte normalerweise nicht damit, dass im Kolosseum ein Löwe hereingeführt wird.

Ich verabschiedete mich schließlich von meinem Ausflug ins digitale Rom.

Hinter mir verschwand der virtuelle Kaiser langsam wieder im Nebel der künstlichen Intelligenz.

Die Säulen verblassten.

Die Lorbeerkränze lösten sich in Pixel auf.

Das Kolosseum wurde wieder zu einer Datei.

Und ich dachte mir:

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieser ganzen Geschichte.

Eine KI kann jedem eine Krone aufsetzen.

Sie kann Marmorsäulen errichten.

Sie kann Imperatoren erschaffen.

Sie kann sogar ganze Reiche simulieren.

Was sie jedoch bis heute nicht erzeugen kann, ist die Fähigkeit, zwischen einer großen Inszenierung und guter politischer Kultur zu unterscheiden.

Das müssen Menschen weiterhin selbst erledigen.

Und ehrlich gesagt bin ich darüber ziemlich froh.

Denn sonst entscheidet am Ende tatsächlich noch ein Algorithmus darüber, wer den Lorbeerkranz bekommt – und wer stattdessen nur den Kommentarbereich moderieren darf.

Dixxu - Banner 003Partnerlink
Tags: Politik Italien KI Rom Kolosseum Roberto Vannacci
a
Das könnte dich auch interessieren
Der Mandalorianer mit der falschen Flagge
WM auf Bestellung? Warum plötzlich Italien statt Iran spielen soll
Mut, Meloni und Megaphon-Politik
Regieren mit Gesicht
‹ Vorheriger
Ronald Tramp und das Orakel von Silicon Valley: Bald arbeite…
Nächster ›
Ronald Tramp im Diplomaten-Zirkus: Wenn Präsidenten den Bele…
Verpasse keine Enthüllung!
Abonniere meinen Newsletter und erhalte die Wahrheit regelmäßig – direkt und ungefiltert.