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Ronald Tramp
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Ronald Tramp jagt Geisterteilchen im ewigen Eis

Grafik: Ronald Tramp und die Geister aus dem Weltall

Der Physik-Nobelpreis geht an den Pionier des IceCube-Observatoriums. Ronald Tramp entdeckt daraufhin kosmische Geister, wissenschaftliche Geduld und die perfekte Technologie zur Suche nach politischer Verantwortung.

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WASHINGTON / SÜDPOL – Meine Damen und Herren, Wissenschaftler, Pinguine und andere Wesen, die freiwillig bei Temperaturen arbeiten, bei denen selbst ein Kühlschrank einen Pullover anziehen würde: Die Physik hat wieder zugeschlagen.

Und diesmal geht es um Geister.

Nicht um die üblichen Geister aus Washington. Nicht um verschwundene Wahlversprechen, nicht um Haushaltsdisziplin oder plötzlich unsichtbare politische Überzeugungen. Nein. Um echte physikalische Geisterteilchen.

Sie heißen Neutrinos.

Fantastischer Name.

Klingt wie eine italienische Vorspeise für Menschen, die keine Kohlenhydrate essen dürfen.

„Einmal Neutrino mit Parmesan, bitte.“

Geht leider nicht. Das Ding ist schon durch den Teller geflogen.

Der Physik-Nobelpreis geht an den belgisch-amerikanischen Forscher Francis Halzen, einen Mann, der irgendwann offenbar auf eine gigantische Menge Eis am Südpol schaute und dachte:

„Da baue ich jetzt ein Teleskop hinein.“

Normale Menschen sehen dort Eis.

Vielleicht Schnee.

Vielleicht einen Pinguin.

Francis Halzen sah ein milliardenschweres astrophysikalisches Forschungsinstrument.

Genau deshalb bekommt er den Nobelpreis und wir anderen bekommen bestenfalls einen Strafzettel, wenn wir versuchen, wissenschaftliche Geräte in öffentlichen Grünanlagen zu vergraben.

Ich, Ronald Tramp – Spitzenreporter, Weltraumexperte nach ungefähr drei Dokumentationen und zertifizierter Besitzer eines Fernglases – habe mir diese Sache natürlich angesehen.

Das Observatorium heißt IceCube.

Meine Freunde: großartiger Name.

Andere Wissenschaftler nennen ihre Geräte „High Energy Astrophysical Detection Array XQ-47B“.

Amerikaner sagen:

EISWÜRFEL.

Ein Kubikkilometer davon.

Das ist kein Eiswürfel mehr.

Das ist ein Eisblock mit Haushaltsplan.

Tief im antarktischen Eis sitzen Sensoren und warten darauf, dass irgendwo im Universum ein Neutrino vorbeikommt.

Das muss man sich vorstellen.

Wissenschaftler verbringen Jahre damit, Teilchen aufzuspüren, die praktisch nichts wiegen, keine elektrische Ladung besitzen und sich mit Materie so wenig beschäftigen, als wäre Materie ein unangenehmes Gespräch auf einer Familienfeier.

Neutrinos fliegen einfach durch alles hindurch.

Durch Berge.

Durch Planeten.

Durch Häuser.

Durch Menschen.

Vermutlich auch durch Bundestagsausschüsse, ohne dass jemand einen Antrag auf Zutritt stellen muss.

Millionen, Milliarden, unglaubliche Mengen dieser kleinen kosmischen Eindringlinge schießen durch das Universum – und sie interessieren sich für unsere physikalischen Barrieren ungefähr so sehr wie ein sehr reicher Mann für die Bedienungsanleitung einer Steuersoftware.

Man nennt sie deshalb Geisterteilchen.

Und jetzt verstehen wir endlich, warum Wissenschaftler begeistert sind.

Denn Geister sind normalerweise wissenschaftlich äußerst unkooperativ.

Man stellt eine Kamera auf – nichts.

Man stellt ein Mikrofon hin – Heizungsrohr.

Man fragt: „Ist hier jemand?“ – Nachbar klopft gegen die Wand.

Aber Neutrinos?

