Nordkorea schwitzt bei Temperaturen um 40 Grad – und die Staatsmedien empfehlen ausgerechnet heiße Suppen: Ginseng, Hühnchen und umstrittene Hundefleischgerichte sollen den Sommer erträglicher machen. Ronald Tramp reist gedanklich nach Pjöngjang und entdeckt die vermutlich einzige Hitzeschutzstrategie, bei der der Kochtopf noch wärmer ist als die Außentemperatur.
Liebe Freunde,
wenn draußen 40 Grad herrschen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich abzukühlen.
Man kann ins Schwimmbad gehen.
Man kann kaltes Wasser trinken.
Man kann sich vor einen Ventilator setzen.
Oder man lebt in Nordkorea.
Dann sagt das Staatsfernsehen offenbar:
„Haben Sie es schon mit einer dampfenden Suppe versucht?“
Fantastisch!
Ich bin Ronald Tramp, internationaler Reporter, zertifizierter Schattenparker und seit heute überzeugt, dass nordkoreanische Sommermedizin ungefähr nach dem Prinzip funktioniert:
Wenn dir heiß ist, werde einfach noch heißer. Dann fällt der Unterschied nicht mehr auf.
Genial.
40 Grad? Bitte einmal den Herd anschalten!
Die koreanische Halbinsel erlebt derzeit einen extrem heißen Sommer. In Nordkorea berichteten Staatsmedien von Temperaturen bis zu 40 Grad, während auf der Halbinsel sogar Spitzenwerte von 42,5 Grad gemessen wurden.
42,5 Grad!
Das ist keine Wettervorhersage.
Das ist die Temperaturanzeige eines Backofens, der noch nicht fertig vorgeheizt hat.
Und während andere Länder bei solchen Temperaturen über Klimaanlagen, Trinkwasserstellen, Beschattung und Hitzeschutzpläne sprechen, präsentiert Nordkoreas staatliche Informationsmaschinerie einen bemerkenswerten kulinarischen Gegenschlag:
Suppe.
Heiße Suppe.
Denn bekanntlich denkt ein Mensch bei 40 Grad im Schatten vor allem:
„Wissen Sie, was mir jetzt fehlt? Eine dampfende Schüssel Brühe.“
Die Hundefleischsuppe gegen den Hochsommer
Besonders kontrovers ist eine Empfehlung, über die die staatliche Zeitung „Rodong Sinmun“ berichtete: Hundefleischsuppe.
Ein zitierter Arzt bezeichnete diese als vorteilhaft für die Nährstoffversorgung.
Das Gericht hat auf der koreanischen Halbinsel eine lange, heute stark umstrittene Tradition; in Südkorea tritt im kommenden Februar ein Verbot der Hundefleischindustrie in Kraft.
Ronald Tramp möchte deshalb ausdrücklich festhalten:
Nein, mein Hund kommt nicht in den Suppentopf.
Der liegt bei 40 Grad unter dem Küchentisch, bewegt sich exakt dreimal am Tag und besitzt damit vermutlich den vernünftigsten Hitzeschutzplan der gesamten Region.
Doch es gibt noch Samgyetang!
Zum Glück endet die kulinarische Hitzeoffensive nicht dort.
Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA empfiehlt außerdem Samgyetang, eine traditionelle Suppe mit Hühnchen und Ginseng.
Das klingt zumindest deutlich weniger kontrovers.
Aber auch hier bleibt das faszinierende Grundprinzip:
Draußen: 40 Grad.
Drinnen: heiß.
Topf: heiß.
Brühe: heiß.
Körper: heiß.
Und dann:
Gesundheit!
Das ist thermodynamisch ungefähr so, als würde die Feuerwehr bei einem Wohnungsbrand sagen:
„Wir haben die Situation analysiert und empfehlen einen Kamin.“
Ginseng – jetzt mit patriotischem Boden
Besonders begeistert zeigen sich die Staatsmedien vom Ginseng aus Kaesong.
Dieser habe eine „unvergleichliche medizinische Wirkung“, wobei die besondere Boden- und Wasserqualität sowie spezielle Anbaumethoden hervorgehoben werden.
Natürlich.
In normalen Ländern wächst Ginseng.
In Nordkorea offenbar:
strategischer Staatsginseng.
Ich stelle mir die Pflanze vor.
Sie wächst nicht einfach aus der Erde.
Sie tritt morgens zum Appell an.
Sie steht kerzengerade.
Sie hört patriotische Musik.
