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Explosive Drohne in Leipzig – Moskau dementiert vorsichtshalber schon mal alles

Grafik: Explosive Drohne - Moskau dementiert schon mal alles

Eine mit Sprengstoff bestückte Drohne wird am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt – und noch bevor Deutschland Russland öffentlich verantwortlich macht, erklärt Moskau sinngemäß: Wir waren es nicht, außerdem war es inszeniert und überhaupt sind die anderen schuld. Ronald Tramp untersucht das erstaunliche russische Präventiv-Dementi.

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Liebe Freunde,

es gibt Situationen, in denen ein Dementi sehr hilfreich ist.

Wenn jemand sagt:

„Ronald, hast du meinen Kuchen gegessen?“

Dann kann ich antworten:

„Nein.“

Völlig normal.

Problematisch wird es erst, wenn ich morgens ungefragt ins Büro komme und verkünde:

„Bevor hier irgendwelche Fragen aufkommen: Ich habe den Kuchen nicht gegessen, der Kuchen war wahrscheinlich sowieso inszeniert und möglicherweise wurde er von ukrainischen Geheimdiensten in den Kühlschrank gestellt.“

Dann könnte jemand misstrauisch werden.

Willkommen in der wunderbaren Welt internationaler Kommunikation.

Ich bin Ronald Tramp, Reporter für Drohnen, Diplomatie und Dementis, die schneller starten als manches Flugzeug.

Und am Flughafen Leipzig/Halle haben wir jetzt einen Fall, bei dem selbst mein Satiregenerator kurz gefragt hat:

„Soll ich überhaupt noch etwas hinzufügen?“

Eine Drohne, Sprengstoff und sehr viele Fragen

Am Flughafen Leipzig/Halle wurde in der Nähe ukrainischer Transportflugzeuge eine Drohne entdeckt, die nach Angaben der Ermittler mit Sprengstoff und einem Zünder ausgestattet war.

Das ist ernst.

Sehr ernst.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sowie eines gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.

Und dann geschieht etwas bemerkenswertes:

Die russische Botschaft in Berlin meldet sich.

Nicht mit:

„Wir verfolgen die Ermittlungen.“

Nicht mit:

„Wir hoffen auf schnelle Aufklärung.“

Sondern mit einer bemerkenswert offensiven Verteidigung gegen einen Vorwurf, den deutsche Behörden Russland öffentlich zunächst gar nicht gemacht hatten.

Das ist Diplomatie nach dem Prinzip:

„Ich war’s nicht!“

„Wir haben doch noch gar nicht gefragt.“

„Perfekt! Dann wären wir damit durch.“

Willkommen bei CSI: Kreml

Nach Darstellung der russischen Botschaft soll der Vorfall eine Provokation sein.

Die Entdeckung der Drohne?

Verdächtig.

Die Nähe zu einem ukrainischen Transportflugzeug?

Ebenfalls verdächtig.

Die ganze Geschichte?

Nach Moskauer Lesart offenbar so glaubwürdig wie eine schlecht produzierte Krimiserie.

Beweise?

Nun.

Das ist natürlich eine sehr westliche Frage.

In der modernen politischen Kommunikation benötigt man nicht zwingend Beweise.

Man benötigt Ausrufezeichen.

Viele Ausrufezeichen.

Und ein Telegram-Konto.

Schon verwandelt sich aus:

„Wir wissen noch nicht, was passiert ist“

innerhalb weniger Sekunden:

„Offensichtlich eine Provokation!“

Fantastische Ermittlungsarbeit.

Sherlock Holmes benötigte Hinweise.

Der Kreml benötigt WLAN.

Der Busfahrer gegen die Drohne

Besonders spektakulär ist ein Detail des Vorfalls:

Ein Busfahrer soll die Drohne zum Absturz gebracht haben.

Deutschland!

Was für ein Land!

Andere Staaten haben Flugabwehrraketen.

Deutschland hat offenbar:

ÖPNV.

Ich möchte diesen Busfahrer sofort kennenlernen.

Während Sicherheitsbehörden Lagezentren aktivieren, Radaraufzeichnungen auswerten und Experten beraten, sitzt irgendwo ein Mann hinter einem Lenkrad und denkt:

„Nicht mit mir, Freundchen.“

Ich sehe bereits die nächste Bundeswehrreform:

Patriot-Systeme?

Zu teuer.

IRIS-T?

Sehr modern.

Aber haben wir geprüft, ob ein Gelenkbus reicht?

Dobrindt unterbricht den Urlaub

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt unterbrach wegen des Vorfalls sogar seinen Urlaub.

Das ist der Moment, an dem jeder Beamte weiß:

Jetzt ist es wirklich ernst.

Denn einen deutschen Bundesminister aus dem Urlaub zurückzuholen, ist organisatorisch vermutlich komplizierter als ein NATO-Manöver.

Telefon klingelt.

„Herr Minister, wir haben eine explosive Drohne.“

„Kann das bis Montag warten?“

„Leider nein.“

„Gut. Packt die Aktentasche.“

Und irgendwo fällt traurig eine Sonnenliege zusammen.

