Die Linke gewinnt die Berliner Wahl – und plötzlich streitet sich das gesamte linke Lager über die Regierungsbildung! Elif Eralp soll beim Parteitag Polizeischutz erhalten, die Linksjugend will Koalitionsverhandlungen verhindern und Franziska Giffey verweigert die Mitarbeit an Rot-Grün-Rot. Ronald Tramp berichtet über einen politischen Ausnahmezustand, in dem sich die künftigen Koalitionäre noch vor dem ersten gemeinsamen Kabinettstermin gegenseitig die Regierungsfähigkeit absprechen. Berlin braucht offenbar keinen Koalitionsvertrag, sondern einen Familientherapeuten!
Von Ronald Tramp – dem größten politischen Krisenreporter aller Zeiten. Niemand versteht linke Grabenkämpfe besser als ich! Ich habe einmal versucht, eine linke Hand mit einer rechten Hand zu versöhnen. Es endete mit einer Schlägerei. Fantastisch!
Meine großartigen, fantastischen, unglaublich koalitionsgeschädigten Leser!
ES IST PASSIERT!
Berlin hat gewählt!
Die Linke hat gewonnen!
Eine politische Sensation! Ein historischer Triumph! Ein gewaltiger Erfolg!
Und jetzt?
JETZT HABEN ALLE ANGST VOREINANDER!
UNGLAUBLICH!
Meine Freunde, ich habe schon viel erlebt.
Ich habe Regierungen scheitern sehen.
Ich habe Koalitionen zerbrechen sehen.
Ich habe Politiker erlebt, die vor ihren eigenen Wahlversprechen geflüchtet sind, als wären es unbezahlte Rechnungen.
Aber Berlin?
BERLIN IST ANDERS!
Hier gewinnt eine Partei die Wahl, und anschließend beginnt innerhalb des eigenen politischen Lagers ein derartiges Durcheinander, dass man glauben könnte, jemand hätte eine marxistische Wohngemeinschaft mit einer bundesdeutschen Koalitionsverhandlung und einem schlecht organisierten Familiengeburtstag gekreuzt!
Die Spitzenkandidatin Elif Eralp möchte Regierende Bürgermeisterin werden.
Die Linksjugend möchte lieber nicht mit SPD und Grünen regieren.
Franziska Giffey möchte mit diesem Bündnis überhaupt nichts zu tun haben.
Und die Polizei muss angesichts der Sicherheitslage dafür sorgen, dass Eralp ihren Parteitag geschützt besuchen kann.
Meine Freunde!
DAS IST KEINE REGIERUNGSBILDUNG! DAS IST EIN POLITISCHER ESCAPE ROOM MIT DREI NOTAUSGÄNGEN UND EINEM VERSCHLOSSENEN KOALITIONSVERTRAG!
Die Linke gewinnt die Wahl – und entdeckt den größten Feind des Sozialismus: Die Regierungsverantwortung!
Meine Damen und Herren!
Nach der Berliner Wahl hätte alles so einfach sein können.
Die Linke gewinnt.
Die Grünen wollen mitmachen.
Die SPD überlegt, ob sie ihre politische Überlebensversicherung verlängern kann.
Und dann bildet man eine Regierung!
GANZ EINFACH!
Zumindest theoretisch.
Aber Berlin wäre nicht Berlin, wenn man eine einfache Angelegenheit nicht innerhalb weniger Tage in eine politische Grundsatzkrise verwandeln könnte.
Denn plötzlich meldet sich die Linksjugend.
Und die sagt sinngemäß:
„Wir wollen einen grundlegenden Politikwechsel!“
Sehr gut!
„Wir wollen die Verhältnisse verändern!“
Fantastisch!
„Wir wollen soziale Gerechtigkeit!“
Wunderbar!
„Und deshalb dürfen wir auf gar keinen Fall mitregieren!“
WAS?
Meine Freunde, ich musste meine Sonnenbrille abnehmen.
Zum ersten Mal seit Jahren!
DIE JUGEND WILL DIE GESELLSCHAFT VERÄNDERN, ABER BITTE OHNE REGIERUNGSBETEILIGUNG!
