Washington verschärft den wirtschaftlichen Druck auf Moskau, russische Energieabnehmer könnten massive Zölle treffen – und Donald Trump bekommt ein neues Lieblingsspielzeug. Ronald Tramp besucht die Zollabteilung der Hölle.
Von Reporter Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für Wirtschaftskrieg, höllische Zolltarife und russische Schattenflotten mit vermutlich sehr schlechtem Versicherungsschutz.
Meine Damen und Herren, Washington hat ein neues Produkt auf den Markt gebracht.
Keine Rakete. Kein Smartphone. Keine künstliche Intelligenz.
Sondern etwas, das amerikanische Politiker inzwischen mindestens genauso lieben:
ZÖLLE.
Große Zölle. Wunderschöne Zölle. Mächtige Zölle. Zölle, bei denen selbst andere Zölle sagen:
„Wow, vielleicht ein bisschen viel.“
Das US-Repräsentantenhaus hat am 16. September tatsächlich ein umfangreiches Russland- und Iran-Sanktionsgesetz mit 262 zu 159 Stimmen verabschiedet. Das Gesetz geht nach vorheriger Zustimmung des Senats an Präsident Donald Trump. Es richtet sich unter anderem gegen russische Energie- und Rüstungsstrukturen sowie die sogenannte Schattenflotte und eröffnet dem Präsidenten weitreichende Möglichkeiten für zusätzliche Zölle gegen große Abnehmer russischer Energie.
Und irgendein Genie hat dafür natürlich bereits den perfekten Namen gefunden:
„SANCTIONS FROM HELL.“
Meine Damen und Herren, das ist Washington-Marketing auf Champions-League-Niveau.
Früher hieß ein Gesetz vielleicht:
„Gesetz zur Erweiterung wirtschaftlicher Restriktionsmaßnahmen.“
Niemand las es.
Heute:
SANKTIONEN AUS DER HÖLLE!
Sofort Aufmerksamkeit.
Ich erwarte beim nächsten Kongress bereits:
„THE EXTREMELY ANGRY CUSTOMS DUTY OF DOOM ACT.“
BIS ZU 100 PROZENT – MAKE CUSTOMS GREAT AGAIN!
Besonders interessant wird es bei Ländern, die weiterhin große Mengen russischen Öls oder Gases kaufen. Das Gesetz ermöglicht Zölle von bis zu 100 Prozent auf Waren aus bestimmten großen Käuferstaaten; China und Indien gehören zu den Ländern, auf die diese Regelung zielen könnte.
Hundert Prozent!
Donald Trump dürfte das Wort gelesen haben und gedacht haben:
„Endlich spricht dieses Gesetz meine Sprache.“
Denn Trump und Zölle gehören inzwischen zusammen wie Ketchup und Pommes.
Andere Politiker betrachten eine außenpolitische Krise und fragen:
„Welche diplomatischen Instrumente stehen uns zur Verfügung?“
Donald betrachtet dieselbe Krise:
„Kann man einen Zoll draufmachen?“
Krieg?
Zoll.
Öl?
Zoll.
China?
Zoll.
Indien?
Vielleicht auch Zoll.
Der Mars kauft russisches Gas?
INTERPLANETARISCHER ZOLL!
Elon, rechne das aus.
MOSKAU ENTDECKT PLÖTZLICH DIE UNFREUNDLICHKEIT
Im Kreml kam das Paket erwartungsgemäß weniger gut an. Dmitri Peskow erklärte, zusätzliche amerikanische Sanktionen würden Friedensbemühungen für die Ukraine erschweren. Russische Reaktionen griffen dabei selbst die Bezeichnung der „höllischen“ Sanktionen auf.
Das ist bemerkenswert.
Moskau schaut auf ein Gesetz namens „Sanktionen aus der Hölle“ und diagnostiziert:
„Das wirkt unfreundlich.“
Hervorragende Analyse.
Ronald Tramp Investigativ könnte ergänzen:
Feuer ist warm.
Wasser ist nass.
