Die USA planen offenbar Strafzölle auf schlechte Stimmung. Ronald Tramp analysiert Smile-Scanner, Flughafen-Grinsen und den Beginn des globalen Stimmungs-Kapitalismus.
Meine Damen und Herren, ich habe wirklich schon viel erlebt.
Ich habe Politiker gesehen, die Pressekonferenzen mit PowerPoint-Präsentationen ruiniert haben.
Ich habe CEOs erlebt, die drei Stunden lang über „Disruption“ sprechen konnten, ohne auch nur einen einzigen verständlichen Satz zu bilden.
Ich habe Menschen getroffen, die freiwillig Flughafen-Sandwiches kaufen.
Aber nichts – wirklich absolut nichts – hätte mich auf diesen Moment vorbereiten können:
Donald Trump plant offenbar einen Zoll auf schlechte Laune.
Ja.
Wirklich.
Willkommen im Amerika des Jahres 2026.
Dem ersten Land der Welt, in dem man nicht nur seinen Pass zeigen muss, sondern möglicherweise auch seine Gesichtsmuskulatur.
Laut dem neuen Wirtschaftsplan sollen Menschen mit pessimistischer Miene beim Grenzübertritt eine sogenannte „Negative-Energie-Abgabe“ zahlen.
Ich musste den Satz dreimal lesen.
Nicht, weil er kompliziert ist.
Sondern weil er klingt, als hätte ein Motivationscoach gemeinsam mit einem Casino-Betreiber und einem schlechten Science-Fiction-Autor die Wirtschaftspolitik übernommen.
Doch es wird noch besser.
Flughäfen sollen sogenannte Smile-Scanner einführen.
Scanner.
Für Lächeln.
Das bedeutet:
Irgendwo sitzt vermutlich bereits ein amerikanischer Regierungsbeamter und versucht ernsthaft festzulegen, wie glücklich ein Gesicht aussehen muss, damit man zollfrei einreisen darf.
Stellen Sie sich die Situation vor.
Ein völlig übermüdeter deutscher Tourist landet nach elf Stunden Economy-Class-Flug in New York.
Die Knie zerstört.
Der Rücken gebrochen.
Neben ihm schrie ein Baby von Frankfurt bis Boston durchgehend in Dolby Surround.
Er tritt an die Kontrolle.
Und plötzlich erscheint auf einem Bildschirm:
„WARNUNG: MUNDWINKEL UNTER MINDESTSTANDARD.“
Boom.
300 Dollar Strafgebühr wegen europäischer Grundmüdigkeit.
Fantastisch.
Doch laut Ronald-Tramp-Recherchen soll das System noch viel weiter gehen.
Menschen mit besonders positiver Ausstrahlung könnten angeblich sogar bevorzugt behandelt werden.
Das heißt:
Wer mit breitem Dauergrinsen am Flughafen auftaucht, bekommt möglicherweise Fast-Track-Einreise, Premium-Gepäckservice und vermutlich noch einen Gratis-Burger.
Willkommen in der ersten Feelgood-Diktatur der Weltgeschichte.
Das Geniale daran:
Trump hat offenbar einen Weg gefunden, selbst Emotionen zu verzollen.
Die Amerikaner haben Zölle auf Stahl.
Zölle auf Autos.
Zölle auf chinesische Produkte.
Und jetzt offenbar auch auf Gesichtsausdrücke.
Ich warte ehrlich gesagt nur noch darauf, dass demnächst folgende Meldung kommt:
„Menschen mit ironischem Augenrollen gelten offiziell als wirtschaftsfeindlich.“
Besonders herrlich sind die technischen Details.
Die Smile-Scanner sollen angeblich mit künstlicher Intelligenz arbeiten.
Natürlich.
Denn wenn man einer Technologie vertrauen sollte, menschliche Emotionen korrekt zu interpretieren, dann selbstverständlich derselben Branche, deren Gesichtserkennung manchmal einen Toaster für einen Labrador hält.
