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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

FreiFahren in Berlin – die BVG entdeckt den natürlichen Feind des Kontrolleurs

Grafik: Berlins digitale Flucht vor Kontrolleuren

40.000 Menschen nutzen „FreiFahren“, um sich gegenseitig vor Ticketkontrollen im Berliner Nahverkehr zu warnen. Die BVG findet das unsolidarisch, der Entwickler kritisiert dagegen ein „Kontrollregime“. Ronald Tramp steigt ein in die vielleicht einzige Hauptstadt, in der Fahrgäste, Kontrolleure und Smartphones inzwischen taktische Manöver fahren.

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Liebe Freunde,

Berlin hat wieder geliefert.

Andere Metropolen entwickeln Apps, mit denen man Fahrkarten kaufen kann.

Berlin entwickelt eine App, mit der man herausfinden kann, wo man besser nicht hinfährt, wenn man keine gekauft hat.

Das ist Innovation!

Ich bin Ronald Tramp, internationaler Reporter, Besitzer eines gültigen Fahrscheins und deshalb im Berliner Nahverkehr ungefähr so entspannt wie ein Mensch mit Diplomatenpass.

Und ich sage euch:

Die Digitalisierung des Schwarzfahrens hat begonnen.

Sie heißt „FreiFahren“.

„Achtung! Kontrolle!“ – jetzt als Schwarmintelligenz

Das Prinzip ist verblüffend einfach.

Fahrgäste melden, wenn ihnen auf einer bestimmten Strecke Ticketkontrolleure begegnen.

Andere Nutzer sehen die Meldung und können entsprechend reagieren.

Das ist praktisch Google Maps für Menschen mit problematischer Beziehung zum Fahrscheinautomaten.

Normale Navigationssysteme sagen:

„Auf Ihrer Route befinden sich drei Minuten Stau.“

FreiFahren sagt sinngemäß:

„Auf Ihrer Route befinden sich zwei Menschen mit BVG-Ausweis und sehr konkreten Fragen.“

Bitte wenden.

40.000 regelmäßige Nutzer soll die Anwendung nach Angaben ihres Entwicklers Johan Trieloff haben.

40.000!

Das ist keine App mehr.

Das ist eine kleine Aufklärungseinheit.

Willkommen bei BVG Intelligence

Ich stelle mir inzwischen die Situation in der U-Bahn vor.

Ein Kontrolleur steigt am Alexanderplatz ein.

Noch bevor sich die Tür geschlossen hat:

PING!

Meldung.

„Kontrolle U2 Richtung Pankow.“

Zehn Sekunden später wechseln 14 Personen hektisch den Wagen.

Drei steigen aus.

Einer springt in die Gegenrichtung.

Ein anderer setzt Sonnenbrille und Schnurrbart auf.

Und irgendwo sitzt Ronald Tramp mit Popcorn und beobachtet den ersten digital koordinierten Rückzug der Berliner Verkehrsgeschichte.

Das ist nicht mehr öffentlicher Nahverkehr.

Das ist Mission Impossible mit Monatskarte.

Die BVG findet das unsolidarisch

Die Berliner Verkehrsbetriebe sind verständlicherweise wenig begeistert.

Wer gezielt das Fahren ohne gültigen Fahrausweis erleichtere, unterstütze ein unsolidarisches Verhalten, das zulasten ehrlicher Fahrgäste gehe und wirtschaftlichen Schaden verursache, argumentiert die BVG.

Das ist nachvollziehbar.

Denn öffentlicher Nahverkehr funktioniert langfristig eher schlecht nach dem Finanzierungsmodell:

„Die anderen werden schon zahlen.“

Ein Bus fährt schließlich nicht mit Solidarität.

Er fährt mit Strom, Diesel, Personal, Ersatzteilen und einer Verwaltung, die vermutlich allein für verlorene Regenschirme mehrere Aktenordner besitzt.

Wenn niemand zahlt, müsste irgendwann der Busfahrer durchs Fahrzeug laufen und fragen:

„Hat vielleicht jemand fünf Euro für die nächste Kurve?“

Johan Trieloff sieht das anders

Entwickler Johan Trieloff verfolgt allerdings eine politische beziehungsweise soziale Motivation.

Er verweist auf Menschen, die wegen wiederholten Fahrens ohne Fahrschein und daraus resultierenden Verfahren im Gefängnis landen beziehungsweise Ersatzfreiheitsstrafen verbüßen. Betroffen seien häufig Menschen in schwierigen sozialen Verhältnissen.

Aus seiner Sicht müsste der Staat diesen Menschen stärker helfen, statt sie durch ein Kontrollsystem zu verfolgen.

Und damit sind wir beim eigentlichen Berliner Endgegner angekommen:

Nicht Fahrgast gegen BVG.

Nicht App gegen Kontrolleure.

Sondern:

Sozialpolitik gegen Einnahmesicherung.

Ein Thema so kompliziert, dass selbst der Berliner Fahrkartenautomat wahrscheinlich irgendwann anzeigt:

„Vorgang abgebrochen. Bitte Bundestag kontaktieren.“

Ronald Tramps revolutionäre Lösung

Ich habe selbstverständlich eine Lösung.

Eine fantastische Lösung.