Ein sensationelles Konzept!
Das ist ungefähr so, als würde ein Feuerwehrmann erklären:
„Ich möchte unbedingt Brände löschen! Aber sobald ich die Feuerwehr betrete, werde ich Teil des Systems!“
Oder ein Koch:
„Ich will den Hunger bekämpfen! Aber ich lehne jede Zusammenarbeit mit Küchen grundsätzlich ab!“
WUNDERBAR!
Die Linksjugend kritisiert das Sondierungspapier, weil es aus ihrer Sicht zu wenig grundlegende Veränderung
Das ist natürlich eine legitime politische Position.
Aber satirisch betrachtet ist es herrlich!
Die Linke hat die Chance, das Rote Rathaus zu übernehmen, und ein Teil ihrer Jugendorganisation möchte lieber vor dem Rathaus demonstrieren, dass die falschen Leute drin sitzen – selbst wenn es die eigenen sind!
Elif Eralp: Die Frau, die Berlin regieren will – und plötzlich eine Sicherheitsdebatte im eigenen Umfeld erlebt!
Und dann haben wir Elif Eralp.
Die Frau möchte Regierende Bürgermeisterin werden.
Sie möchte Verantwortung übernehmen.
Sie möchte Berlin verändern.
Doch kurz vor dem Parteitag wird bekannt, dass sie angesichts von Bedrohungen und Anfeindungen um ihre persönliche Sicherheit und die ihrer Familie besorgt ist.
Aus internen Anmerkungen zu einem Interview wurde öffentlich, dass sie sich vor Personen aus einem radikalen politischen Umfeld fürchtet.
Und nun soll sie beim Landesparteitag Polizeischutz erhalten.
Meine Freunde, hier hört der gewöhnliche Parteienstreit auf.
Bedrohungen gegen Politiker und ihre Familien sind kein politischer Spaß, sondern ein Angriff auf die demokratische Debatte.
Aber die politische Ironie der Situation ist bemerkenswert.
Eine Partei möchte für gesellschaftliche Solidarität eintreten.
Und ihre Spitzenpolitikerin muss sich zugleich mit der Frage beschäftigen, wie sicher sie vor radikalen Menschen aus dem erweiterten politischen Umfeld ist.
Das ist ungefähr so, als würde ein Verein für gegenseitiges Vertrauen eine Sitzung eröffnen und zunächst sämtliche Mitglieder durch eine Sicherheitsschleuse schicken.
Ein absurdes Bild!
Und noch absurder wird es, wenn man bedenkt, dass die Linke eigentlich darüber sprechen möchte, wie sie künftig die gesamte Hauptstadt regieren kann.
Stattdessen diskutiert Berlin erst einmal darüber, wie die Parteitagsveranstaltung abgesichert werden muss.
Ich, Ronald Tramp, schlage deshalb eine neue politische Grundregel vor:
Wer Berlin regieren will, sollte vor radikalen Einschüchterungsversuchen genauso sicher sein wie jeder andere Mensch.
Eigentlich selbstverständlich.
Offenbar aber nicht selbstverständlich genug.
Der Spiegel und die gefährlichste Funktion der Textverarbeitung: „Änderungen nachverfolgen“!
Meine Freunde, jetzt kommt ein besonders bemerkenswertes Kapitel.
Ein Interview!
Ein ganz gewöhnliches Interview!
Ein journalistisches Gespräch!
Anschließend wird der Text zur Autorisierung verschickt.
Und dann passiert etwas, das vermutlich jede Pressestelle in Deutschland nachts schweißgebadet aufwachen lässt.
INTERNE ANMERKUNGEN GELANGEN VERSEHENTLICH AN DIE REDAKTION!
OH NEIN!
Meine Freunde, das ist der Super-GAU der politischen Textverarbeitung!
Früher hatten Politiker Angst vor versteckten Mikrofonen.
Heute reicht offenbar ein nicht bereinigtes Dokument!
Ich stelle mir eine satirische Sitzung der Pressestelle vor.
