400 Millionen Dollar, ein abgerissener Ostflügel und ein Ballsaal, bei dessen Größe Versailles vermutlich nervös geworden wäre: Ein Berufungsgericht stoppt Donald Trumps Umbaupläne am Weißen Haus. Ronald Tramp berichtet vom tragischen Moment, in dem Washington feststellt, dass selbst Präsidenten für gigantische Tanzsäle gelegentlich den Kongress fragen müssen.
Liebe Freunde,
Amerika erlebt eine nationale Tragödie.
Keine Rezession.
Keinen Stromausfall.
Nicht einmal einen Mangel an Chicken Wings.
Es ist schlimmer.
Der präsidiale Ballsaal darf vorerst nicht weitergebaut werden.
Ich bin Ronald Tramp, Reporter für Demokratie, Architektur und überdimensionierte Bauprojekte mit fragwürdigem Bedarf, und ich muss sagen:
Washington hat schon vieles überlebt.
Bürgerkrieg.
Watergate.
Regierungsschließungen.
Aber ob die Vereinigten Staaten einen Präsidenten ohne 400-Millionen-Dollar-Ballsaal verkraften können?
Niemand weiß es.
400 Millionen Dollar für ein bisschen Hüftschwung
Donald Trump wollte auf dem Gelände des Weißen Hauses einen gewaltigen Ballsaal errichten lassen.
Kostenpunkt:
400 Millionen Dollar.
400 Millionen!
Für einen Ballsaal!
Für dieses Geld könnte man vermutlich halb Washington mit Parkett auslegen und jedem Kongressabgeordneten persönlich einen Kronleuchter schenken.
Aber wir reden natürlich nicht über irgendeinen Ballsaal.
Nein.
Wenn Donald Trump einen Raum zum Tanzen baut, entsteht nicht einfach ein Saal.
Es entsteht vermutlich ein Gebäude, in dem selbst die Garderobe einen eigenen Sicherheitsrat benötigt.
Normale Menschen sagen:
„Wir brauchen Platz für 300 Gäste.“
Trump sagt:
„Warum nicht 3.000? Und wo sind die goldenen Säulen?“
Der Ostflügel? War offenbar im Weg
Besonders bemerkenswert:
Der neue Ballsaal soll dort entstehen, wo früher der Ostflügel des Weißen Hauses stand.
Der wurde bereits abgerissen.
Das ist entschlossenes Projektmanagement.
Andere Menschen beantragen zuerst eine Genehmigung und reißen anschließend etwas ab.
Washington offenbar:
Abriss zuerst. Demokratie später.
Das erinnert mich an meinen Nachbarn Gary.
Gary wollte einmal seine Garage erweitern.
Er entfernte zunächst die komplette Grundstücksmauer und fragte anschließend beim Bauamt nach.
Heute besitzt Gary keine größere Garage.
Aber eine fantastische Aussicht auf das Ordnungsamt.
Dann kam das Gericht
Nun hat ein US-Berufungsgericht den Weiterbau untersagt und damit eine einstweilige Verfügung bestätigt.
Die Begründung lässt sich ungefähr so zusammenfassen:
Vielleicht sollte bei einem gigantischen Umbau des Weißen Hauses auch der Kongress ein Wörtchen mitreden.
Unfassbar!
Da ist man Präsident der Vereinigten Staaten, verfügt über Atomcodes, Air Force One und einen eigenen Hubschrauber – und plötzlich sagt jemand:
„Entschuldigung, Herr Präsident, für den Tanzsaal brauchen wir noch eine Genehmigung.“
Das ist Bürokratie auf höchstem Niveau.
Trump kann theoretisch über militärische Entscheidungen beraten.
Aber beim Parkettboden erscheint Amerika mit einem Klemmbrett.
Kongress entdeckt überraschend seine Zuständigkeit
Das Gericht stellte sinngemäß klar, dass der Kongress der Exekutive keine unbegrenzte Befugnis gegeben habe, das Weiße Haus nach den persönlichen Vorstellungen eines bestimmten Präsidenten umzugestalten.
Das ist natürlich eine gefährliche Entwicklung.
Wo soll das enden?
Heute kontrolliert der Kongress den Ballsaal.
Morgen fragt jemand nach dem Whirlpool.
Übermorgen braucht der vergoldete Springbrunnen eine Umweltverträglichkeitsprüfung.
Und irgendwann sagt ein Beamter:
„Herr Präsident, der 14 Meter hohe Adler aus Marmor überschreitet leider die zulässige Firsthöhe.“
Amerika ist verloren!
Der wichtigste Raum der Demokratie
Dabei brauchen die Vereinigten Staaten selbstverständlich dringend einen gigantischen Ballsaal.
Denkt doch einmal nach.
Wo sollen internationale Staatsgäste künftig tanzen?
Wo sollen Senatoren beim Foxtrott versehentlich über Haushaltskompromisse stolpern?
