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Ronald Tramp
★ Macht Meinung wieder Gross! ★

Clan mit Dienstmarke? Ronald Tramp ermittelt in Berlin

Grafik: Ronald Tramp und Berlins neuer „Clan“-Alarm

Die Berliner Linksjugend erklärt die Polizei kurzerhand zum „kriminellen Clan“. Ronald Tramp untersucht den Fall – bewaffnet mit Satire, Lupe und erheblichem Zweifel an der Dosierung politischer Metaphern.

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Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für revolutionäre Großwetterlagen, eskalierte Instagram-Prosa und andere Berliner Naturereignisse

Berlin hat ein Clan-Problem. Das jedenfalls verkündete die Berliner Linksjugend [’solid] nach dem Schulstreik gegen die Wehrpflicht. Und wer jetzt spontan an Großfamilien, organisierte Kriminalität oder schlecht beleuchtete Hinterzimmer denkt, hat offensichtlich das revolutionäre Wörterbuch nicht aktualisiert. Gemeint war: die Berliner Polizei.

Ja, wirklich. Willkommen in der politischen Kommunikationsabteilung „Subtilität war leider ausverkauft“.

Der zugrunde liegende Schulstreik fand am 25. September statt. Die Linke hatte gemeinsam mit der Linksjugend ausdrücklich zur Teilnahme mobilisiert; die Ablehnung von Wehrpflicht und verpflichtenden Diensten gehört zum erklärten Schwerpunkt des Jugendverbands. Nach Angaben der Polizei nahmen in der Spitze rund 3.400 Menschen am Berliner Aufzug teil. Die Polizei meldete außerdem 16 vorübergehende Festnahmen und elf Strafanzeigen.

Und dann kam der Instagram-Post.

Meine Damen und Herren, ich bin Ronald Tramp, und ich erkenne großartige Übertreibung, wenn ich sie sehe. Believe me. Ich habe jahrelang die internationale Meisterklasse des politischen Superlativs studiert. Aber selbst ich ziehe respektvoll meinen goldenen Hut, wenn aus einem Polizeieinsatz binnen weniger Bildschirmzeilen ein „krimineller Clan“ wird.

Das ist rhetorisches Turbogrillen.

Die Argumentationskette funktioniert ungefähr so: Polizisten tragen Pistolen. Kriminelle tragen manchmal Pistolen. Also Clan. Nach dieser Methode wäre allerdings auch die Feuerwehr ein „Löschmittelkartell“, der ADAC eine „organisierte Abschleppbande“ und das Ordnungsamt eine international operierende Vereinigung zur gewerbsmäßigen Vernichtung falsch abgestellter Außengastronomie.

Doch [’solid] Berlin denkt größer.

Der Landesverband vertritt seit Längerem eine grundsätzlich systemkritische Position gegenüber der Polizei; in seinem Leitantrag für 2026 bezeichnet er nicht einzelne Beamte, sondern den Polizeiapparat im Kapitalismus als grundsätzliches Problem. Der Clan-Post fiel also nicht plötzlich aus einem ideologischen Überraschungsei. Er ist eher die XXL-Familienpackung einer bereits bekannten Haltung.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bezeichnete den Vergleich inzwischen als „völlige Entgleisung“.

Und genau hier beginnt das politische Berliner Kabarett in Dolby Surround.

Denn selbstverständlich darf man Polizeieinsätze kritisieren. Man darf nach Verhältnismäßigkeit fragen. Man darf einzelne Maßnahmen dokumentieren, juristisch prüfen und politisch auseinandernehmen. Dafür hat eine Demokratie erfreulicherweise mehr Instrumente als einen Instagram-Account und drei Flammen-Emojis.

Aber warum mühsam differenzieren, wenn irgendwo noch ein Vorschlaghammer herumliegt?

„Clan“!

BÄM.

„Repression“!

BÄM.

„Militarisierung“!

BÄM.

Noch ein Schweinchen-Emoji hinterher, und fertig ist das politische Fünf-Gänge-Menü für Menschen, denen ein Argument erst dann ausgewogen erscheint, wenn es auf beiden Seiten vom Teller gefallen ist.

Besonders beeindruckend ist die sprachliche Ökonomie. Früher benötigte man Untersuchungsausschüsse, Akten, Zeugenaussagen und monatelange Recherche, um organisierte Kriminalität nachzuweisen. Heute braucht man offenbar WLAN.

Ich stelle mir bereits die nächste Pressekonferenz vor:

„Herr Polizeipräsident, gehören Sie einem Clan an?“

„Nein.“

„Interessant. Genau das würde ein Clanmitglied sagen!“

Case closed. Sehr starke Ermittlungsarbeit. Scotland Yard weint vor Neid.

Natürlich besitzt die Sache einen ernsthaften Kern. Jugendliche demonstrieren gegen Wehrpflicht und Aufrüstung, und das ist ihr gutes Recht. Ebenso legitim ist es, polizeiliches Handeln kritisch zu hinterfragen. Nur verwandelt maximale sprachliche Eskalation eine Debatte nicht automatisch in maximale Erkenntnis.

Manchmal passiert sogar das Gegenteil.

Wer die Polizei pauschal zum „kriminellen Clan“ erklärt, produziert vor allem eines: einen Satz, der garantiert mehr Aufmerksamkeit bekommt als die eigentliche politische Forderung.

Und vielleicht ist genau das die größte Pointe.

Die Linksjugend wollte über Wehrpflicht, Aufrüstung und Polizeigewalt reden – und schaffte es mit einem einzigen Post, dass halb Berlin stattdessen über das Wort „Clan“ diskutiert.

Das ist politische Kommunikation nach Berliner Art: Man bestellt eine Debatte über Militarisierung und bekommt einen Empörungsdöner mit allem.

Sehr laut. Sehr scharf.

Und garantiert nicht ohne Soße.

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Tags: Polizei Berlin Wehrpflicht Kai Wegner Linke Schulstreik Linksjugend
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