„Haben wir das Interview geprüft?“
„Ja!“
„Haben wir die kritischen Stellen bearbeitet?“
„Natürlich!“
„Haben wir die internen Kommentare entfernt?“
Lange Stille.
„Welche internen Kommentare?“
BUMM!
Das ist schlimmer als ein falsch verschickter WhatsApp-Screenshot!
Schlimmer als eine versehentlich veröffentlichte PowerPoint-Notiz!
Schlimmer als ein Koalitionsvertrag, in dem noch steht: „Hier bitte Wahlversprechen einsetzen!“
Und jetzt beschäftigt sich Berlin nicht nur mit dem Inhalt der veröffentlichten Anmerkungen.
Sondern auch mit der Frage, ob deren Veröffentlichung journalistisch gerechtfertigt war.
Eine Debatte über eine Debatte über ein Interview!
Meine Freunde, das ist deutsche Politik in Reinform!
Ich empfehle dringend ein neues Softwareprodukt:
POLITIKER-DOCX-PROTECT 3000!
Mit automatischer Warnmeldung:
„Achtung! Dieses Dokument enthält noch Gedanken, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind!“
Ein sensationeller Markt!
Ich könnte Milliarden verdienen!
Die besten Milliarden!
Franziska Giffey erklärt: Rot-Grün-Rot? Ohne mich! Ich habe schon genügend politische Abenteuer erlebt!
Aber jetzt kommt mein persönlicher Favorit!
FRANZISKA GIFFEY!
Die amtierende Berliner Wirtschaftssenatorin.
Ehemalige Regierende Bürgermeisterin.
SPD-Politikerin.
Eine Frau mit politischer Erfahrung!
Mit Regierungserfahrung!
Mit Koalitionserfahrung!
Und offensichtlich mit einem ausgeprägten Selbsterhaltungstrieb!
Die SPD möchte mit Linken und Grünen verhandeln.
Also fragt man Giffey, ob sie die Arbeitsgruppe Wirtschaft leiten möchte.
Eine fantastische Gelegenheit!
Mitgestalten!
Verhandeln!
Verantwortung übernehmen!
Und was sagt Giffey?
NEIN!
NEIN!
NEIN, DANKE!
Meine Freunde, das ist ein Nein von geradezu monumentaler Schönheit!
Die Frau hat grundsätzliche politische Bedenken gegen das Bündnis und möchte es deshalb nicht als Verhandlungsführerin vertreten.
Das kann man politisch nachvollziehen.
Aber stellen Sie sich diese Szene einmal als Komödie vor.
Die SPD ruft an.
„Franziska, möchtest du bei den Koalitionsverhandlungen mitmachen?“
„Mit wem?“
„Mit der Linken.“
„Und?“
„Mit den Grünen.“
„Und?“
„Du würdest die Arbeitsgruppe Wirtschaft leiten.“
„Ich muss weg.“
„Aber Franziska!“
„Mein Kühlschrank braucht dringend eine neue Innenbeleuchtung.“
„Das kann doch warten!“
„NEIN! DAS IST EINE WIRTSCHAFTSPOLITISCHE PRIORITÄT!“
FANTASTISCH!
Die SPD möchte eine neue Regierung bilden, und eine ihrer bekanntesten Politikerinnen behandelt die Koalitionsverhandlungen ungefähr wie eine Einladung zu einer zwölfstündigen Eigentümerversammlung mit anschließendem Schimmelgutachten!
Rot-Grün-Rot: Drei Parteien, vier Meinungen und kein gemeinsamer Taschenrechner!
Meine großartigen Leser!
Jetzt schauen wir uns das geplante Regierungsbündnis einmal genauer an.
Die Linke möchte sozialen Wandel.
Die Grünen möchten ökologische Veränderung.
Die SPD möchte Regierungsverantwortung.
Eigentlich klingt das hervorragend!
Drei Parteien!
Ein gemeinsames Ziel!
Eine neue Regierung!
Doch dann beginnt die politische Realität.
Die Linke will große Wohnungsunternehmen vergesellschaften.