Wo soll der Verteidigungsminister einen Walzer mit dem Landwirtschaftsministerium wagen?
Ein Ballsaal könnte die amerikanische Demokratie revolutionieren.
Keine Ausschusssitzungen mehr.
Stattdessen:
Dancing with the Senators.
„Senator, stimmen Sie dem Haushalt zu?“
„Nur wenn Sie Tango können.“
Das wäre wahrscheinlich immer noch effizienter als manches Gesetzgebungsverfahren.
Ronald Tramps exklusiver Bauplan
Ich habe mir deshalb erlaubt, einen alternativen Ballsaal zu entwerfen.
Kosten:
nur 399 Millionen Dollar.
Ich spare!
Unglaublich!
Der Ronald-Tramp-Ballsaal hätte selbstverständlich:
27 Kronleuchter.
Vier goldene Rolltreppen.
Eine Präsidentenloge.
Eine VIP-Präsidentenloge über der Präsidentenloge.
Und eine noch exklusivere Loge, von der aus man auf die beiden anderen Logen herabschauen kann.
Außerdem ein 300 Quadratmeter großes Buffet.
Nicht weil man es braucht.
Sondern weil Amerika niemals an einem Buffet scheitern darf.
Im Zentrum des Saales stünde ein gewaltiger Knopf.
Aufschrift:
NICHT DRÜCKEN.
Niemand weiß, was er macht.
Das verleiht dem Raum internationale Autorität.
Versailles beginnt nervös zu werden
Ich stelle mir vor, wie europäische Paläste diese Entwicklung verfolgen.
Versailles ruft bereits seinen Architekten an.
Buckingham Palace misst vorsichtshalber noch einmal die Räume aus.
Und irgendwo in Wien schaut die Hofburg Richtung Washington und denkt:
„Oh nein. Die Amerikaner haben Barock entdeckt.“
Denn Trump und ein 400-Millionen-Dollar-Ballsaal sind eine architektonische Kombination, bei der der Begriff „dezent“ wahrscheinlich bereits freiwillig das Land verlassen hat.
Minimalismus bedeutet dort vermutlich:
nur drei Goldtöne gleichzeitig.
Das Problem mit der Demokratie
Aber genau hier liegt das eigentlich Satirische:
Das Gericht erinnert die Regierung daran, dass das Weiße Haus zwar die Residenz eines Präsidenten ist – aber nicht sein persönliches Ferienhaus.
Ein Präsident wohnt dort vorübergehend.
Das Gebäude bleibt.
Präsidenten kommen.
Präsidenten gehen.
Und genau deshalb existieren Regeln darüber, wer an einem historisch und institutionell bedeutenden Regierungsgebäude Veränderungen vornehmen darf.
Unpraktisch?
Vielleicht.
Aber Demokratie ist eben manchmal der Moment, in dem jemand mitten auf der Baustelle auftaucht und sagt:
„Haben Sie dafür eigentlich eine Genehmigung?“
Der traurigste Bauzaun Amerikas
Und so ruht der Traum vom gigantischen Ballsaal vorerst.
400 Millionen Dollar schwer.
Der Ostflügel ist weg.
Das Gericht sagt Stopp.
Der Kongress soll entscheiden.
Und irgendwo steht vermutlich ein Bauarbeiter mit einem Eimer Spachtelmasse und fragt:
„Soll ich Montag wiederkommen?“
Niemand weiß es.
Vielleicht wird weitergebaut.
Vielleicht wird umgeplant.
Vielleicht entsteht dort irgendwann etwas völlig anderes.
Ronald Tramp schlägt einen kleinen Pavillon vor.
Sechs Stühle.
Ein Klapptisch.
Kosten:
79,99 Dollar.
Mit Kundenkarte 69,99.
Und wenn der Präsident unbedingt tanzen möchte?
Dann stellen wir einen Bluetooth-Lautsprecher dazu.
Ronald Tramps Schlusswort
Der Fall zeigt jedenfalls:
Selbst im mächtigsten Amt der Welt gibt es offenbar Grenzen.
Man kann Präsident sein.
Man kann große Pläne haben.
Man kann einen Ostflügel abreißen.
Man kann von einem 400-Millionen-Dollar-Ballsaal träumen.
Aber irgendwann erscheint die amerikanische Gewaltenteilung mit Warnweste und Bauakte:
„So, Herr Präsident. Jetzt reden wir erst einmal über die Baugenehmigung.“
Das ist Amerika.
Groß.
Mächtig.
Spektakulär.
Und manchmal erstaunlich deutsch.
Ich bin Ronald Tramp.
Ich bleibe selbstverständlich vor Ort.
Direkt am Bauzaun.
Mit Sonnenbrille, Helm und Zollstock.
Denn falls dieser Ballsaal doch noch gebaut wird, möchte ich als Erster wissen:
Wo kommt eigentlich die Diskokugel hin?

