Donald Trump baut weiter: Granit-Landeplatz, Ballsaal, Reflecting Pool und ein gigantischer Triumphbogen. Ronald Tramp besichtigt die Hauptstadt zwischen Architektur und Größenwahn.
Von Ronald Tramp, Chefkorrespondent für Granit, Größenwahn und staatlich genehmigte Landschaftsverschönerung
Meine Damen, meine Herren und alle Menschen, die bisher geglaubt haben, ein Hubschrauber brauche zum Landen hauptsächlich eines – nämlich Platz:
Sie denken viel zu klein.
Sehr viel zu klein.
Denn Donald Trump hat eine neue Baustelle am Weißen Haus präsentiert.
Und wenn Donald Trump irgendwo eine Baustelle präsentiert, ist das nicht einfach eine Baustelle.
Nein.
Dann ist das Geschichte.
Architektur.
Zivilisation.
Vermutlich auch Geopolitik.
Und diesmal geht es um etwas, das jeder Präsident dringend braucht:
einen neuen Hubschrauber-Landeplatz aus Granit.
Direkt am Weißen Haus.
Fantastisch.
Andere Präsidenten beschäftigen sich vielleicht mit Außenpolitik, Haushaltsfragen oder Renten.
Hier lautet die Frage:
Was passiert eigentlich mit dem Rasen, wenn Marine One landet?
Endlich kümmert sich jemand um die wirklich großen Themen.
Der Rasen hat genug gelitten
Der Grund für das Projekt ist offenbar äußerst ernst.
Die neuen Modelle des Präsidentenhubschraubers Marine One sollen schwer genug sein, dass sie die berühmte Rasenfläche hinter dem Weißen Haus beschädigen könnten.
Das geht natürlich nicht.
Wir reden hier nicht über irgendeinen Rasen.
Wir reden über Präsidentenrasen.
Exekutivgras.
Commander-in-Chief-Klee.
Jeder Grashalm dort hat vermutlich mehr Sicherheitsüberprüfungen durchlaufen als ein durchschnittlicher Besucher des Pentagon.
Und jetzt kommen neue Hubschrauber.
Größer.
Moderner.
Schwerer.
Vielleicht sagen sie beim Landen sogar:
„Entschuldigung, aber dieser Rasen erfüllt unsere strukturellen Anforderungen nicht.“
Donald Trump hat dafür die perfekte Lösung:
Granit.
Natürlich Granit.
Denn wenn Gras Probleme macht, ersetzt man es nicht durch besseres Gras.
Man ersetzt es durch Stein.
Das ist Problemlösung.
Das ist Führung.
Das ist Landschaftspflege mit militärischer Konsequenz.
„Dank des Landeplatzes keine Probleme mehr mit dem Rasen“
Trump erklärte sinngemäß, dass der neue Landeplatz künftig Rasenprobleme verhindern werde.
Und ich sage:
Das ist technisch vollkommen korrekt.
Wenn dort kein Rasen mehr ist, kann auch kein Rasen beschädigt werden.
Brillant.
Das muss man erst einmal verstehen.
Nach derselben Methode könnte man Schlaglöcher beseitigen, indem man Straßen abschafft.
Oder Waldbrände verhindern, indem man Wälder betoniert.
Oder Hochwasser verhindern, indem man Flüsse zuschüttet.
Problem weg.
Effizienz!
Vielleicht ist das die neue amerikanische Verwaltungslehre:
If it breaks, granite it.
Sehr stark.
Der Präsident als Bauleiter
Besonders schön war offenbar, dass Trump Journalisten spontan über die Baustelle führte.
Das ist Präsidentenarbeit, wie ich sie liebe.
Kein langweiliger Konferenzraum.
Keine Präsentation.
Kein PowerPoint.
Einfach raus auf die Baustelle.
Vielleicht mit Helm.
Vielleicht ohne.
„Hier kommt Granit hin.“
„Warum?“
„Weil ich bauen kann.“
Mehr Strategie braucht kein Land.
Donald Trump sagt:
„Eines kann ich: bauen.“
Und diese Aussage darf man natürlich nicht kleinreden.
Denn Washington entwickelt sich inzwischen langsam von einer Hauptstadt zu einem persönlichen Immobilienportfolio mit Atomcodes.
