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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Trump TV: Jetzt sendet das Weiße Haus sich selbst

Grafik: Trump TV - Fernsehen ohne störende Journalisten

Das Weiße Haus entdeckt Fernsehen ohne lästige Fragen: Trump TV sendet Reden, Militärbilder und Regierungserfolge rund um die Uhr. Ronald Tramp prüft das Programm.

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Von Reporter Ronald Tramp – dem einzigen Journalisten, der noch ins Studio darf, weil er zufällig das Studio ist.

Meine Freunde, es ist passiert.

Fernsehen wurde endlich perfektioniert.

Jahrzehntelang gab es dort sogenannte Journalisten. Menschen mit Mikrofonen, Kameras und dieser unangenehmen Angewohnheit, nach einer Antwort noch eine zweite Frage zu stellen.

Schreckliches Konzept.

Doch jetzt kommt die Revolution:

Trump TV.

Vierundzwanzig Stunden am Tag.

Sieben Tage die Woche.

Trump.

Reden.

Trump.

Ankündigungen.

Trump.

Militärflugzeuge.

Trump.

Vielleicht irgendwann Wetter.

„Morgen sonnig. Dank des Präsidenten.“

Fantastisch!

Das Weiße Haus hat offenbar erkannt: Warum sollte man Nachrichten von Leuten produzieren lassen, die Nachrichten auswählen, prüfen, einordnen und gelegentlich widersprechen, wenn man stattdessen einfach die Regierung fragen kann, welche Regierungsmeldung die Regierung heute besonders hervorragend findet?

Das spart enorm viel Zeit.

Ich, Ronald Tramp, nenne das:

Nachrichten ohne störenden Nachrichtenanteil.

Auf dem neuen Kanal liefen zunächst Reden und Aufnahmen des amerikanischen Militärs. Dazu eine Stimme, die erklärte, wie großartig die Streitkräfte sind. (tagesschau.de)

Genial.

Früher hätte ein Journalist vielleicht gefragt:

„Was sehen wir hier eigentlich?“

Heute sagt der Kommentator einfach:

„Großartig.“

Nächste Szene:

Panzer.

„Unglaublich.“

Kampfflugzeug.

„Fantastisch.“

Flugzeugträger.

„Vielleicht der beste Flugzeugträger, der jemals Wasser gesehen hat.“

Problem gelöst.

Investigativer Journalismus kann wahnsinnig kompliziert sein.

Eigenwerbung dagegen passt immer in einen Satz.

Besonders praktisch ist Trump TV natürlich deshalb, weil das Verhältnis zwischen Präsident und mehreren Medien derzeit ungefähr so harmonisch ist wie eine Familienfeier nach einer Testamentsverkündung.

CNN, MS NOW und Politico dürfen derzeit nicht ins Weiße Haus. Die Medien klagen dagegen. Andere Sender reagierten mit Einschränkungen der Pool-Berichterstattung. (Reuters)

Das führte zu einem wunderschönen technischen Meisterwerk.

Trump sprach bei einem Pressetermin.

Er bewegte die Lippen.

Er gestikulierte.

Er redete minutenlang.

Nur hören konnte man ihn im offiziellen Stream zeitweise nicht.

(Axios)

Meine Freunde:

Das ist Innovation.

Andere Fernsehsender benötigen Ton.

Trump TV braucht nur Trump.

Was soll Ton schon beitragen?

Wörter?

Völlig überschätzt.

Vielleicht war das sogar die ultimative Kommunikationsform:

Der Präsident spricht.

Niemand hört etwas.

Und trotzdem kann anschließend jeder behaupten, die Rede sei ausgezeichnet gewesen.

Keine Missverständnisse.

Keine problematischen Zitate.

Keine Faktenchecks.

Keine Schlagzeilen.

Nur Lippenbewegung und Präsidentensiegel.

Perfekte Kommunikation!

Ich sehe bereits den zukünftigen Programmplan.

Morgens:

Trump steht irgendwo.

Mittags:

Trump sitzt irgendwo.

Nachmittags:

Trump zeigt auf etwas.

Prime Time:

Trump erklärt, warum Trump im Fernsehen sein sollte.

Danach die Dokumentation:

Trump – die frühen Stunden des heutigen Vormittags.

Und nachts natürlich Wiederholungen.

Denn nicht jeder wichtige Moment hat es bisher ins Fernsehen geschafft, erklärte das Weiße Haus sinngemäß zur Begründung des neuen Angebots. (The Indian Express)

Das ist nachvollziehbar.

Stellen Sie sich vor, irgendwo findet ein wichtiger Trump-Moment statt und niemand sendet ihn!

Vielleicht hebt Trump eine Tasse hoch.

Historisch.

Vielleicht unterschreibt er ein Papier.

Epochal.

Vielleicht geht er durch eine Tür.

Breaking News.

„PRÄSIDENT ERREICHT ERFOLGREICH ANDEREN RAUM.“

Der klassische Journalismus hätte jetzt womöglich gefragt:

„Warum ist das wichtig?“

Trump TV dagegen kennt die einzig angemessene Antwort:

Weil Trump drin vorkommt.

Ich erwarte deshalb bald weitere Sender.

Trump Weather:

„Heute unglaubliches Wetter. Manche sagen das beste Wetter.“

Trump Finance:

„Aktien gehen hoch. Hervorragend. Gehen sie runter, waren es vermutlich die Medien.“

Trump History:

„Früher geschahen viele Dinge. Manche waren gut. Dann kam Trump.“

Trump Cooking:

„Wir nehmen einen Burger. Einen fantastischen Burger.“

Und natürlich Trump Breaking News.

Dort erscheint rund um die Uhr dieselbe Meldung:

ALLES LÄUFT GROẞARTIG.

Außer vielleicht das Mikrofon.

Ich, Ronald Tramp, werde Trump TV selbstverständlich genau beobachten.

Nicht weil ich müsste.

Sondern weil es schwierig sein dürfte, wegzuschalten.

Irgendwo, meine Freunde, sitzt nämlich gerade ein Fernsehproduzent im Weißen Haus und hat die wichtigste Erkenntnis der modernen Mediengeschichte gemacht:

Wenn einem die Berichterstattung nicht gefällt, kann man versuchen, die Berichterstattung zu verbessern.

Oder man macht einfach selbst Fernsehen.

Und wenn dann niemand Fragen stellt?

Umso besser.

Das nennt man schließlich:

ununterbrochene Exklusivberichterstattung aus einer einzigen exklusiven Perspektive.

Früher hieß das Öffentlichkeitsarbeit.

Heute hat es einen Sendeknopf.

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Tags: USA Donald Trump Journalismus Weißes Haus Medien Pressefreiheit Trump TV
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