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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Deutschland 2055 – Das klimaneutrale Fax schlägt zurück!

Grafik: Deutschland 2055: Das klimaneutrale Fax lebt!

Ronald Tramp reist mit seiner hochmodernen Zeitmaschine in die Zukunft. Was er dort entdeckt, verschlägt selbst dem größten Optimisten die Sprache: Deutschland hat Digitalisierung geschafft – zumindest fast. Denn das Fax lebt. Jetzt allerdings CO₂-neutral, mit Bio-Toner und nachhaltiger Warteschleife.

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Liebe Freunde,

viele Menschen fragen mich:

"Ronald, wie sieht eigentlich die Zukunft Deutschlands aus?"

Eine ausgezeichnete Frage.

Die besten Fragen.

Deshalb habe ich beschlossen, sie wissenschaftlich zu beantworten.

Ich stieg in meine patentierte Zeitmaschine.

Ein großartiges Gerät.

Entwickelt mit modernster Technologie.

Sie läuft übrigens mit Bürokratie.

Davon gibt es in Deutschland schließlich unerschöpfliche Mengen.

Einmal den Antrag auf Zeitreise in dreifacher Ausfertigung einreichen, zwei Datenschutzfolgenabschätzungen unterschreiben, vier Stempel sammeln und schon kann es losgehen.

Nach nur sieben Jahren Bearbeitungszeit startete ich Richtung Zukunft.

Mein Ziel:

Deutschland im Jahr 2055.

Ich erwartete fliegende Autos.

Künstliche Superintelligenz.

Quantencomputer.

Roboter als Bürgermeister.

Vielleicht sogar einen funktionierenden Behörden-Chat.

Doch was ich sah, ließ mich sprachlos zurück.

Im Bundesministerium für Zukunft, Vergangenheit und Formulare stand ein Schild:

"Bitte senden Sie Ihren Antrag per klimaneutralem Fax."

Ich dachte zunächst an Satire.

Dann bemerkte ich, dass ich mich bereits mitten in Deutschland befand.

Das Fax existierte tatsächlich noch.

Nicht irgendein Fax.

Nein.

Ein klimaneutrales Fax.

Natürlich.

Die Geräte liefen vollständig mit Solarstrom.

Das Papier bestand aus recycelten Bio-Brennnesseln.

Der Toner wurde aus fair gehandelter Aktivkohle hergestellt.

Und jedes verschickte Fax finanzierte automatisch die Pflanzung eines halben Löwenzahns im Sauerland.

Fantastisch.

Ich fragte einen Beamten:

"Warum benutzen Sie noch Faxgeräte?"

Er sah mich entsetzt an.

"Weil sie bewährt sind."

"Und E-Mail?"

"Zu modern."

"Cloud?"

"Unübersichtlich."

"Künstliche Intelligenz?"

"Braucht erst eine Arbeitsgruppe."

Großartig.

Ich durfte sogar das neue Spitzenmodell bewundern.

Das FaxMaster 9000 Green Edition.

Mit Touchscreen.

WLAN.

Bluetooth.

USB-C.

Sprachsteuerung.

Satellitenverbindung.

Quantenverschlüsselung.

Und wissen Sie, was es hauptsächlich machte?

Faxe.

Mehr nicht.

Fortschritt darf schließlich nicht übertreiben.

Die Digitalisierung war allerdings offiziell abgeschlossen.

Das erklärte zumindest das Bundesamt für Digitale Analogisierung.

Dessen Präsident verkündete stolz:

"Wir haben sämtliche Faxgeräte digitalisiert."

"Wie denn das?"

"Sie senden jetzt PDFs."

"Aber wie?"

"Per Fax."

Ich musste mich setzen.

Zum Glück standen überall ergonomische Wartebänke.

Die durchschnittliche Bearbeitungszeit eines Antrags betrug inzwischen nur noch acht Monate.

Ein historischer Rekord.

Die Regierung sprach deshalb von einem Digitalisierungswunder.

Selbstverständlich wurde das klimaneutrale Fax inzwischen exportiert.

Die ganze Welt wollte es haben.

Außer der ganzen Welt.

Sie verwendete längst Gedankenübertragung.

Deutschland verschickte weiterhin Seite 1 von 38.

Besonders beeindruckend war die Umweltbilanz.