Vielleicht die beste Lösung, die jemals für den Berliner Nahverkehr entwickelt wurde:

Fahrkartenkontrolleure melden sich selbst bei FreiFahren.

Denkt darüber nach!

Morgens um 8.02 Uhr:

„Hallo, hier BVG-Kontrollteam 7. Wir befinden uns heute auf der U8.“

Sofort meiden sämtliche Schwarzfahrer die U8.

Ergebnis:

Keine Schwarzfahrer in der U8.

Kontrolle zu 100 Prozent erfolgreich!

Die Kontrolleure können anschließend Kaffee trinken.

Die Statistik sieht fantastisch aus.

Niemand muss wegrennen.

Deutschland spart Schuhsohlen.

Das ist Effizienz!

Die nächste Eskalationsstufe

Natürlich könnte die BVG technologisch aufrüsten.

Dann kommt eine Gegen-App.

Name:

FreiFahrenFänger.

Sie zeigt Kontrolleuren an, wo besonders viele FreiFahren-Nutzer unterwegs sind.

Darauf reagiert FreiFahren mit:

FreiFahrenFängerFinder.

Die BVG entwickelt anschließend:

FreiFahrenFängerFinderBlocker.

Nach ungefähr sechs Monaten benötigt jeder Berliner Fahrgast drei Smartphones, zwei Powerbanks und einen Masterabschluss in elektronischer Kriegsführung.

Die U-Bahn fährt zwar weiterhin verspätet.

Aber niemand weiß mehr, warum.

Der Kontrolleur wird zum seltenen Pokémon

Die App verändert nebenbei möglicherweise auch das Verhältnis zum Kontrolleur.

Früher war ein Ticketprüfer einfach ein Mensch, der sagte:

„Die Fahrscheine bitte.“

Heute könnte seine Sichtung digital gemeldet werden.

Damit bekommt der Kontrolleur beinahe den Status eines seltenen Pokémon.

Kontrolleur entdeckt!

Standort: Hermannplatz.

Seltenheitsstufe: mittel.

Besondere Fähigkeit: erhöht Puls um 180 Prozent.

Gegenmittel:

gültiger Fahrschein.

Das Verrückte daran:

Dieses Gegenmittel funktioniert tatsächlich.

Sofort.

Ohne App.

Ronald Tramp testet die analoge Alternative

Ich habe deshalb ein Konkurrenzprodukt entwickelt.

Es heißt:

Ticket.

Das Bedienkonzept ist revolutionär.

Man kauft es.

Man steigt ein.

Man sieht einen Kontrolleur.

Und dann passiert:

nichts.

Kein Alarm.

Keine Flucht.

Keine taktische Umleitung über Spandau.

Kein hektisches Aktualisieren einer Karte.

Der Kontrolleur kommt.

Man zeigt das Ticket.

Er geht weiter.

Ich weiß, Freunde:

Das klingt fast zu einfach.

Investoren haben bereits abgelehnt.

Zu wenig künstliche Intelligenz.

Aber die soziale Frage bleibt

Natürlich wäre es zu billig, die gesamte Debatte nur auf den Gag „Dann kauft halt ein Ticket“ zu reduzieren.

Denn hinter Trieloffs Kritik steckt eine reale gesellschaftliche Frage:

Wie geht ein Staat mit Menschen um, die sich Mobilität nicht leisten können?

Wie sinnvoll sind strafrechtliche Konsequenzen bei wiederholtem Fahren ohne Fahrschein?

Wo endet soziale Unterstützung und wo beginnt die Verantwortung, für eine genutzte Leistung zu bezahlen?

Darüber kann und sollte man diskutieren.

Die App setzt allerdings an einer anderen Stelle an:

Sie verändert nicht den Fahrpreis.

Sie schafft kein Sozialticket.

Sie reformiert keine Strafvorschrift.

Sie macht vor allem sichtbar, wo kontrolliert wird.

Und genau deshalb reagiert die BVG wenig begeistert.

Berlin fährt weiter

So haben wir nun eine wunderbar deutsche Situation.

Die BVG sagt:

„Das ist unsolidarisch.“

Die App-Seite sagt sinngemäß:

„Das Kontrollsystem ist das Problem.“

Der Fahrgast sagt:

„Kommt die U6 überhaupt?“

Und der Berliner sagt:

„Welche U6?“

Währenddessen steht irgendwo ein Kontrolleur auf einem Bahnsteig und sieht 38 Menschen gleichzeitig auf ihr Smartphone schauen.

Plötzlich drehen sich alle um.

Der Kontrolleur denkt:

„Merkwürdig.“

Nein.

Nicht merkwürdig.

Digitalisierung.

Ich bin Ronald Tramp.

Ich werde die Lage weiter beobachten.

Selbstverständlich mit gültigem Fahrschein.

Denn journalistische Unabhängigkeit ist wichtig.

Aber 60 Euro sind 60 Euro.

Und falls mich trotzdem jemand vor einer Kontrolle warnt, sage ich:

„Vielen Dank. Aber sagen Sie mir lieber, wann der Zug kommt.“

Das wäre in Berlin möglicherweise die deutlich wertvollere Information.

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Tags: Berlin Nahverkehr BVG Ticketkontrolle Schwarzfahren FreiFahren
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