Ein gigantischer neuer Krater sorgt auf dem Mond für Ärger. Ronald Tramp fordert sofortige Reparatur – doch erst müssen Zuständigkeit, Verursacher und Mondbaulast geklärt werden.
Von Reporter Ronald Tramp – heute mit Warnweste, Zollstock und einer sehr ernsten Frage: Wer hat hier eigentlich die Verkehrssicherungspflicht?
Meine Freunde, ich habe schon viele Schlaglöcher gesehen.
Große Schlaglöcher. Tiefe Schlaglöcher. Schlaglöcher, bei denen man morgens hineinfährt und erst nach dem Mittagessen wieder herauskommt. Ich kenne Straßen, da ist der Asphalt inzwischen nur noch das Verpackungsmaterial für die Schlaglöcher.
Aber was ich heute gesehen habe, schlägt alles.
Der Mond hat ein Schlagloch.
Und zwar kein kleines.
Nein!
Ein gigantisches kosmisches Loch. Ein Krater. Ein Monsterloch. Ein Loch, bei dem jeder deutsche Tiefbauamtsleiter sofort instinktiv einen Aktenordner aufschlagen und sagen würde:
„Dafür sind wir nicht zuständig.“
Wissenschaftler haben festgestellt, dass auf dem Mond vor einiger Zeit ein Asteroiden- oder Kometenfragment eingeschlagen ist. Das Ergebnis: ein gewaltiger neuer Krater.
Ich, Ronald Tramp, habe deshalb sofort reagiert.
Warnweste an.
Zollstock raus.
Klemmbrett unter den Arm.
Und ab zur Baustellenkontrolle.
Natürlich erreichte mich bereits während des Anflugs die erste erschütternde Nachricht:
Es gibt offenbar kein zuständiges Straßenbauamt für den Mond.
Unglaublich.
Wir können Menschen ins All schicken. Wir können Satelliten bauen. Wir können Gestein analysieren, Daten übertragen und Raumsonden über fremde Himmelskörper jagen.
Aber wenn auf dem Mond ein Schlagloch entsteht, weiß plötzlich niemand, wer den Bauhof anrufen soll.
Typisch Verwaltung.
Ich fragte bei der NASA nach.
„Wer repariert das Loch?“
Antwort sinngemäß:
„Das ist ein Krater.“
Falsch.
Das ist genau die Haltung, wegen der Infrastruktur verfällt.
Heute nennen wir es Krater.
Morgen fehlt die Fahrbahnmarkierung.
Übermorgen steht da eine Absperrbake und niemand weiß mehr, wann sie aufgestellt wurde.
Ich verlangte deshalb unverzüglich eine ordnungsgemäße Schadensaufnahme.
Zunächst muss geklärt werden:
Wem gehört der Mond?
Wer ist Baulastträger?
War der Meteorit zugelassen?
Gab es eine Einschlaggenehmigung?
Wurde vor Beginn der Arbeiten eine Kampfmittelsondierung durchgeführt?
Und ganz wichtig:
Lag ein gültiger Aufbruchschein vor?
Meine Experten sagen: vermutlich nein.
Katastrophe.
Besonders problematisch ist der Verursacher.
Der Asteroid ist offenbar weitergeflogen beziehungsweise beim Einschlag nicht für eine Personalienfeststellung stehen geblieben.
Klassische Fahrerflucht.
Kosmische Unfallflucht!
Jemand beschädigt öffentlich zugängliche Mondoberfläche und entfernt sich anschließend vom Ereignisort.
Wo ist die Polizei?
Wo ist die Versicherung?
Wo ist das Kennzeichen?
Niemand weiß etwas.
Ich habe deshalb vorgeschlagen, den gesamten Mond vorläufig mit rot-weißem Flatterband abzusperren.
Sicherheit zuerst.
Es könnte schließlich jemand hineinfallen.
Astronauten.
Mondfahrzeuge.
Vielleicht irgendwann ein ahnungsloser Tourist mit Wohnmobil.
Und dann heißt es wieder:
„Damit konnte niemand rechnen.“
Doch!
Ronald konnte.
Ich fordere außerdem ein vollständiges Mondstaubgutachten.
Denn bevor irgendjemand das Loch verfüllt, muss geklärt werden, ob der vorhandene Untergrund tragfähig ist.
Vielleicht brauchen wir Frostschutzkies.
Vielleicht Asphalt.
Vielleicht Beton.
Vielleicht eine europaweite Ausschreibung.
Wahrscheinlich dauert das dann so lange, dass der nächste Asteroid einschlägt, bevor der erste Vergabevermerk unterschrieben wurde.
Das wäre immerhin effizient.
Man könnte beide Krater gemeinsam ausschreiben.
Los 1: Schlagloch Nord.
Los 2: Schlagloch Süd.
Optional: Winterdienst Mare Tranquillitatis.
Natürlich darf auch die Bürgerbeteiligung nicht fehlen.
Ich sehe die erste Mond-Anwohnerversammlung bereits vor mir.
Ein Bürger:
„Ich bin grundsätzlich nicht gegen die Sanierung, aber muss die Baustraße direkt an meinem Grundstück vorbeiführen?“
Ein anderer:
„Ich fordere mehr Bäume.“
Auf dem Mond.
Fantastisch.
Danach wird ein Gutachter erklären, dass zunächst untersucht werden müsse, ob durch die Reparatur seltene Mondstaubmilben beeinträchtigt werden.
Und spätestens dann bekommen wir einen Baustopp.
Meine Freunde, das Problem ist nicht das Loch.
Das Problem ist das Verfahren.
Der Krater entstand in einem einzigen Moment.
Die Sanierung hingegen könnte Jahrzehnte dauern.
Das ist Verwaltungsphysik.
Je kleiner die Zuständigkeit, desto größer die Akte.
Ich habe deshalb bereits meinen eigenen Maßnahmenplan vorgelegt:
Warnbake.
Absperrung.
Baustellenschild.
Drei Besprechungen.
Elf Prüfvermerke.
Und irgendwann vielleicht ein Eimer Schotter.
Denn eines muss klar sein:
Der Mond darf kein rechtsfreier Raum für Schlaglöcher werden.
Heute ein Krater.
Morgen Tempo 30.
Übermorgen Anwohnerparken.
Und ehe wir uns versehen, braucht man für den Sea of Tranquility eine Umweltplakette.
Ich bleibe dran.
Ronald Tramp.
Investigativ.
Unerschrocken.
Und mit einem Zollstock, der selbstverständlich nicht lang genug ist.