Jedes Faxgerät erhielt einmal jährlich ein Nachhaltigkeitszertifikat.

Es musste nachweisen, dass es mindestens 60 Prozent seines Stromverbrauchs bereute.

Die Geräte bestanden mittlerweile zu 98 Prozent aus recycelten Altanträgen.

Das war Kreislaufwirtschaft auf höchstem Niveau.

Ich besuchte anschließend eine moderne Behörde.

Ein Bürger wollte seinen Wohnsitz ändern.

Der Mitarbeiter erklärte freundlich:

"Das geht ganz einfach."

"Wie lange dauert es?"

"Fünf Minuten."

"Wirklich?"

"Ja."

"Und warum warten hier 800 Menschen?"

"Die fünf Minuten beginnen, sobald Ihr Fax vollständig angekommen ist."

Perfekte Organisation.

Natürlich gab es inzwischen auch künstliche Intelligenz.

Sie hieß BEAMT-O-MAT 12.0.

Ihre Hauptaufgabe bestand darin, automatisch festzustellen, ob ein Formular eventuell auf Seite 17 links unten vergessen hatte, ein Kreuz im Feld "Nicht zutreffend" zu setzen.

Falls ja, wurde der Antrag automatisch zurückgefaxt.

Effizienz ist schließlich alles.

Ich traf sogar den Bundesminister für Innovation.

Er präsentierte voller Stolz die größte Errungenschaft der letzten Jahrzehnte.

"Wir haben das Fax papierlos gemacht."

"Wunderbar!"

"Jetzt drucken wir jedes digitale Fax zur Sicherheit zusätzlich aus."

Das nenne ich deutsche Ingenieurskunst.

Man darf niemals nur einer Technik vertrauen.

Besonders bewegend war der Besuch im Deutschen Faxmuseum.

Es war inzwischen UNESCO-Weltkulturerbe.

Schulklassen pilgerten dorthin.

Der Museumsführer erklärte:

"Hier sehen Sie das erste klimaneutrale Behördenfax."

"Hat es funktioniert?"

"Nein."

"Aber es war nachhaltig."

Unter tosendem Applaus wurde anschließend täglich die legendäre Einwahlmelodie eines Faxmodems aufgeführt.

Das Publikum hatte Tränen in den Augen.

Nicht vor Rührung.

Vor den Erinnerungen an jahrzehntelange Besetztzeichen.

Selbst die Wirtschaft hatte sich angepasst.

Große Konzerne beschäftigten inzwischen Chief Fax Officers.

Start-ups entwickelten intelligente Faxhalterungen.

Universitäten boten den Masterstudiengang Nachhaltige Faxkommunikation und analoge Zukunftstechnologien an.

Natürlich mit Warteliste.

Und mitten auf dem Berliner Alexanderplatz stand das größte Denkmal der Republik.

Ein zwölf Meter hohes Faxgerät.

Aus recyceltem Aluminium.

Angetrieben von Windkraft.

Darunter die Inschrift:

"Es piepte. Es rauschte. Es blieb."

Ein Meisterwerk.

Als ich schließlich in meine Zeitmaschine zurückstieg, fragte ich einen kleinen Jungen:

"Was möchtest du später einmal werden?"

Er antwortete voller Stolz:

"Faxadministrator im gehobenen klimaneutralen Verwaltungsdienst."

Da wusste ich:

Deutschland hatte seine Identität bewahrt.

Manche Länder erfinden fliegende Städte.

Andere kolonisieren den Mars.

Deutschland perfektioniert das Fax.

Und zwar so nachhaltig, dass selbst der Wald freiwillig Durchschläge produziert.

Ich kehrte in die Gegenwart zurück und wurde sofort gefragt:

"Ronald, gibt es Hoffnung?"

Ich antwortete:

"Natürlich."

"Welche?"

"Vielleicht schaffen wir bis 2085 den Umstieg auf klimaneutrale Disketten."

Bis dahin gilt:

Bitte senden Sie diese Zukunftsvision per Fax. Natürlich ausschließlich klimaneutral.

Denn ich bin Ronald Tramp.

Und ich sage:

Deutschland ist das einzige Land der Welt, in dem selbst die Zukunft erst einmal einen Sendebericht ausdruckt.

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Tags: Deutschland Digitalisierung Zukunft Bürokratie Behörde Fax
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