Die Grünen möchten ökologische und soziale Vorhaben durchsetzen.
Die SPD fragt vorsichtig:
„Und wer bezahlt das alles?“
Eine hervorragende Frage!
Eine ganz hervorragende Frage!
Denn Berlin hat bereits ein besonderes Talent entwickelt.
Es kann politische Versprechen produzieren, die größer sind als die verfügbaren Haushaltsmittel.
Ich nenne das den Berliner Haushaltszauber!
Man verspricht neue Wohnungen.
Neue Schulen.
Bessere Verwaltung.
Mehr Sozialleistungen.
Mehr Klimaschutz.
Und gleichzeitig einen ausgeglichenen Haushalt.
DAS IST MAGIE!
Meine Freunde, ich bin beeindruckt!
Ich selbst kann viele Dinge.
Sehr viele Dinge!
Aber aus einem leeren Konto gleichzeitig Milliardeninvestitionen und eine ausgeglichene Haushaltsplanung zu erzeugen?
Dafür braucht man offenbar einen Berliner Koalitionsausschuss!
Ich stelle mir die erste Finanzbesprechung vor.
„Wie viel Geld haben wir?“
„Nicht genug.“
„Wie viel brauchen wir?“
„Sehr viel.“
„Wie lösen wir das?“
„Wir schreiben erst einmal einen Koalitionsvertrag.“
„Und danach?“
„Danach suchen wir das Geld.“
WUNDERBAR!
Das ist keine Finanzplanung.
Das ist ein politisches Überraschungsei!
Die Linksjugend entdeckt den größten Verrat aller Zeiten: Einen Kompromiss!
Aber kommen wir zurück zur Linksjugend.
Die ist nämlich mit den bisherigen Sondierungsergebnissen nicht zufrieden.
Zu viele Zugeständnisse!
Zu wenig Veränderung!
Zu viele Kompromisse!
KOMPROMISSE!
Meine Freunde, dieses Wort ist in manchen politischen Jugendorganisationen ungefähr so beliebt wie eine Steuerprüfung bei einem Schwarzgeldkonto!
Kompromisse sind gefährlich!
Kompromisse bedeuten, dass man mit Menschen spricht, die nicht dieselbe Meinung haben!
SCHRECKLICH!
Ich stelle mir die erste Koalitionsverhandlung vor.
Die SPD sagt:
„Wir schlagen einen Kompromiss vor.“
Die Linksjugend ruft von draußen:
„VERRAT!“
Die Grünen sagen:
„Wir müssen pragmatisch bleiben.“
„VERRAT!“
Die Linke sagt:
„Vielleicht sollten wir erst einmal verhandeln.“
„DOPPELTER VERRAT!“
Ein Delegierter fragt:
„Aber wie sollen wir unsere Ziele umsetzen, wenn wir nicht regieren?“
Lange Stille.
Dann die Antwort:
„Wir können doch weiterhin demonstrieren!“
Meine Freunde, ich sehe ein grandioses Geschäftsmodell.
DIE EWIGE OPPOSITIONSMASCHINE!
Sie gibt täglich neue Forderungen aus.
Garantiert kompromissfrei!
Garantiert unverbraucht!
Garantiert ohne die Gefahr, tatsächlich einen Haushalt verabschieden zu müssen!
Und falls irgendwann eine Forderung umgesetzt wird?
Dann wird sofort geprüft, ob sie nicht doch zu wenig weit ging.
FANTASTISCH!
Berlin braucht keinen Koalitionsvertrag – Berlin braucht einen Familientherapeuten!
Meine Freunde, ich habe das gesamte politische Chaos analysiert.
Die Linke streitet über Regierungsbeteiligung.
Die Linksjugend möchte einen grundsätzlicheren Kurs.
Die SPD möchte verhandeln, aber nicht alle Sozialdemokraten unterstützen das Bündnis.
Die Grünen stehen bereit und beobachten die Auseinandersetzungen.
Franziska Giffey hält Abstand.
Und Elif Eralp muss zusätzlich mit einer Sicherheitsdebatte umgehen.