Da steht das Weiße Haus.
Da ein Ballsaal.
Dort ein neuer Landeplatz.
Da hinten ein frisch renovierter Reflecting Pool.
Und wenn man lange genug wartet, steht vermutlich irgendwo noch ein 80 Meter hoher Triumphbogen mit eigener Tiefgarage.
Das ist keine Stadtplanung mehr.
Das ist Monopoly auf Staatsgebiet.
Der Ostflügel musste weichen
Besonders beeindruckend ist der geplante Ballsaal.
Dafür wurde der historische Ostflügel des Weißen Hauses abgerissen.
Viele Menschen reagieren bei dem Wort „historisch“ sehr sentimental.
Historiker sagen:
„Das muss erhalten bleiben.“
Denkmalschützer sagen:
„Das ist Teil der Geschichte.“
Architekten sagen:
„Wir müssen vorsichtig mit dem Bestand umgehen.“
Ein Immobilienentwickler sagt:
„Da könnte ein Ballsaal hin.“
Und plötzlich merkt man:
Geschichte ist offenbar auch nur Bauland mit schlechter Vermarktung.
Washington bekommt ein neues Gesicht
Trump will der Hauptstadt seinen Stempel aufdrücken.
Sehr verständlich.
Manche Präsidenten hinterlassen Gesetze.
Andere Institutionen.
Andere internationale Verträge.
Trump hinterlässt offenbar Granitplatten.
Man stelle sich Washington 2035 vor.
Touristen fahren durch die Stadt.
Der Guide sagt:
„Links sehen Sie das Lincoln Memorial.“
„Wunderschön.“
„Rechts den Trump-Landeplatz.“
„Beeindruckend.“
„Dahinter den Trump-Ballsaal.“
„Natürlich.“
„Und dort den Triumphbogen.“
„Der riesige?“
„Nein, das ist nur der kleine Servicebogen.“
So prägt man eine Hauptstadt.
Und jetzt: der Triumphbogen
Dann gibt es natürlich noch dieses geplante Monument.
Ein riesiger Triumphbogen.
Nicht klein.
Nicht bescheiden.
Nicht irgendwie elegant zurückhaltend.
Nein.
Der Bogen soll angeblich fast dreimal so hoch werden wie das Brandenburger Tor.
Dreimal!
Warum?
Weil zweimal offenbar nach Kleinstadt klingt.
Und anderthalbmal so hoch wie der Arc de Triomphe in Paris.
Frankreich baut 50 Meter.
Amerika sagt:
„Cute.“
Dann baut Amerika höher.
Das ist internationale Architekturpolitik.
Man kann sich diplomatische Verhandlungen sparen.
Frankreich:
„Wir besitzen den berühmtesten Triumphbogen.“
Amerika:
„Unserer ist größer.“
Verhandlung beendet.
Vielleicht braucht Washington nur noch eine Giganto-Säule
Ich sehe schon das Gesamtkonzept.
Der Präsidentenhubschrauber landet auf Granit.
Von dort fährt der Präsident durch einen monumentalen Korridor.
Vorbei am Ballsaal.
Vorbei am Reflecting Pool.
Dann durch den Triumphbogen.
Schließlich ins Weiße Haus.
Das dauert vermutlich 45 Minuten.
Aber es sieht enorm aus.
Vielleicht kommt noch eine Statue.
Ronald Tramp empfiehlt:
mindestens 70 Meter.
Arm ausgestreckt.
In einer Hand Bauplan.
In der anderen Rasenprobe.
Unter der Statue eine kleine Inschrift.
Natürlich keine bescheidene.
Etwas wie:
Er kam. Er sah. Er versiegelte.
Der Krieg gegen das Gras
Am Ende ist die Geschichte mit dem Hubschrauberlandeplatz aber besonders schön, weil sie den gesamten Regierungsstil in einem Quadratmeter erklärt.
Problem:
Hubschrauber beschädigt Rasen.
Normale Lösung:
Rasen verstärken.
Andere Grassorte.
Spezialmatten.
Bodenschutz.
Trump-Lösung:
Granit.
Man muss diese Klarheit respektieren.
Stellen Sie sich eine Sitzung vor:
„Sir, der Hubschrauber könnte Spuren hinterlassen.“
„Was ist härter als Gras?“
„Stein.“
„Dann Stein.“
Sitzung vorbei.
