Das Pentagon möchte den Lügendetektor mit KI aufrüsten. Ronald Tramp sieht schon die Zukunft: Jede Pore wird zum Zeugen, jeder nervöse Bewerber zum spannenden Datensatz.
Ich habe eine Nachricht aus dem Pentagon erhalten, und sie ist gewaltig. Dort soll der gute alte Lügendetektor künstliche Intelligenz bekommen. „Polygraph Next“ heißt das Vorhaben. Ein großartiger Name! Klingt wie ein Fitnessstudio für Menschen, die beim Satz „Ich habe nichts zu verbergen“ plötzlich sehr viel zu verbergen haben.
Laut Haushaltsentwurf will die zuständige US-Behörde ihre Polygraphentechnik modernisieren. Geplant sind unter anderem neue Sensoren und Datenanalysen; die Mittel dafür sind noch Gegenstand des Haushaltsverfahrens.
Ich, Ronald Tramp, halte das für den Beginn einer neuen Ära. Früher musste ein Prüfer jemanden verkabeln und fragen: „Haben Sie geheime Unterlagen weitergegeben?“ Heute könnte eine Kamera aus der Ferne feststellen, dass die betreffende Person beim Wort „Unterlagen“ zweimal geblinzelt hat. Zweimal! Beim Pentagon genügt so etwas womöglich schon für eine Besprechung mit drei Vorgesetzten und einem sehr ernsten Drucker.
Dabei hat der klassische Polygraph ein winziges Problem: Er misst körperliche Reaktionen, keine Lügen. Puls, Atmung, Schweiß – alles interessante Daten. Dieselben Werte liefert allerdings auch ein Mensch, der gerade merkt, dass er seine Steuererklärung falsch abgeheftet hat. Oder jemand, dem ein Regierungsmitarbeiter mit ernster Miene sagt: „Diese Befragung ist vollkommen entspannt.“ Da schwitze sogar ich. Und ich bin ein Mann, der schon Pressekonferenzen überlebt hat.
Nun soll KI die Sache retten. Die bekommt alte Prüfdaten und sucht nach Mustern. Eine fantastische Idee, sofern man weiß, welche der früheren Verdächtigen tatsächlich gelogen haben. Genau daran gibt es laut den im Bericht zitierten Forschern Zweifel. Wenn die Ausgangsdaten Irrtümer enthalten, lernt die Maschine womöglich vor allem, Irrtümer schneller und mit hübscherer Grafik zu wiederholen.
Ich sehe die Vorführung bereits vor mir.
„Die Testperson wirkt nervös“, meldet der Bildschirm.
„Warum?“
„Er sitzt in einem fensterlosen Raum und wird gefragt, ob er ein Sicherheitsrisiko ist.“
„Beeindruckend. Die KI erkennt alles!“
Noch besser gefällt mir die kontaktlose Messung. Man muss die Menschen nicht einmal mehr an Kabel anschließen, um aus ihrer Stirntemperatur eine Geschichte zu machen. Ein warmer Kopf? Verdächtig. Ein kalter Kopf? Unnatürlich ruhig. Normale Temperatur? Offensichtlich sorgfältig vorbereitet. Die Poren können sich auf harte Zeiten einstellen: Endlich bekommen sie eine eigene Akte.
Besonders gespannt bin ich auf den ersten Test bei einer politischen Pressekonferenz. Die Kamera erfasst erhöhte Herzfrequenz, hektische Kopfbewegungen und eine bemerkenswerte Veränderung der Gesichtstemperatur. Dann sagt der Redner: „Dieses System ist absolut zuverlässig.“ Der Rechner denkt kurz nach, zeigt einen Ladebalken und beantragt Urlaub.
Meine Empfehlung an das Pentagon ist deshalb einfach: Stellen Sie den neuen Polygraphen zunächst vor einen Spiegel. Fragen Sie ihn: „Kannst du Lügen sicher erkennen?“ Wenn er „Ja“ sagt, haben Sie zumindest Ihren ersten interessanten Fall.

