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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Trump feiert schon den Sieg – nur die Umfragen wissen nichts davon

Grafik: Trump jubelt – die Umfragen stehen vor der Tür

Donald Trump verbreitet beim Republikaner-Parteitag in Dallas Jubelstimmung vor den Midterms. Dumm nur, dass die Umfragen offenbar nicht mitfeiern wollen. Ronald Tramp über Fake Stars, Schrödingers Wahlsieg und die einfachste Methode gegen schlechte Zahlen: noch mehr Lautstärke.

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Es gibt Veranstaltungen, auf denen gejubelt wird, weil etwas Großartiges passiert ist. Und es gibt Parteitage, auf denen etwas Großartiges passiert sein muss, weil gejubelt wird.

Willkommen in Dallas!

Donald Trump möchte seine Republikaner vor den Midterms offenbar in jene Stimmung versetzen, die man aus amerikanischen Sportfilmen kennt: Musik, Fahnen, Scheinwerfer, Menschen in roten Kappen und irgendwo ein Mann, der so enthusiastisch „USA! USA!“ ruft, dass man ihm vorsichtshalber ein Glas Wasser bringen sollte.

Die Botschaft lautet:

ALLES LÄUFT FANTASTISCH!

Ein kleines Problem gibt es allerdings.

Die Umfragen.

Diese verdammten Umfragen!

Sie besitzen die unangenehme Eigenschaft, nicht automatisch mitzujubeln.

Während Trump in Dallas offenbar politische Aufbruchsstimmung verbreiten will, geben landesweite Erhebungen den Republikanern laut Berichten deutlich weniger Anlass zur Polonaise. ntv-Korrespondent Gordian Fritz fasste die Situation mit einem Satz zusammen, der ungefähr die Wirkung einer geöffneten Tür auf einer Hüpfburg entfaltet:

„Die Wahrheit sieht anders aus.“

Autsch.

Das ist ein gefährlicher Satz in einer Halle voller Euphorie.

Man stelle sich vor, Trump steht auf der Bühne:

„WE ARE WINNING LIKE NOBODY HAS EVER WON BEFORE!“

Jubel!

„THE REPUBLICAN PARTY IS STRONGER THAN EVER!“

Jubel!

„EVERYBODY LOVES US!“

Jubel!

Und irgendwo hinten steht Gordian Fritz:

„Naja.“

SOFORT HAUSVERBOT!

Denn nichts stört eine perfekt organisierte Siegesfeier so sehr wie jemand mit Zahlen.

Ich stelle mir die republikanische Parteizentrale inzwischen wie ein Flugzeugcockpit vor.

Überall blinken rote Warnlampen.

MIDTERMS!

UMFRAGEN!

UNABHÄNGIGE WÄHLER!

KONGRESSMEHRHEIT!

Ein Berater ruft:

„Sir, wir verlieren Höhe!“

Trump:

„Falsch. Wir fliegen niedriger, damit die Amerikaner uns besser sehen können.“

„Sir, das Fahrwerk berührt bereits Bäume.“

„Tremendous trees! Beautiful trees! Republican trees!“

Das ist keine Notlandung.

Das ist Bürgernähe.

Überhaupt haben Umfragen im Trump-Universum eine erstaunlich einfache Qualitätskontrolle.

Gute Umfrage:

Sehr seriös.

Schlechte Umfrage:

Fake.

Sehr schlechte Umfrage:

Radical Left Fake Poll conducted by horrible people.

Umfrage mit Trump zehn Punkte vorne:

„Probably the most accurate poll in history.“

Damit wird Demoskopie herrlich unkompliziert.

Man benötigt keine Stichprobengröße mehr, keine Fehlermarge, keine Methodik.

Man braucht lediglich die Frage:

Gefällt Donald Trump das Ergebnis?

Ja?

Wissenschaft.

Nein?

Kommunismus.

