Washington glänzt wie nie zuvor: Goldene Pferde, ein gigantischer Triumphbogen und ein Ballsaal statt Geschichte. Ronald Tramp berichtet exklusiv aus dem neuen "Imperium der Selbstveredelung", wo Blattgold wichtiger ist als das Haushaltsbuch und Größenwahn zur offiziellen Bauordnung gehört.
Liebe Freunde, viele Präsidenten hinterlassen Gesetze.
Manche hinterlassen Reformen.
Andere hinterlassen Bibliotheken.
Aber wahre Giganten...
...hinterlassen vergoldete Pferde.
Ich, Ronald Tramp, wahrscheinlich der luxuriöseste Investigativreporter zwischen Blattgold und Baumarktfarbe, bin nach Washington gereist. Was ich dort sah, war so majestätisch, dass selbst Ludwig XIV. kurz überlegte, seine Sonnenstrahlen wegen Unterlegenheit zurückzugeben.
Vier riesige Pferdestatuen.
Aus Bronze.
Und weil Bronze offenbar etwas für Durchschnittsmenschen ist, bekommen sie eine besonders dicke Schicht aus 23,75-karätigem Blattgold.
Nicht ein bisschen Gold.
Nicht dezent.
Nein.
So viel Gold, dass Sonnenbrillen künftig bereits beim Betreten der Innenstadt zur Sicherheitsausrüstung gehören.
Man munkelt, Piloten würden Washington inzwischen nicht mehr anhand des Weißen Hauses erkennen, sondern anhand des gigantischen Lichtreflexes, der bis in die Stratosphäre reicht.
Und das Beste?
Der Spaß kostet den amerikanischen Steuerzahler rund 5,1 Millionen Dollar.
Ein Schnäppchen!
Zumindest dann, wenn man vergessen hat, was man mit fünf Millionen Dollar sonst alles anfangen könnte.
Aber denken Sie doch nicht so klein!
Straßen reparieren?
Langweilig.
Schulen modernisieren?
Gewöhnlich.
Brücken sanieren?
Fast schon beleidigend.
Goldene Pferde?
Jetzt reden wir endlich über Prioritäten!
Ich stellte mir sofort die entscheidende Regierungssitzung vor.
"Mr. President, wir haben hier eine Liste dringender Probleme."
"Interessiert mich nicht."
"Die Infrastruktur..."
"Pferde."
"Die Staatsverschuldung..."
"Gold."
"Die Krankenhäuser..."
"Mehr Gold."
"Die Wirtschaft..."
"Noch mehr Pferde!"
So entstehen Visionen.
Viele sagen, Washington entwickle sich zur Hauptstadt der Demokratie.
Unsinn.
Washington entwickelt sich offensichtlich zur weltweit größten Schmuckabteilung.
Doch damit nicht genug.
Denn wer goldene Pferde besitzt, braucht selbstverständlich auch einen Triumphbogen.
Und nicht irgendeinen Triumphbogen.
Nein.
Fast dreimal höher als das Brandenburger Tor.
Anderthalbmal höher als der Arc de Triomphe.
Warum?
Weil Größe bekanntlich sämtliche Diskussionen ersetzt.
Ich habe bereits Bauzeichnungen gesehen.
Natürlich streng geheim.
Der Triumphbogen soll so hoch werden, dass Flugzeuge künftig höflich anklopfen müssen.
Satelliten werden Eintritt bezahlen.
Und Astronauten bekommen bei Vorbeiflügen Audioguides.
"Links sehen Sie den Grand Canyon."
"Rechts den Triumphbogen."
"Welcher größer ist, entscheidet die Pressestelle."
Großartig.
Und falls Sie glauben, damit wäre das Ende erreicht...
Nein.
Jetzt kommt der Ballsaal.
Der historische Ostflügel des Weißen Hauses musste dafür weichen.
Geschichte?
Kann man neu schreiben.
Ballsaal?
Kann man nicht improvisieren.
Schließlich braucht ein Imperium ausreichend Platz für Galadinner, Selbstbeifall und Preisverleihungen mit exakt einem Nominierten.
Ich stelle mir den ersten Ballabend bereits vor.
Ein Orchester spielt.
Die goldenen Pferde spiegeln das Licht.
Der Triumphbogen wirft einen Schatten bis nach Kanada.
Und irgendwo flüstert ein Denkmal:
"Ich war einmal das größte Monument hier."
Man muss Prioritäten setzen.
Die Hauptstadt erhält nicht einfach Bauwerke.
Sie erhält Charakter.
Oder zumindest sehr viel Blattgold.
Die demokratische Abgeordnete Melanie Stansbury kritisierte die Kosten und verwies darauf, dass viele Menschen wirtschaftliche Probleme hätten, während Millionen Dollar an Steuergeld in die Vergoldung der Statuen flössen.
Doch Kritiker verstehen eben keine Visionen.
Visionäre denken in Gold.
Buchhalter denken in Zahlen.
Der Unterschied ist gewaltig.
Ich sehe bereits die nächsten Projekte.
Warum bei Pferden aufhören?
Goldene Parkbänke.
Vergoldete Briefkästen.
Blattgold auf Ampeln.
Ein vollständig vergoldeter Zebrastreifen.
Und natürlich das ultimative Prestigeprojekt:
Ein goldener Kreisverkehr.
Nicht weil ihn jemand braucht.
Sondern weil ihn jeder sehen soll.
Vielleicht wird künftig sogar der Haushaltsplan vergoldet.
Dann sieht das Defizit wenigstens luxuriös aus.
Und wenn schon ein Triumphbogen entsteht, warum nicht gleich ein Triumphboulevard?
Mit goldenen Laternen.
Goldenen Bäumen.
Goldenen Tauben.
Sogar die Eichhörnchen könnten Blattgold-Schweife erhalten.
Die Tourismuswerbung schreibt sich schließlich fast von selbst:
"Washington – jetzt mit 87 Prozent mehr Glanz."
Oder:
"Besuchen Sie die einzige Hauptstadt, die aus dem Weltall als Schmuckstück erkannt wird."
Selbst Historiker werden ins Grübeln geraten.
"Warum genau wurden diese Pferde vergoldet?"
"Weil... nun ja..."
"...es möglich war."
Und genau darin liegt vielleicht die eigentliche Satire.
Jede Epoche baut Monumente.
Die Römer bauten Aquädukte.
Die Ägypter bauten Pyramiden.
Andere Nationen investieren in Forschung, Bildung oder Infrastruktur.
Und irgendwo sitzt ein Regierungsplaner mit einem Musterkatalog für Blattgold und fragt:
"Wie viel Karat darf es heute sein?"
Natürlich werden Anhänger sagen:
"Das verschönert die Hauptstadt."
Kritiker werden antworten:
"Das verschönert höchstens die Rechnung des Goldlieferanten."
Und ich?
Ich stehe davor, setze meine Sonnenbrille auf und bewundere die vermutlich teuersten Pferdehufe der Weltgeschichte.
Denn wenn schon Geschichte geschrieben wird, dann bitte mit maximalem Glanz.
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich sage:
Wer ein Denkmal errichten will, sollte vielleicht zuerst dafür sorgen, dass die Menschen nicht das Gefühl bekommen, selbst nur noch die Statisten einer goldenen Kulisse zu sein.