Man stelle sich die Fehlfunktionen vor.
Ein britischer Tourist schaut neutral.
Scanner meldet:
„Akute Staatsgefährdung.“
Ein Finne blickt einfach nur finnisch.
System alarmiert sofort Homeland Security.
Und Deutsche?
Die werden vermutlich automatisch in die Kategorie
„latent unzufrieden, aber funktional“ einsortiert.
Doch die wahre Genialität liegt im wirtschaftlichen Konzept.
Denn laut Regierungskreisen soll die neue Abgabe helfen, „negative Energien aus dem Land fernzuhalten“.
Das ist keine Wirtschaftspolitik mehr.
Das ist astrologischer Feng-Shui-Kapitalismus.
Irgendwo im Weißen Haus muss jemand ernsthaft gesagt haben:
„Was, wenn Inflation eigentlich nur schlechte Stimmung ist?“
Und irgendjemand anders antwortete:
„Brillant. Drucken Sie sofort Plakate.“
Natürlich feiern gewisse TV-Sender die Idee bereits als revolutionär.
Kommentatoren sprechen angeblich von:
„patriotischer Positivität“
und
„ökonomischer Optimismusförderung“.
Das klingt wie ein Pflichtseminar auf einem Kreuzfahrtschiff, das von Influencern gekapert wurde.
Doch die ersten Probleme tauchen bereits auf.
Wie misst man schlechte Laune?
Sehr wichtige Frage.
Denn manche Menschen sehen grundsätzlich aus, als hätten sie gerade erfahren, dass ihre Steuererklärung Gefühle entwickelt hat.
Andere wiederum lächeln dauerhaft, obwohl innerlich alles brennt.
Das ganze System könnte also versehentlich genau jene Menschen belohnen, die am gefährlichsten sind:
Marketing-Abteilungen.
Und während normale Reisende nervös ihre Mundwinkel trainieren, entstehen bereits neue Geschäftszweige.
In Los Angeles bieten Coaches angeblich schon „Smile Preparation Camps“ an.
Für 2.000 Dollar lernen Teilnehmer dort:
– überzeugendes Grenzgrinsen,
– patriotisches Nicken,
– sowie „emotionale Zollkonformität“.
Ich erfinde das nicht einmal mehr.
Die Realität macht inzwischen alleine Satire.
Besonders tragisch dürfte die Lage für Vielflieger werden.
Stellen Sie sich Businessreisende vor, die morgens um 4 Uhr nach drei Meetings, zwei Zeitzonen und einem Flughafen-Hotdog plötzlich noch ein behördlich geprüftes Lächeln produzieren müssen.
Da entstehen Gesichter, die aussehen, als hätte Botox eine Midlife-Crisis bekommen.
Und Ronald Tramp wäre nicht Ronald Tramp, wenn ich nicht auch die geopolitische Dimension erkennen würde.
Denn was passiert, wenn andere Länder nachziehen?
Frankreich erhebt dann vermutlich eine Zusatzsteuer auf zu freundliches Verhalten.
Deutschland führt ein Formular zur Beantragung genehmigter Fröhlichkeit ein.
Und Großbritannien entschuldigt sich vorsorglich für alles.
Doch Amerika geht wieder voran.
Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat erkannt:
Man kann nicht nur Waren kontrollieren.
Man kann auch Emotionen verwalten.
Vielleicht erleben wir gerade den Beginn einer neuen Ära.
Nicht mehr Überwachungskapitalismus.
Sondern Stimmungs-Kapitalismus.
Eine Welt, in der Regierungen nicht mehr fragen:
„Was denken Sie?“
sondern:
„Warum lächeln Sie nicht genug?“
Und irgendwo sitzt Donald Trump vermutlich vor einem Bildschirm voller Smile-Statistiken und erklärt stolz:
„Nobody has happier customs than me. Nobody. People come in crying – and leave smiling. Tremendous system.“
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