Natürlich sind Umfragen keine Wahlergebnisse. Bis zu den Midterms kann sich politisch noch einiges verändern. Aber genau deshalb ist die Diskrepanz zwischen Parteitagsjubel und nüchternen Zahlen satirisch so ergiebig.

Denn Wahlkampf funktioniert inzwischen ein bisschen wie Online-Bewertungen eines Restaurants.

Drinnen steht der Besitzer:

„BEST RESTAURANT IN AMERICA!“

Draußen Google:

⭐ 2,8

Besitzer:

„FAKE STARS!“

Dallas liefert dazu die passende Kulisse.

Trump braucht keine schnöde Wahlkampfveranstaltung.

Trump braucht Atmosphäre.

Eine normale Partei würde sagen:

„Die Lage ist schwierig. Wir müssen unsere Wähler mobilisieren.“

Trumpismus sagt:

„WIR GEWINNEN SO GEWALTIG, DASS WIR DRINGEND ALLE MOBILISIEREN MÜSSEN, DAMIT NIEMAND MERKT, WIE GEWALTIG WIR GEWINNEN!“

Das ist politisches Quantencomputing.

Man gewinnt und verliert gleichzeitig – bis jemand die Wahlurne öffnet.

Schrödingers Midterms.

Und natürlich braucht ein solcher Parteitag Jubel.

Sehr viel Jubel.

Ich würde sogar ein offizielles Messverfahren einführen.

Das Trump Enthusiasm Measurement System, kurz TEMS.

Unter 90 Dezibel: enttäuschend.

100 Dezibel: patriotisch.

110 Dezibel: tremendous.

120 Dezibel: Fox-News-Sondersendung.

130 Dezibel: Umfragewerte nicht mehr hörbar.

Das ist überhaupt die einfachste Lösung für schlechte Zahlen:

Lautstärke.

„Sir, die jüngste Umfrage zeigt…“

YMCA AUF 140 DEZIBEL!

Problem erledigt.

Vielleicht bekommt künftig jeder Delegierte am Eingang sogar eine Jubelkarte.

Applausstufe 1: Trump betritt Bühne.

Applausstufe 2: Trump sagt „America“.

Applausstufe 3: Trump erwähnt Biden.

Applausstufe 4: Trump sagt, eine Umfrage sei gefälscht.

Applausstufe 5: Trump liest versehentlich eine positive Umfrage vor, die drei Jahre alt ist.

Und irgendwo dazwischen steht weiterhin der Korrespondent und sagt:

„Die Wahrheit sieht anders aus.“

Dieser Satz könnte zum schlimmsten natürlichen Feind politischer Inszenierung werden.

Inflation?

„Die Wahrheit sieht anders aus.“

Wirtschaft?

„Die Wahrheit sieht anders aus.“

Umfragen?

„Die Wahrheit sieht anders aus.“

Besucherzahl?

Trump: „There were probably 80,000 people!“

Reporter schaut auf Halle mit 6.000 Plätzen:

„Die Wahrheit sieht anders aus.“

Ich fürchte, Gordian Fritz bekommt niemals eine Weihnachtskarte aus Mar-a-Lago.

Aber vielleicht ist genau das die schönste Pointe dieses Wahlkampfs: Auf der Bühne wird bereits der Sieg gefeiert, während draußen noch niemand gewählt hat.

Das ist wie eine Fußballmannschaft, die vor dem Anpfiff mit dem Pokal durchs Stadion läuft.

„Warum feiert ihr?“

„WEIL WIR GEWINNEN WERDEN!“

„Aber der Gegner führt in den Umfragen.“

„FAKE SCORE!“

„Das Spiel hat noch gar nicht angefangen.“

„EVEN BETTER!“

Und so marschieren die Republikaner Richtung Midterms: Trump vorneweg, die Halle jubelt, die Musik dröhnt, die Fahnen wehen und die Umfragen stehen irgendwo draußen vor der Tür.

Sie dürfen leider nicht rein.

Die Gästeliste ist voll.

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Tags: Donald Trump Republikaner Umfragen US-Wahlen Dallas Midterms
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