Karoline Leavitt wechselt vom Weißen Haus zu Fox News. Ronald Tramp untersucht den kürzesten Karriereweg Amerikas: Trump erklären, Trump kommentieren, Werbepause.
Von Ronald Tramp, Medienexperte für fliegende Seitenwechsel, MAGA-Mikrofone und journalistische Kreislaufwirtschaft
Meine Damen und Herren, es gibt Karrieren, die überraschen einen völlig.
Ein veganer Metzger eröffnet ein Steakhouse.
Ein Bahnmanager entdeckt die Pünktlichkeit.
Ein Influencer beginnt plötzlich, sein Privatleben privat zu halten.
Und dann gibt es Karrierewechsel, bei denen selbst Captain Obvious sagt:
„Ja. Natürlich.“
Karoline Leavitt, ehemalige Pressesprecherin von Donald Trump, geht laut Ausgangstext zu Fox News.
WOW!
Niemand konnte das vorhersehen.
Ronald Tramp fiel vor Überraschung beinahe aus seinem goldenen Reportersessel.
Von Trumps Pressestelle zu Fox News – das ist ungefähr so, als würde ein Bayern-Spieler seine Karriere beenden und anschließend Experte bei einer Sendung über Fußball werden.
Der Arbeitsweg ändert sich.
Die Garderobe vielleicht.
Aber niemand muss erklären, wer Donald Trump ist.
Eine völlig neue Perspektive!
Leavitt kündigte an, ihre „einzigartige Perspektive“ aus ihrer Zeit im Weißen Haus einzubringen.
Einzigartig!
Ronald liebt dieses Wort.
Denn natürlich besitzt eine ehemalige Trump-Sprecherin eine besondere Perspektive auf Trump.
So wie ein ehemaliger McDonald's-Manager eine einzigartige Perspektive auf Big Macs besitzt.
Die große Frage lautet nur:
Wie sieht diese Perspektive aus?
Ronald vermutet:
Moderator: „Karoline, wie bewerten Sie diese Rede des Präsidenten?“
Leavitt: „Historisch.“
„Und seine Wirtschaftspolitik?“
„Historisch.“
„Außenpolitik?“
„Historisch.“
„Seine Golfrunde?“
„Eine der historischsten Golfrunden, die jemals von einem Präsidenten gespielt wurde.“
„Er hat zwölf Bälle verloren.“
„Historisch viele.“
Fantastische Analyse!
Vom Briefing Room direkt ins Studio
Im Weißen Haus bestand Leavitts Aufgabe darin, vor Journalisten zu stehen und die Politik Donald Trumps zu verteidigen.
Bei Fox soll sie künftig politische Ereignisse kommentieren.
Ronald erkennt einen gewaltigen Unterschied.
Im Weißen Haus sitzt das Publikum vor dem Mikrofon.
Im Fernsehen sitzt es hinter dem Bildschirm.
Das verändert alles!
Vielleicht bekommt sie jetzt sogar einen Drehstuhl.
Und Einblendungen!
Ronald fordert deshalb dringend, dass ehemalige Regierungssprecher künftig einen offiziellen Berufsabschluss erhalten:
Bachelor of Applied Talking.
Zusatzqualifikation:
Master of Question Avoidance.
Prüfungsaufgabe:
Ein Reporter fragt: „Warum hat der Präsident gestern das Gegenteil von heute gesagt?“
Die Kandidatin muss fünf Minuten antworten, ohne die Wörter „gestern“, „heute“ oder „Gegenteil“ zu verwenden.
Wer das schafft, darf direkt ins Kabelfernsehen.
Mehr Zeit für die Familie – und Fox News
Leavitt hatte ihren Rückzug aus dem Weißen Haus nach der Geburt ihres zweiten Kindes damit begründet, sich stärker auf ihre Familie konzentrieren zu wollen.
Das ist nachvollziehbar und völlig legitim.
Und nun kommt offenbar Fox News hinzu.
Ronald begrüßt deshalb das revolutionäre amerikanische Familienmodell:
Work-Life-Fox-Balance.
