Donald Trump lockert die Klimaregeln für Kraftwerke – ausgerechnet in einer Zeit, in der KI-Rechenzentren immer mehr Strom verschlingen. Ronald Tramp über eine Energiepolitik, bei der selbst der Schornstein wieder Karriere macht.
Ich bin Ronald Tramp, Reporter für große Politik, noch größere Schornsteine und Regierungsentscheidungen, bei denen man manchmal nicht weiß, ob sie aus einem Strategiepapier oder aus dem Handschuhfach eines Pickup-Trucks stammen.
Und diesmal hat Amerika wieder geliefert.
Nicht klein.
Nicht vorsichtig.
Sondern amerikanisch.
Die US-Umweltbehörde EPA schafft unter Präsident Donald Trump zentrale Grenzwerte für klimaschädliche Emissionen aus Kohle- und Gaskraftwerken ab. Regeln aus der Biden-Zeit, die Emissionen deutlich senken sollten, verschwinden damit wieder im politischen Kamin.
Oder, wie man es in der neuen Energiepolitik vermutlich nennt:
Frischluft durch Weglassen.
Die Begründung klingt ungefähr so: Amerika braucht mehr Energie. Viel mehr Energie. Billige Energie. Riesige Energie. Energie, bei der selbst das Stromkabel sagt: „Sir, ich kann nicht mehr.“
Denn Industrie, Haushalte und vor allem Rechenzentren für Künstliche Intelligenz brauchen immer größere Strommengen.
Und damit haben wir den vielleicht schönsten Kreislauf der modernen Zivilisation erreicht:
Wir bauen künstliche Intelligenz, damit Maschinen künftig besonders kluge Entscheidungen treffen können.
Und um genug Strom dafür zu erzeugen, entscheiden Menschen:
Lasst uns wieder mehr Kohle verbrennen.
Das ist Fortschritt.
Nicht linear.
Eher kreisförmig.
KI braucht Strom – Kohle bekommt Comeback
Rechenzentren für Künstliche Intelligenz haben einen enormen Energiehunger. Milliarden von Berechnungen, gewaltige Serverfarmen, Kühlung, Datenübertragung.
Kurz gesagt: Die Zukunft braucht Steckdosen.
Und Amerika sagt nun offenbar:
„Kein Problem. Wir haben noch einen Keller voller Vergangenheit.“
Kohle war nämlich lange Zeit dieses Familienmitglied der Energiepolitik, über das niemand mehr sprechen wollte.
Etwas altmodisch.
Etwas rußig.
Hat früher ständig im Wohnzimmer geraucht.
Doch jetzt steht Kohle plötzlich wieder vor der Tür.
„Hallo! Ihr braucht Strom?“
Und Donald ruft aus dem Weißen Haus:
„Kommt rein! Wir haben euch vermisst!“
Erneuerbare Energien sitzen währenddessen vermutlich draußen auf der Terrasse und fragen sich, warum sie jahrelang Solarzellen montiert haben, wenn Onkel Kohle doch wieder das Familienunternehmen übernehmen darf.
Make Smoke Great Again
Trump hatte den Klimawandel bereits als gewaltigen Schwindel bezeichnet.
Das erleichtert natürlich vieles.
Denn wenn man ein Problem zum Schwindel erklärt, muss man es anschließend nicht mehr lösen.
Das ist politisch außerordentlich effizient.
Stellen Sie sich dieses Verfahren in anderen Bereichen vor.
„Herr Präsident, die Brücke ist einsturzgefährdet.“
„Fake Bridge.“
„Das Dach brennt.“
„Großer Feuer-Schwindel.“
„Das Schiff sinkt.“
„Propaganda der Wasserindustrie.“
Problem erledigt.
Niemand muss mehr Geld ausgeben.
Und weil CO₂ unsichtbar ist, eignet es sich besonders gut.
Man kann hinausgehen, tief einatmen und sagen:
„Sehen Sie? Kein CO₂!“
Das ist Wissenschaft auf Augenhöhe.
Vor allem dann, wenn die Augen geschlossen bleiben.
Der Schornstein als nationales Symbol
Die amerikanische Kohleindustrie argumentiert, strenge Auflagen könnten Kraftwerke unrentabel machen, das Stromnetz gefährden und Energie verteuern.
Das ist natürlich ein reales industriepolitisches Argument.