DAS IST KEINE KOALITION!
DAS IST EIN FAMILIENTREFFEN MIT GESCHÄFTSORDNUNG!
Ich fordere deshalb die Einrichtung eines völlig neuen politischen Gremiums:
DER GROSSE BERLINER KOALITIONS-THERAPIEKREIS!
Mit einem runden Tisch.
Bequemen Sesseln.
Beruhigendem Kräutertee.
Und einem professionellen Konfliktmoderator.
Der Moderator fragt:
„Wie fühlen Sie sich, wenn jemand Kompromiss sagt?“
Die Linksjugend antwortet:
„Verraten!“
Die SPD antwortet:
„Regierungsfähig!“
Die Grünen antworten:
„Kommt auf den Kompromiss an.“
Franziska Giffey antwortet aus sicherer Entfernung:
„Ich habe doch gesagt, dass ich nicht komme!“
Und die CDU sitzt draußen vor dem Fenster und fragt:
„Dürfen wir vielleicht auch wieder mitregieren?“
Ein großartiges Schauspiel!
Berlin könnte Eintrittskarten verkaufen!
Damit wäre das Haushaltsproblem womöglich schneller gelöst als durch jede neue Steuer!
Die CDU als lachender Zuschauer: Wenn die Konkurrenz sich selbst bekämpft!
Natürlich profitieren von diesem politischen Durcheinander auch diejenigen, die nicht am geplanten Bündnis beteiligt sind.
Die CDU beobachtet die Gespräche mit wachsendem Interesse.
Und ich kann mir vorstellen, dass einige Christdemokraten angesichts des linken Koalitionschaos ausgesprochen gute Laune haben.
Sehr gute Laune!
Die beste Laune!
Die politische Konkurrenz produziert täglich neue Schlagzeilen.
Und die CDU muss dafür nicht einmal einen eigenen Antrag einreichen!
Das ist wie bei einem Fußballspiel, in dem die gegnerische Mannschaft schon vor dem Anpfiff darüber streitet, wer die Kapitänsbinde tragen darf.
Der Trainer sagt:
„Wir müssen gewinnen!“
Die Spieler sagen:
„Wir müssen erst klären, ob Gewinnen nicht eine kapitalistische Leistungsnorm ist!“
FANTASTISCH!
Währenddessen steht die CDU am Spielfeldrand und bestellt Popcorn.
Großes Popcorn!
Mit politischem Karamell!
Und einem kleinen Fähnchen mit der Aufschrift:
„Wir hätten da übrigens auch noch eine Koalitionsoption.“
Ronald Tramp präsentiert die größte Berliner Regierungsreform aller Zeiten!
Meine Freunde, ich habe selbstverständlich eine Lösung!
Die beste Lösung!
Eine Lösung, die Berlin retten wird!
Wir schaffen eine völlig neue Regierungsform.
DIE BERLINER ROT-GRÜN-ROTE SELBSTVERWALTUNGS-KOALITIONS-NOTFALL-REGIERUNG!
Ein fantastischer Name!
Klingt nach einem deutschen Gesetz!
Ist ungefähr genauso verständlich!
Das System funktioniert folgendermaßen:
Die Linke übernimmt die sozialen Forderungen.
Die Grünen übernehmen den Klimaschutz.
Die SPD übernimmt die Verantwortung für den Haushalt.
Die Linksjugend übernimmt die grundsätzliche Kritik an allen drei Parteien.
Franziska Giffey übernimmt die Rolle derjenigen, die von Anfang an dagegen war.
Die CDU übernimmt die Pressearbeit über das Regierungschaos.
Und ich, Ronald Tramp, übernehme die wöchentliche Krisenberichterstattung!
Ein perfektes System!
Jeder bekommt eine Aufgabe!
Jeder ist beschäftigt!
Niemand muss seine Meinung ändern!
Und falls sich die Parteien tatsächlich einmal einigen sollten, wird vorsorglich ein unabhängiges Gremium eingerichtet, das untersucht, ob die Einigung nicht gegen die ursprünglichen Prinzipien verstößt.