Morgens Familie.
Mittags Familie.
Abends Studiolicht.
Dazwischen Donald Trump erklären.
Eigentlich perfekt.
Denn bei Fox kann man vermutlich nach der Sendung einfach das Mikrofon ausschalten.
Im Weißen Haus funktioniert das mit dem Präsidenten bekanntlich schwieriger.
Aber ist sie noch für MAGA tätig?
Offen bleibt laut Ausgangstext, ob Leavitt parallel weiterhin als Beraterin für Trump beziehungsweise MAGA Inc. arbeitet.
Das könnte interessant werden.
Denn wenn jemand gleichzeitig politisch berät und anschließend politische Entwicklungen im Fernsehen kommentiert, entsteht eine faszinierende journalistische Situation.
Ronald nennt sie:
„Breaking News: Ich erkläre jetzt, was wir uns dabei gedacht haben.“
Moderator: „Karoline, überraschende neue Strategie aus dem Trump-Lager. Wie bewerten Sie das?“
Leavitt: „Sehr klug.“
Moderator: „Woher wissen Sie das?“
Leavitt: „Ein Gefühl.“
Moderator: „Haben Sie daran mitgearbeitet?“
Leavitt: „Nächste Frage.“
Das wäre keine Interessenkollision.
Das wäre vertikale Integration.
Andere Konzerne kontrollieren Produktion, Vertrieb und Verkauf.
MAGA könnte dann Idee, Kommunikation und TV-Kommentar aus einer Hand anbieten.
Amerikanische Effizienz!
Ronald gründet den MAGA-Medienkreislauf
Ronald Tramp hat das System analysiert.
Es funktioniert ungefähr so:
Man arbeitet für Trump.
Dann erklärt man Trump.
Dann kommentiert man Trump.
Dann berät man Trump möglicherweise wieder.
Dann wird man ins Fernsehen eingeladen, um darüber zu sprechen, warum Trump völlig missverstanden wurde.
Und irgendwann kehrt man zurück ins Weiße Haus, weil man im Fernsehen so überzeugend erklärt hat, was das Weiße Haus eigentlich sagen wollte.
Das ist kein Karriereweg.
Das ist ein politischer Wasserkreislauf.
Wolke.
Regen.
Fluss.
Meer.
Fox News.
Weißes Haus.
Fox News.
MAGA.
Und wieder von vorne.
Grundschüler könnten bald Diagramme davon malen.
Ronald gratuliert
Trotz aller Satire: Der Schritt ergibt beruflich natürlich Sinn. Eine ehemalige Pressesprecherin verfügt über Regierungserfahrung, Medienroutine und Einblicke in die politische Kommunikation. Dass ein konservativer Sender diese Perspektive interessant findet, ist ungefähr so überraschend wie Schnee im Winter.
Aber genau deshalb ist es satirisch so wunderschön.
Karoline Leavitt verlässt die Position, in der sie Donald Trump vor laufenden Kameras erklärt hat, und übernimmt nun eine Position, in der sie Donald Trump vor anderen laufenden Kameras erklärt.
Amerika ist ein Land unbegrenzter Möglichkeiten.
Manchmal besteht die Möglichkeit hauptsächlich darin, dass das Mikrofon ein anderes Logo trägt.
Ronald Tramp erwartet deshalb ihren ersten großen Auftritt mit Spannung.
Die Studiolichter gehen an.
Der Moderator stellt eine kritische Frage.
Karoline holt Luft.
Für einen kurzen Moment denkt sie, sie sei wieder im Press Briefing Room.
Dann bemerkt sie:
Niemand ruft dazwischen.
Niemand verlangt eine Nachfrage.
Und am Ende gibt es sogar eine Werbepause.
Ronald Tramp kann daher nur gratulieren:
Karoline Leavitt hat das Weiße Haus verlassen, um mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen – und landet bei Fox News.
Immerhin ist der berufliche Umstieg denkbar sanft.
Sie muss nicht einmal ihre Trump-Vokabeln umlernen.
Nur der Parkplatz ist neu.