Aber Ronald Tramp denkt größer.
Ich sehe bereits die neue nationale Energieästhetik.
Nicht mehr Solarpanels auf Hausdächern.
Sondern Schornsteine.
Große Schornsteine.
Goldene Schornsteine.
Schornsteine mit Flaggen.
Vielleicht erhält jedes neue Rechenzentrum künftig sein eigenes Kohlekraftwerk direkt daneben.
Links: künstliche Intelligenz.
Rechts: industrielle Revolution.
Dazwischen: ein Kabel.
Auf der einen Seite fragt eine Super-KI:
„Wie können wir den Klimawandel minimieren?“
Auf der anderen Seite schaufelt jemand Kohle in einen Ofen.
Das System berechnet drei Sekunden lang.
Dann erscheint vermutlich:
ERROR 1776.
Die intelligenteste Energiepolitik der Welt
Stellen wir uns einen gigantischen KI-Server vor.
Milliarden Dollar Technik.
Chips.
Neuronenmodelle.
Flüssigkeitskühlung.
Und daneben steht Donald Trump mit Schutzhelm.
„Diese KI ist unglaublich intelligent. Vielleicht fast so intelligent wie ich. Aber sie braucht Energie. Und niemand kennt Energie besser als ich.“
Im Hintergrund hustet ein Schornstein.
„Wunderschöner Rauch. Sehr sauberer Rauch. Viele Leute sagen, sie hätten nie saubereren Rauch gesehen.“
Ein EPA-Mitarbeiter hält vorsichtig ein Messgerät hoch.
„Sir, die Werte…“
„Falsches Messgerät.“
Problem gelöst.
Die KI lernt sofort etwas Wichtiges:
Daten sind offenbar nur dann Daten, wenn sie angenehm sind.
Biden wollte CO₂ einfangen – Trump lässt es frei
Die bisherigen Regeln hätten unter anderem vorgesehen, dass Kohlekraftwerke ihre Emissionen drastisch reduzieren – beispielsweise durch CO₂-Abscheidung.
Trump beendet diese Vorgaben.
Das bedeutet vereinfacht:
Biden wollte CO₂ einfangen.
Trump sagt:
„Free the Carbon!“
Man könnte fast eine Freiheitsstatue für Kohlendioxid bauen.
Eine gigantische CO₂-Molekül-Skulptur vor einem Kraftwerk.
Darunter keine Inschrift – wir wollten ja keine Bürokratie.
Und jedes Mal, wenn ein Schornstein qualmt, erklingt die Nationalhymne.
Der nächste große Wettbewerb
Besonders spannend wird es im internationalen Vergleich.
China baut Solarparks.
Europa diskutiert über Klimaneutralität.
Amerika könnte künftig sagen:
„Wir haben etwas Besseres: Strom. Sehr viel Strom.“
Natürlich stellt sich die Frage, was passiert, wenn der Klimawandel tatsächlich doch kein Schwindel sein sollte.
Aber das ist ein Problem für später.
Und später ist bekanntlich die Lieblingsenergiequelle der Politik.
Sie ist unbegrenzt verfügbar.
Kein Speicher nötig.
Keine Netzentgelte.
Einfach alles hineinpacken.
Ronalds neue Energieformel
Ich habe deshalb eine neue amerikanische Energiegleichung entwickelt:
Mehr KI braucht mehr Strom.
Mehr Strom braucht mehr Kraftwerke.
Mehr Kraftwerke produzieren mehr Emissionen.
Mehr Emissionen werden dereguliert.
Und wenn die Folgen irgendwann kompliziert werden, fragen wir einfach die KI.
Die bekommt ihren Strom schließlich aus dem Kraftwerk.
Perfekt.
Ein geschlossenes System.
Fast nachhaltig.
Nur anders herum.
Ich bin Ronald Tramp.
Und eines muss man Amerika lassen:
Andere Länder versuchen, die Zukunft mit neuer Technologie zu gestalten.
Amerika schafft es derzeit, dafür gleichzeitig die Vergangenheit wieder einzuschalten.
Das ist keine Energiewende.
Das ist eine Energie-Kehrtwende mit Turbolader.
Und irgendwo sitzt wahrscheinlich gerade ein Kohlekraftwerk und flüstert:
„Ich bin wieder relevant.“