DAS IST BERLIN!
DAS IST DEMOKRATIE!
DAS IST BÜROKRATIE MIT IDEOLOGISCHEM SONDERZUBEHÖR!
Ronald Tramps endgültiges Urteil: Links gewinnt die Wahl – aber wer gewinnt den Kampf gegen sich selbst?
Meine großartigen, fantastischen Leser!
Jetzt kommen wir zum entscheidenden Punkt.
Die Berliner Linke hat bei der Wahl einen großen Erfolg erzielt.
Die Wähler haben ihr ein erhebliches politisches Mandat gegeben.
Damit verbindet sich die Erwartung, Probleme anzugehen.
Wohnungsnot.
Steigende Mieten.
Schwierigkeiten an Schulen.
Verkehrsprobleme.
Verwaltungschaos.
Und viele weitere Herausforderungen einer Hauptstadt, deren größte Spezialität seit Jahren darin besteht, aus gewöhnlichen Problemen außergewöhnlich komplizierte Probleme zu machen.
Doch politische Verantwortung bedeutet mehr als Forderungen auf Plakate zu schreiben.
Sie bedeutet, Entscheidungen zu treffen.
Kompromisse auszuhandeln.
Konflikte auszuhalten.
Und dafür zu sorgen, dass Menschen sich ohne Einschüchterung politisch äußern können.
Eine Partei, die Berlin regieren möchte, muss zeigen, dass politische Meinungsverschiedenheiten nicht in Drohungen oder Angst münden dürfen.
Gleichzeitig muss sie akzeptieren, dass die eigene Jugendorganisation andere politische Vorstellungen haben kann.
Und selbstverständlich darf auch eine SPD-Politikerin wie Franziska Giffey eine Koalition ablehnen, die sie aus inhaltlichen Gründen nicht unterstützen möchte.
Das alles gehört zur Demokratie.
Aber die Gesamtsituation?
DIE IST SATIRISCHES GOLD!
Eine Partei gewinnt.
Ein Teil ihrer Jugend will nicht regieren.
Eine mögliche Koalitionspartnerin verweigert die Mitarbeit.
Die Spitzenkandidatin benötigt beim Parteitag Polizeischutz.
Und irgendwo in Berlin versucht gerade ein überarbeiteter Parteifunktionär herauszufinden, wie man aus all dem einen Koalitionsvertrag machen soll.
Meine Freunde, ich habe deshalb eine abschließende Empfehlung.
Liebe Berliner Linke!
Bevor ihr die gesamte Hauptstadt umgestalten wollt, solltet ihr vielleicht zuerst einen kleinen Test durchführen.
Setzt euch gemeinsam in einen Raum.
Versucht, eine Tagesordnung zu beschließen.
Einigt euch auf eine Kaffeepause.
Und schafft es anschließend, den Raum wieder zu verlassen, ohne dass jemand eine neue politische Strömung gründet!
Wenn das funktioniert, könnt ihr euch vielleicht an den Berliner Haushalt wagen.
Aber bitte nicht vorher!
Denn ansonsten droht Berlin eine neue politische Sensation:
DIE ERSTE REGIERUNG, DIE SCHON VOR IHRER GRÜNDUNG EINEN KOALITIONSAUSSCHUSS ZUR BEWÄLTIGUNG DER EIGENEN KOALITIONSKRISE BRAUCHT!
Und ich, Ronald Tramp, werde natürlich berichten.
Exklusiv!
Unabhängig!
Mit Sonnenbrille!
Mit Mikrofon!
Und aus sicherer Entfernung zum nächsten parteiinternen Grundsatzstreit!
MAKE BERLIN GOVERNABLE AGAIN!
MAKE COALITIONS POSSIBLE AGAIN!
Und vor allem:
MAKE LEFT AND LEFT TALK TO EACH OTHER AGAIN!
Ihr Ronald Tramp – der einzige Reporter, der gleichzeitig links, rechts und mitten im Chaos stehen kann. Fantastisch! Die beste Position! Niemand hat jemals so erfolgreich zwischen allen politischen Stühlen gesessen!
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