Und anschließend entwickelt sie medizinische Eigenschaften, gegen die gewöhnlicher ausländischer Ginseng aussieht wie Petersilie mit Minderwertigkeitskomplex.
Ronald Tramp hat sofort versucht, amerikanischen Ginseng zu interviewen.
Keine Antwort.
Schwach!
Sehr schwach!
Die Wissenschaft des heißen Essens
Nun ist die Idee, bei Hitze warme oder heiße Speisen zu sich zu nehmen, keineswegs ausschließlich nordkoreanisch. Solche kulinarischen Traditionen gibt es in verschiedenen Regionen und Kulturen.
Aber die staatliche Präsentation besitzt natürlich ihren ganz eigenen Charme.
Die Botschaft lautet sinngemäß:
Es ist heiß.
Sehr heiß.
Ungewöhnlich heiß.
Das Land ist schlecht auf Hitzewellen vorbereitet.
Aber keine Sorge:
Wir haben Hühnchen.
Das ist Regierungsmanagement auf kulinarischem Niveau.
Andere Staaten entwickeln nationale Hitzeaktionspläne.
Nordkorea entwickelt Mittagessen.
Ronald Tramps revolutionärer Hitzeplan
Ich habe deshalb einen eigenen Maßnahmenkatalog entwickelt.
Bei 30 Grad:
kaltes Wasser.
Bei 35 Grad:
Schatten.
Bei 38 Grad:
Ventilator.
Bei 40 Grad:
Klimaanlage.
Bei 42,5 Grad:
Auswandern in den Kühlschrank.
Und falls das alles nicht funktioniert, kann man immer noch die nordkoreanische Methode anwenden:
Man stellt einen riesigen Topf auf den Herd und erklärt der Bevölkerung, dass das Schwitzen jetzt offiziell Teil der Therapie ist.
Fantastisch!
Wer schwitzt, kühlt schließlich.
Wer Suppe isst, schwitzt.
Also:
Mehr Suppe bedeutet mehr Kühlung.
Nach dieser Logik müsste eine Sauna ein Gefrierschrank sein.
Kimchi-Klimaanlage Deluxe
Vielleicht erleben wir hier sogar den Beginn einer neuen technologischen Revolution.
Vergesst Klimaanlagen!
Vergesst Wärmepumpen!
Die Zukunft heißt:
Suppenbasierte Gebäudekühlung.
Auf jedem Schreibtisch steht ein Kochtopf.
Auf jedem Dach wächst Ginseng.
Im Keller befindet sich eine zentrale Brühenanlage.
Und sobald die Temperatur 40 Grad erreicht, ruft ein Lautsprecher:
„Bürger! Sofort heiß essen!“
Bei 45 Grad gibt es vermutlich Tee.
Bei 50 Grad Fondue.
Bei 55 Grad wird das ganze Land offiziell zum Wellnessbereich erklärt.
Der Sommer, der keine Propaganda liest
Das eigentliche Problem bleibt allerdings bestehen:
Experten zufolge ist Nordkorea schlecht auf extreme Hitzewellen vorbereitet.
Und genau hier stößt selbst die mächtigste Staatskommunikation auf einen unangenehmen Gegner:
das Thermometer.
Ein Thermometer interessiert sich nicht für politische Systeme.
Es kennt keine Parteitage.
Es liest keine Zeitung.
Es applaudiert nicht.
Wenn es 40 Grad sind, zeigt es 40 Grad.
Man kann daneben eine Pressekonferenz veranstalten.
Man kann Ginseng loben.
Man kann die nationale Suppenproduktion erhöhen.
Das Thermometer sagt trotzdem:
40.
Vielleicht ist es deshalb das gefährlichste unabhängige Medium Nordkoreas.
Ronald Tramps Wetterfazit
Wir lernen also:
Die koreanische Halbinsel erlebt extreme Hitze.
Nordkoreanische Staatsmedien empfehlen traditionelle heiße Gerichte.
Ginseng aus Kaesong bekommt praktisch eine staatliche Heiligsprechung.
Und irgendwo sitzt ein Mensch bei 40 Grad vor einer dampfenden Schüssel und fragt sich vermutlich:
„Könnten wir nicht einfach einen Ventilator bekommen?“
Ich bin Ronald Tramp.
Ich werde selbstverständlich weiter über diesen Sommer berichten.
Aber aus sicherer Entfernung.
Im Schatten.
Mit Eiswürfeln.
Und wenn mir jemand bei 42,5 Grad eine heiße Suppe bringt, sage ich nur:
Vielen Dank. Stellen Sie sie bitte neben die Heizung. Dort ist noch Platz.

