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Ronald Tramp
★ Macht Meinung wieder Gross! ★

Nacht abgeschafft – Sternenhimmel künftig gegen Aufpreis

Grafik: Ronald Tramp und das Premium-Abo für die Nacht

Die Nacht war Milliarden Jahre kostenlos – ein unhaltbarer Zustand. Ronald Tramp besichtigt die Zukunft des orbitalen Lichtschalters mit Mond Basic, Sonne Premium und Sternenhimmel als In-App-Kauf.

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Meine Damen und Herren, ich habe sensationelle Nachrichten. Wirklich sensationell. Die Nacht ist gescheitert.

Jahrtausendelang kam sie einfach jeden Abend. Unbestellt! Kostenlos! Ohne App! Ohne Abo! Niemand wusste, wer dafür zuständig war. Typisches Staatsversagen der Natur.

Doch damit ist jetzt Schluss.

Ein amerikanisches Unternehmen möchte Spiegel ins All schicken, die Sonnenlicht dorthin reflektieren, wo eigentlich Nacht herrscht. Eine fantastische Idee. Vielleicht die amerikanischste Idee seit dem XXL-Becher mit kostenlosem Nachfüllen: Wenn etwas kostenlos funktioniert, muss dringend jemand kommen und ein Geschäftsmodell daraus machen.

Ich, Ronald Tramp, durfte bereits einen exklusiven Blick auf die Zukunft werfen. Und ich sage Ihnen: Der planetare Lichtschalter kommt.

Das bisherige Modell „Sonne geht unter, Sonne geht auf“ wird selbstverständlich eingestellt. Viel zu simpel. Viel zu wenig Umsatz.

Künftig gibt es Mond Basic.

Mond Basic enthält Dunkelheit, gelegentliche Wolken und einen Mond, sofern verfügbar. Sterne sind nicht garantiert. Die Milchstraße muss separat freigeschaltet werden. Wer Sternschnuppen sehen möchte, benötigt das Paket „Universe Entertainment Plus“. Wünsche sind nicht enthalten.

Dann gibt es Sonne Premium.

Hier bekommen Sie nach Sonnenuntergang noch einmal Sonne. Warum? Weil Sie bezahlt haben! Sie sitzen um Mitternacht auf der Terrasse, möchten schlafen, Ihre Katze hat längst gekündigt – und plötzlich knallt Ihnen aus dem Orbit ein amerikanischer Sonnenschein ins Schlafzimmer.

Freedom!

Für finanzschwächere Kommunen gibt es das werbefinanzierte Dämmerungsmodell. Dabei wird es nachts regelmäßig hell, allerdings nur zwischen orbitalen Werbepausen.

„Diese Dunkelheit wird Ihnen präsentiert von einer bekannten Baumarktkette.“

Romantik wird großartig.

Früher sagte man beim Date: „Schau, wie schön die Sterne sind.“

Künftig sagt man: „Moment, Schatz, ich muss erst die Kreditkarte hinterlegen.“

Auch Astronomen zeigen sich wenig begeistert. Verständlich. Diese Menschen haben jahrhundertelang riesige Teleskope gebaut, um winzige Lichtpunkte in unvorstellbarer Entfernung zu beobachten. Und nun könnte irgendwann ein gigantischer Spiegel vorbeikommen und sagen: SCHÖNEN GUTEN ABEND, HIER IST DIE SONNE!

Das ist ungefähr so, als würde man in einem Konzert während des leisesten Geigensolos mit einem Laubbläser durchs Orchester laufen.

Auch Tiere dürften begeistert sein. Nachtaktive Arten könnten künftig morgens aufstehen, feststellen, dass noch immer Tag ist, und zunächst ihre Gewerkschaft anrufen. Zugvögel könnten Navigationsprobleme bekommen. Fledermäuse beantragen Sonnenbrillen. Und der gemeine deutsche Gartennachbar wird um halb drei nachts erstmals offiziell prüfen müssen, ob das Licht vom Bewegungsmelder von Herrn Meier oder aus dem Weltraum kommt.

Besonders beeindruckend ist jedoch das Grundprinzip: Die Menschheit hat tatsächlich einen der letzten Bereiche gefunden, der noch nicht vollständig kommerzialisiert wurde.

Die Dunkelheit.

Luft? Wirtschaftsgut.

Wasser? Wirtschaftsgut.

Daten? Wirtschaftsgut.

Weltraum? Voll mit Technik.

Aber die Nacht lag bislang einfach herum. Kostenlos. Milliarden Menschen nutzten sie täglich, ohne auch nur ein Kundenkonto anzulegen.

Unfassbar.

Ich rechne deshalb bereits mit der nächsten Entwicklungsstufe: Night-as-a-Service.

Die kostenlose Version enthält sechs Stunden Dunkelheit mit Werbung. Für echte Finsternis benötigen Sie „Night Pro“. Der Sternenhimmel ist ein In-App-Kauf. Polarlichter gibt es im Ultimate-Paket. Und wer kündigt, bekommt weiterhin Nacht – allerdings mit einem riesigen orbitalen Hinweis:

„Ihre Testphase ist abgelaufen.“

Natürlich könnte man fragen, ob wir wirklich Satelliten ins All schießen müssen, um ein Problem zu lösen, das die Menschheit bislang unter dem Fachbegriff „Es wird abends dunkel“ kannte.

Aber diese Frage zeigt nur mangelnden Innovationsgeist.

Denn die Zukunft besteht nicht darin, Probleme zu lösen.

Die wahre Kunst besteht darin, etwas, das seit Milliarden Jahren kostenlos funktioniert, erst zum Problem zu erklären – und anschließend ein Monatsabo dafür anzubieten.

Und deshalb mein Rat:

Genießen Sie die Nacht, solange sie noch im Basistarif enthalten ist.

Ronald Tramp berichtet – demnächst aus dem letzten dunklen Fleck Europas. Eintritt nur mit Premium-Abo und aktiviertem Standortzugriff.

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Tags: Satelliten Astronomie Reflect Orbital Lichtverschmutzung Nacht Sonnenlicht Weltraumspiegel
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