Und ein Wirtschaftspaket, das sprachlich direkt aus Satans Finanzministerium geliefert wird, ist vermutlich kein Freundschaftsgeschenk.
DIE SCHATTENFLOTTE BEKOMMT LICHT
Das Paket nimmt außerdem Schiffe der russischen sogenannten Schattenflotte ins Visier – Tanker und zugehörige Strukturen, mit denen bestehende Beschränkungen umgangen werden sollen. Auch russische Funktionäre, Finanzstrukturen und weitere Teile des Energie- und Verteidigungssektors sind betroffen.
„Schattenflotte“ ist übrigens ein großartiger Name.
Das klingt weniger nach Öltransport und mehr nach einer Erweiterung für Call of Duty: Baltic Sea.
Ich stelle mir die Mannschaft bereits vor:
„Kapitän, wir wurden entdeckt!“
„Unmöglich! Wir sind die Schattenflotte!“
„Aber unser Tanker ist dreihundert Meter lang.“
„Verdammt.“
Vielleicht sollte man das Rebranding überdenken.
URSPRÜNGLICH SOLLTE ES NOCH HÖLLISCHER WERDEN
Die politische Vorgeschichte ist ebenfalls bemerkenswert. Der ursprüngliche Entwurf von Lindsey Graham und dem demokratischen Senator Richard Blumenthal sah sogar deutlich drastischere Sekundärzölle vor. Die nun verabschiedete Fassung enthält weiterhin massive Instrumente, ist aber gegenüber früher diskutierten Varianten verändert worden.
Das bedeutet:
Die „Sanktionen aus der Hölle“ sind bereits die gemäßigte Variante.
Wundervoll.
Was war dann der ursprüngliche Entwurf?
„Sanktionen aus der Hölle – Director’s Cut“?
Mit Lava?
Dämonen?
Und einem Zollbeamten mit Dreizack?
UND JETZT KOMMT DONALD
Der entscheidende satirische Höhepunkt steckt allerdings im Gesetz selbst:
Der Kongress schafft ein mächtiges Instrument – aber ein erheblicher Teil seiner praktischen Wirkung hängt davon ab, wie der Präsident die neuen Befugnisse tatsächlich einsetzt. Kritiker im Repräsentantenhaus warnten gerade deshalb vor den weitreichenden zusätzlichen Zollkompetenzen für Trump.
Meine Damen und Herren:
Man hat Donald Trump gerade einen großen roten Knopf gegeben.
Darauf steht sinngemäß:
BIS ZU 100 % ZOLL.
Was könnte passieren?
Vermutlich sitzt Donald bereits im Oval Office davor.
Ein Berater:
„Sir, bitte beachten Sie die geopolitischen Auswirkungen.“
Trump:
„Hundert ist eine wunderschöne Zahl.“
„Sir, Indien ist strategisch wichtig.“
„Aber hundert!“
„China ebenfalls.“
„Kann man hundertfünfzig machen?“
„Nein.“
Langes Schweigen.
„Sad.“
Putin bekommt Sanktionen.
Iran bekommt Sanktionen.
Die Schattenflotte bekommt Sanktionen.
Russische Energieabnehmer könnten Zölle bekommen.
Und Donald Trump bekommt neue Zollbefugnisse.
Damit hat wirklich jeder etwas erhalten.
Das ist amerikanische Außenpolitik wie Weihnachten – nur dass sämtliche Geschenke vom Finanzministerium kommen und auf jedem Paket steht:
ZAHLBAR BEI EINFUHR.
Ob das Paket Moskaus Einnahmen erheblich reduziert, Käufer russischer Energie zum Umdenken bewegt oder neue Handelskonflikte produziert, wird davon abhängen, wie die Regelungen angewandt werden und wie betroffene Staaten reagieren.
Aber eines steht bereits fest:
Wenn Washington ein Gesetz offiziell irgendwann wirklich „Sanktionen aus der Hölle“ nennen sollte, braucht Amerika als Nächstes keinen Pressesprecher mehr.
Dann reicht ein Heavy-Metal-Gitarrist.