Die sind echte Geister mit Forschungsnachweis.

Das Problem: Sie reagieren praktisch mit nichts.

Das ist naturwissenschaftlich faszinierend und politisch erschreckend vertraut.

Ich kenne Senatoren mit ähnlichen Eigenschaften.

Keine erkennbare Ladung.

Minimal messbare Substanz.

Kaum Wechselwirkung mit der normalen Realität.

Und trotzdem rasen sie mit enormer Geschwindigkeit durch wichtige Institutionen.

Vielleicht sollte man IceCube nach Washington verlegen.

Man könnte fantastische Entdeckungen machen.

Der Nobelpreisträger Halzen erkannte jedenfalls, dass das uralte Eis am Südpol hervorragend geeignet ist, gelegentliche Lichtsignale einzufangen, wenn eines dieser winzigen Teilchen doch einmal mit Materie kollidiert.

Das ist echte Geduld.

Andere Menschen aktualisieren nach sieben Sekunden nervös ihren Paketstatus.

Diese Forscher sagen:

„Vielleicht kommt irgendwann ein Teilchen aus einer mehrere Milliarden Lichtjahre entfernten kosmischen Katastrophe vorbei.“

Und dann warten sie.

Im Eis.

Jahrelang.

Amazon Prime hat die Menschheit auf diese Art Wissenschaft eindeutig nicht vorbereitet.

Besonders beeindruckend ist, woher die Neutrinos kommen können: aus extrem energiereichen Ereignissen tief im Universum.

Explodierende Sterne.

Schwarze Löcher.

Kosmische Teilchenbeschleuniger.

Dinge also, bei denen selbst Hollywood sagen würde:

„Vielleicht ein bisschen weniger Explosion.“

Diese Teilchen tragen Informationen aus Regionen zu uns, die wir anders kaum untersuchen können. Sie sind gewissermaßen die unbestechlichen Auslandskorrespondenten des Universums.

Keine Kamera.

Keine Pressekarte.

Kein Reisebudget.

Sie fliegen einfach Milliarden Jahre lang durch den Kosmos und treffen irgendwann am Südpol ein.

Dort wartet ein Wissenschaftler und sagt:

„Aha!“

Journalismus war noch nie effizienter.

Natürlich habe ich sofort vorgeschlagen, Ronald Tramp zum offiziellen Neutrino-Beauftragten der Vereinigten Staaten zu ernennen.

Meine Aufgabe wäre klar:

Pressekonferenzen mit unsichtbaren Teilchen.

„Mr. Neutrino, woher kommen Sie?“

Keine Antwort.

„Was wissen Sie über schwarze Löcher?“

Keine Antwort.

„War Ihre Reise ordnungsgemäß angemeldet?“

Neutrino bereits durch die Wand verschwunden.

Katastrophale Grenzkontrolle.

Diese Dinger kommen aus dem tiefsten Weltraum, passieren die gesamte Erde und reisen ohne Pass, Visum oder Gepäckkontrolle direkt weiter.

Wenn das bekannt wird, verlangt spätestens morgen jemand einen kosmischen Grenzzaun um den Planeten.

Sehr schwierig.

Sehr teuer.

Und Neutrinos würden trotzdem einfach durchfliegen.

Das dürfte die erste Mauer der Welt werden, bei der sogar die Physik sagt:

„Viel Glück.“

Und deshalb ist dieser Nobelpreis fantastisch.

Francis Halzen hat gezeigt, dass man selbst Teilchen beobachten kann, die scheinbar alles dafür tun, nicht beobachtet zu werden.

Eine bemerkenswerte Leistung.

Washington sollte aufmerksam zuhören.

Denn wenn IceCube tatsächlich Dinge sichtbar machen kann, die praktisch keine Masse besitzen, kaum mit ihrer Umgebung reagieren und sich ansonsten jeder Kontrolle entziehen, dann steht die nächste große wissenschaftliche Herausforderung bereits fest:

Man muss das Ding nur noch auf politische Verantwortung ausrichten.

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Tags: Physik Nobelpreis Neutrinos IceCube Geisterteilchen Südpol Francis Halzen
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