Moskau entdeckt die antirussische Hysterie

Die russische Botschaft beklagt derweil eine neue Welle „antirussischer Hysterie“.

Interessanterweise also zu einem Zeitpunkt, an dem die deutsche Seite Russland noch gar nicht offiziell für diesen konkreten Vorfall verantwortlich gemacht hatte.

Das ist wie ein Fußballspieler, der vor Spielbeginn zum Schiedsrichter läuft und sagt:

„Ich möchte vorsorglich festhalten, dass das Foul in der 73. Minute eine Schwalbe sein wird.“

Der Schiedsrichter:

„Welche 73. Minute?“

Spieler:

„Russophobie!“

Ronald Tramps praktischer Dementi-Automat

Ich glaube, Moskau benötigt dringend Automatisierung.

Deshalb habe ich den Ronald-Tramp-Dementi-O-Mat 3000 entwickelt.

Er funktioniert vollautomatisch.

Irgendwo in Europa passiert etwas Merkwürdiges?

Knopf drücken.

Das Gerät produziert sofort:

„Russland weist sämtliche Anschuldigungen entschieden zurück.“

Noch einmal drücken:

„Es handelt sich offensichtlich um eine Provokation.“

Dritter Knopfdruck:

„Die Ukraine profitiert davon.“

Vierter Knopfdruck:

„Der Westen eskaliert.“

Fünfter Knopfdruck:

„Russland wurde überhaupt nicht beschuldigt.“

Daraufhin explodiert das Gerät wegen logischer Überlastung.

Das größere Drohnenproblem

Der Hintergrund bleibt allerdings ernst.

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine werden in Deutschland immer wieder verdächtige Drohnen über militärischen Anlagen, Infrastruktur und Rüstungsstandorten gemeldet. Auch rund um Einrichtungen der Bundeswehr gab es entsprechende Vorfälle.

Bei einzelnen Fällen vermuten Fachleute russische Aktivitäten.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass damit automatisch geklärt wäre, wer für den konkreten Vorfall in Leipzig/Halle verantwortlich ist.

Genau dafür gibt es Ermittlungen.

Beweise.

Forensik.

Spuren.

Auswertungen.

All diese langweiligen Dinge, die leider zwischen einem Verdacht und einer Feststellung liegen.

Ronald Tramp nennt das:

die furchtbare Diktatur der Fakten.

Das internationale Spiel „Wer war es nicht?“

Der moderne hybride Konflikt besitzt ohnehin eine faszinierende Kommunikationslogik.

Phase eins:

Etwas passiert.

Phase zwei:

Niemand weiß genau, wer dahintersteckt.

Phase drei:

Alle wissen plötzlich genau, wer garantiert nicht dahintersteckt.

Phase vier:

Telegram.

Phase fünf:

Talkshow.

Phase sechs:

47 Experten erklären 53 Möglichkeiten.

Phase sieben:

Die Ermittler sagen:

„Wir ermitteln noch.“

Das ist der Moment, in dem das Internet enttäuscht abschaltet.

Ronald Tramps wichtigste Erkenntnis

Bei all dem Spott sollte man eines nicht vergessen:

Eine mit Sprengstoff ausgestattete Drohne in der Nähe eines Flughafens ist kein lustiges Ereignis.

Sie kann Menschenleben gefährden.

Sie kann den Flugverkehr bedrohen.

Und sollte sich ein staatlicher oder staatlich gesteuerter Akteur dahinter verbergen, wäre das sicherheitspolitisch außerordentlich bedeutsam.

Gerade deshalb ist die einzig vernünftige Haltung:

ermitteln, Beweise sichern, Verantwortliche identifizieren.

Nicht andersherum.

Erst Täter auswählen und danach die Beweise passend sortieren ist schließlich keine Strafverfolgung.

Das ist Social Media.

Ronald Tramp meldet sich ab

Und so bleibt am Ende ein bemerkenswertes Bild:

Am Flughafen Leipzig/Halle liegt eine Drohne.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt.

Ein Busfahrer wird unfreiwillig Teil der Luftverteidigung.

Der Innenminister beendet seinen Urlaub.

Und Moskau ruft aus der Ferne:

„Wir waren es nicht – und außerdem war das Ganze inszeniert!“

Deutschland antwortet:

„Wir haben noch gar nicht gesagt, dass ihr es wart.“

Und irgendwo sitzt ein Diplomat vor Telegram und denkt:

„Oh.“

Ich bin Ronald Tramp.

Ich werde diesen Fall weiter verfolgen.

Sachlich.

Objektiv.

Professionell.

Und vorsorglich möchte ich noch etwas erklären:

Ich war es auch nicht.

Niemand hat mich beschuldigt.

Aber heutzutage kann man offenbar nie früh genug dementieren.

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Tags: Drohne Russland Leipzig Ukraine Alexander Dobrindt Bundesanwaltschaft russische Botschaft
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