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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Putins Kabel-Kommando: Top Secret mit Publikum

Grafik: Putins Kabel-Kommando wird beim Geheimüben erwischt

Russische Spezial-U-Boote sollen bei Spitzbergen geübt haben, Tiefseekabel möglichst spurlos zu sabotieren. Dumm nur: Norwegen, die USA und Großbritannien sollen zugesehen haben. Ronald Tramp über GUGI, Glasfaser und die wohl öffentlichste Geheimübung der Arktis.

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Es gibt Geheimoperationen, die sind so geheim, dass niemand von ihnen erfährt.

Und dann gibt es offenbar russische Geheimoperationen.

Nach einem Reuters-Bericht sollen russische Spezial-U-Boote im Frühjahr nahe Spitzbergen geübt haben, wie sich Unterseekabel möglichst unauffällig sabotieren lassen. Das erklärte Ziel der Übung soll ausgerechnet gewesen sein, keine eindeutigen Spuren zu hinterlassen.

Das ist ausgezeichnet gelaufen.

Beobachtet worden sein soll die Aktion nämlich von Norwegen, den USA und Großbritannien.

Meine Damen und Herren: Willkommen bei „Mission Impossible – Arktis Edition“, präsentiert von denselben Leuten, die offenbar „unbemerkt“ mit „international begleitet“ verwechseln.

Ich stelle mir die Kommandozentrale in Moskau vor.

„Genosse Präsident, die streng geheime Operation läuft.“

Putin:

„Bemerkt uns jemand?“

„Nein.“

„Sehr gut.“

„Außer Norwegen.“

„Noch jemand?“

„Amerika.“

„Sonst?“

„Großbritannien.“

Lange Pause.

„Also praktisch niemand.“

Mission accomplished!

Besonders hübsch ist der Schauplatz: Spitzbergen. Rund 2500 Menschen, etwa 3000 Eisbären und neuerdings offenbar mehrere Geheimdienste, Spezial-U-Boote und genug militärische Aufmerksamkeit, dass vermutlich selbst jeder Kabeljau einen NATO-Dienstausweis benötigt.

Unter Wasser verlaufen dort zwei etwa 1400 Kilometer lange Glasfaserkabel zum norwegischen Festland. Darüber werden unter anderem große Mengen Satellitendaten übertragen.

Mit anderen Worten: Das sind keine Kabel, bei denen man versehentlich mit dem Rasenmäher drüberfährt und anschließend der Nachbar kein Netflix mehr hat.

Das ist Infrastruktur.

Sehr wichtige Infrastruktur.

Und genau deshalb ist die Vorstellung einer Spezialtruppe, die in bis zu 2700 Metern Tiefe möglichst geräuschlos daran herumwerkelt, ziemlich beunruhigend.

Satirisch allerdings besitzt die Geschichte einen großartigen technischen Konflikt.

Denn eine klassische Sprengung wäre offenbar zu auffällig.

BOOM!

Seismometer:

„Hallo Russland.“

Also braucht man angeblich neue Methoden, die weniger eindeutige Spuren hinterlassen.

Das ist praktisch der Umstieg vom Vorschlaghammer auf das Präzisionswerkzeug.

Früher:

„KABEL KAPUTT!“

Heute:

„Wir bieten Ihnen diskrete Premium-Sabotage mit geringer seismischer Sichtbarkeit. Jetzt auch als Tiefsee-Abo.“

Und dann taucht auch noch die russische Tiefsee-Einheit GUGI auf.

Allein der Name klingt fantastisch.

GUGI.

Das klingt nicht nach einer Organisation, die geheime Operationen in 2700 Metern Tiefe durchführt.

Das klingt nach einem kleinen Stofftier.

„Was hast du zum Geburtstag bekommen?“

„Einen GUGI!“

„Wie süß!“

„Der kann Glasfaserkabel finden.“

„Oh.“

Tatsächlich handelt es sich um eine russische Behörde für Tiefseeaktivitäten, die direkt der höchsten politischen Ebene untersteht. Wenn Reuters' Informationen zutreffen, wäre das also keine Gruppe gelangweilter Matrosen gewesen, die beim Sonntagsausflug zufällig ein Unterseekabel entdeckt hat.

Das wäre ziemlich weit oben angesiedelte Unterwasserarbeit.

Ich sehe Putin bereits über einem gigantischen Aquarium sitzen.

Darin: Miniatur-U-Boote, kleine Glasfaserkabel und ein Spielzeug-Eisbär.

„Vladimir Vladimirovich, NATO beobachtet uns.“

Putin verschiebt das U-Boot hinter einen Plastikfelsen.

„Jetzt?“

„Immer noch.“

Hinter eine Schatztruhe.

„Jetzt?“

„Satelliten.“

Unter ein Modell der Titanic.

„Jetzt?“

„Norweger.“

Putin seufzt.

„Verdammtes WLAN.“

Das eigentliche Problem dahinter ist ernst: Europas Kommunikations-, Energie- und Dateninfrastruktur liegt zu erheblichen Teilen auf oder unter dem Meeresboden. Kabel verbinden Staaten, Rechenzentren und Kommunikationssysteme. Und weil man schlecht alle paar Meter einen Wachmann mit Taschenlampe auf den Meeresgrund stellen kann, bleibt diese Infrastruktur verwundbar.

Der norwegische Verteidigungsminister Tore Sandvik formulierte deshalb eine Botschaft, die in Moskau angekommen sein dürfte: Russland könne dort nicht unbemerkt operieren.

Das ist diplomatisch formuliert.

Auf Ronald-Trampisch heißt das:

„Wir haben euch gesehen.“

Und damit ist die angebliche Geheimübung ungefähr so geheim wie jemand, der nachts mit Sturmhaube, Bolzenschneider und Warnweste „GEHEIMOPERATION“ durch eine beleuchtete Fußgängerzone läuft.

Vielleicht sollten wir Spitzbergen jetzt generell besser absichern.

3000 Eisbären sind immerhin vorhanden.

Man müsste sie nur ausbilden.

NATO Arctic Cable Protection Unit.

Eisbär 1 überwacht Kabel A.

Eisbär 2 Kabel B.

Eisbär 3 sitzt am Kontrollmonitor.

Russisches Spezial-U-Boot nähert sich.

Eisbär:

„Nicht schon wieder.“

Noch besser: Die Eisbären bekommen Sonar.

Niemand sabotiert mehr irgendetwas.

Nicht aus Angst vor der NATO.

Sondern weil niemand der erste russische Tiefseetaucher sein möchte, der in seinem Einsatzbericht erklären muss:

„Operation abgebrochen wegen Eisbär.“

Am Ende bleibt also eine bemerkenswerte Geschichte: Russland soll laut Reuters trainiert haben, Unterwasser-Infrastruktur möglichst spurlos anzugreifen – während gleich mehrere westliche Staaten zusahen und die U-Boote schließlich zum Rückzug gedrängt worden sein sollen.

Vielleicht lautet die wichtigste Erkenntnis deshalb:

Die perfekte Sabotage hinterlässt keine Spuren.

Die weniger perfekte Sabotage hinterlässt Spuren.

Und die wirklich russische Variante bekommt anschließend einen internationalen Pressebericht.

TOP SECRET.

Bitte nicht weitererzählen.

Norwegen, Amerika und Großbritannien wissen bereits Bescheid.

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Tags: Russland NATO Wladimir Putin Norwegen GUGI Unterseekabel Spitzbergen
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