Keine Arbeitsgruppe.
Kein Pilotprojekt.
Kein siebenjähriges Gutachten.
Das würde in Deutschland völlig scheitern.
In Berlin bräuchte man zuerst eine Umweltverträglichkeitsprüfung.
Dann eine Denkmalschutzprüfung.
Dann Bodenproben.
Dann ein Vergabeverfahren.
Dann eine Klage gegen das Vergabeverfahren.
Dann wird festgestellt, dass der Granit aus einem Landkreis kommt, dessen Zertifizierung abgelaufen ist.
Danach wird Marine One durch ein Ersatzverkehrskonzept bedient.
Mit Bus.
Ich sehe neue Geschäftsmodelle
Der Granitlandeplatz könnte sogar wirtschaftlich genutzt werden.
Wenn Marine One nicht da ist:
Hochzeiten.
Autoausstellungen.
Politische Empfänge.
Vielleicht Eisstockschießen.
„Mieten Sie den exklusiven Presidential Helicopter Plaza für Ihr Event!“
Pakete:
Basic Landing: 200 Gäste.
Executive: 500 Gäste plus Sicherheitszone.
Commander Package: Marine-Band, gepanzerte Limousine und ein Mann mit Sonnenbrille, der niemals erklärt, was er beruflich macht.
Ich sehe enorme Einnahmen.
Der Reflecting Pool wurde auch renoviert
Natürlich wurde auch der Reflecting Pool überarbeitet.
Sehr wichtig.
Der Name allein ist hervorragend.
Reflecting Pool.
Ein Wasserbecken, in dem sich Gebäude spiegeln.
Aber vielleicht sollte es künftig anders heißen:
Achievement Pool.
Denn „Reflection“ klingt viel zu nachdenklich.
Man könnte dort sämtliche neuen Bauprojekte spiegeln.
Triumphbogen.
Ballsaal.
Granit.
Noch mehr Granit.
Der Pool wird dadurch praktisch ein staatliches Immobilienprospekt.
Washington als Trumpopolis
Mein Vorschlag:
Warum nicht konsequent sein?
Wenn man ohnehin schon baut, baut man richtig.
Ein Monument für jede Behörde.
Das Landwirtschaftsministerium bekommt einen goldenen Traktor.
Das Verkehrsministerium einen zwölfspurigen Kreisverkehr.
Das Finanzministerium eine riesige Kreditkarte aus Marmor.
Und das Innenministerium einen 30 Meter hohen Aktenschrank.
Washington wäre endlich verständlich.
Kinder könnten sagen:
„Papa, was macht dieses Ministerium?“
„Schau dir das Monument an.“
„Ah.“
Bildung!
Der Präsident und der ewige Beton
Donald Trump sagt, er liebe das Bauen.
Und das merkt man.
Andere Menschen sehen freie Fläche und denken:
„Schön.“
Ein Bauunternehmer sieht freie Fläche und denkt:
„Warum steht hier noch nichts?“
Das ist der fundamentale Unterschied.
Ein Baum ist für ihn vermutlich ein sehr ineffizient genutzter Standort.
Ein Rasen ist nur Granit, der noch nicht geliefert wurde.
Und ein historisches Gebäude ist ein Bauvorhaben, das jemand anders leider schon fertiggestellt hat.
Vielleicht wird Washington am Ende dieser Amtszeit völlig anders aussehen.
Mehr Granit.
Mehr Monumente.
Mehr Ballsaal.
Mehr Triumph.
Weniger Rasenprobleme.
Und irgendwann werden Archäologen in tausend Jahren auf Washington blicken und sagen:
„Was war das für eine Zivilisation?“
Der zweite Archäologe antwortet:
„Keine Ahnung. Aber sie hatten enorm viel Granit.“
Und damit wäre eigentlich alles gesagt.
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich weiß:
Man kann einen Präsidenten an seinen Reden messen.
An seinen Gesetzen.
An seiner Außenpolitik.
Oder an der Frage, wie viele Tonnen Naturstein am Ende seiner Amtszeit rund ums Weiße Haus liegen.
Eines ist jedenfalls sicher:
Der Rasen wird nicht mehr beschädigt.
Er muss nur vorher verschwinden.
Fantastisch.

