Donald Trumps geplanter Ballsaal soll offenbar weit mehr können als Walzer und Staatsbankett: Ronald Tramp über Cocktails, Drohnenabwehr und Architektur mit strategischer Tiefe.
Von Ronald Tramp, Reporter für Architektur, Apokalypse und andere gesellschaftliche Veranstaltungen
Meine Damen, meine Herren und alle Menschen, die bisher naiv glaubten, ein Ballsaal sei ein Raum mit Parkett, Kronleuchtern und schlechter Musik: Sie haben keine Ahnung.
Gar keine.
Null.
Ein Ballsaal ist heute viel mehr.
Ein Ballsaal ist Romantik.
Ein Ballsaal ist Diplomatie.
Ein Ballsaal ist Champagner.
Und offenbar ist ein Ballsaal inzwischen auch ein fünf Stockwerke tiefer militärischer Komplex, in dem man vermutlich gleichzeitig Foxtrott tanzen, Drohnen abwehren und den Untergang der westlichen Zivilisation aussitzen kann.
Willkommen im Weißen Haus.
Oder genauer gesagt:
Willkommen im möglicherweise luxuriösesten Luftschutzkeller mit Cocktailservice, den die Menschheit je gesehen hat.
Donald Trump hat vor Journalisten neue Details zu seinem geplanten Ballsaal verraten.
Und was für Details!
Wir reden hier nicht über:
„Die Vorhänge werden beige.“
Nein.
Wir reden über Bombenschutzräume.
Drohnen.
Militärische Komponenten.
Fast 20 Meter Tiefe.
Und vermutlich irgendwo dazwischen ein Kellner, der fragt:
„Noch einen Manhattan, Sir?“
Fantastisch.
Erst Martini, dann Mobilmachung
Das Konzept ist offenbar ebenso einfach wie revolutionär.
Die Gäste kommen.
Sie stehen draußen.
Sie trinken Cocktails.
Sehr stilvoll.
Sehr elegant.
Vielleicht ein Martini.
Vielleicht ein Old Fashioned.
Vielleicht etwas mit einer kleinen Olive, die noch nicht weiß, dass sie sich drei Minuten später über einem militärischen Schutzkomplex befinden wird.
Dann öffnen sich die Türen.
Und hinein geht es in den Ballsaal.
So stelle ich mir Diplomatie im 21. Jahrhundert vor.
„Herr Präsident, möchten Sie noch einen Cocktail?“
„Sehr gern.“
„Mit Eis?“
„Natürlich.“
„Übrigens, direkt unter Ihren Füßen befindet sich ein mehrstöckiger Schutzbereich gegen Bomben und Drohnen.“
„Fantastische Party.“
Früher bekamen Staatsgäste im Weißen Haus vielleicht Silberbesteck, Blumenarrangements und eine Rede.
Heute bekommen sie offenbar zusätzlich einen Fluchtweg, der vermutlich bis zum Erdmantel reicht.
Das ist Fortschritt.
Ein Ballsaal mit militärischer Komponente
Trump betont nämlich, der Ballsaal habe eine „große militärische Komponente“.
Das ist ein Satz, den man bei der Planung gesellschaftlicher Veranstaltungen eher selten hört.
Stellen Sie sich eine normale Hochzeitslocation vor.
Der Veranstalter sagt:
„Wir haben Platz für 300 Gäste, eine ausgezeichnete Küche und eine wunderschöne Terrasse.“
Der Bräutigam fragt:
„Wie sieht es mit Drohnenabwehr aus?“
„Entschuldigung?“
„Drohnenabwehr.“
„Wir haben einen Springbrunnen.“
Völlig unzureichend!
In Washington denkt man größer.
Sehr viel größer.
Warum einfach nur tanzen, wenn man gleichzeitig strategische Tiefe erzeugen kann?
Warum eine Garderobe, wenn man auch einen Schutzraum haben kann?
Warum einen Weinkeller, wenn man fünf Stockwerke nach unten bauen kann?
Das ist die neue amerikanische Veranstaltungsarchitektur.
Oben Walzer.
Unten Weltkrieg.
Dazwischen Häppchen.
„Sir, wir haben da eine Idee“
Besonders schön ist die Entstehungsgeschichte.
Das Militär habe die Chance erkannt.
Angeblich sagte man sinngemäß:
„Sir, hier könnten wir etwas Unglaubliches schaffen.“
Natürlich.
Es gibt in amerikanischen Regierungsgeschichten immer diesen einen Moment, in dem jemand „Sir“ sagt.
Niemand weiß genau, wer.
Niemand weiß, ob es ein General, ein Architekt oder der Mann vom Sicherheitsdienst war.
Aber „Sir“ wird gesagt.
Das macht die Geschichte offiziell großartig.
Und dann soll erklärt worden sein, man habe seit 100 Jahren versucht, so eine Gelegenheit zu bekommen.
Hundert Jahre!
Das Pentagon plant offenbar seit der Ära des Charleston-Tanzes einen wirklich vernünftigen Ballsaal.
Generationen von Militärstrategen saßen vermutlich über Karten.
„Normandie?“
„Später.“
„Pazifik?“
„Moment.“
„Wir müssen zuerst klären, wo irgendwann die Cocktailterrasse hinkommt.“
Endlich ist die Gelegenheit da.
Freiheit für die Architekten
Trump habe anschließend offenbar gesagt:
„Geht los, designt, was ihr wollt.“
Das ist ein fantastischer Satz.
Normalerweise möchte man ihn bei staatlichen Bauprojekten vielleicht nicht hören.
Ein normaler Auftraggeber sagt:
„Bitte beachten Sie Budget, Statik, Denkmalschutz, Ausschreibungsrecht und städtebaulichen Kontext.“
Hier hingegen:
„Macht einfach.“
Das muss für Architekten ungefähr dasselbe sein wie für Kinder, wenn die Eltern sagen:
„Hier sind 500 Euro. Geht in den Süßwarenladen und trefft vernünftige Entscheidungen.“
Natürlich endet das nicht mit einer kleinen Tüte Gummibärchen.
Es endet mit fünf Stockwerken unter der Erde.
Zwanzig Meter Demokratie
Fast 20 Meter soll es nach unten gehen.
Zwanzig Meter!
Das ist keine Kelleretage mehr.
Das ist eine politische Tiefenbohrung.
Bei ungefähr zehn Metern fragt ein normaler Mensch:
„Sind wir nicht langsam tief genug?“
Bei 15 Metern:
„Sind wir eigentlich noch unter Washington?“
Bei 20 Metern:
„Warum hören wir chinesische Radiostationen?“
Ich stelle mir vor, wie Staatsgäste irgendwann nach dem Dinner den falschen Aufzug nehmen.
Tür auf.
Stockwerk minus drei.
Ein General steht dort.
„Guten Abend.“
„Wo ist die Toilette?“
„Falsche Ebene.“
„Was ist hier?“
„Das dürfen wir Ihnen leider nicht sagen.“
„Ich wollte nur meine Hände waschen.“
Historiker bekommen Schnappatmung
Natürlich sind Kritiker, Historiker und Denkmalschützer nicht begeistert.
Sie sagen vermutlich Dinge wie:
„historische Substanz“, „architektonisches Erbe“, „Verhältnismäßigkeit“.
Sehr gefährliche Wörter.
Besonders „Verhältnismäßigkeit“.
Dieses Wort hat schon viele großartige Ideen ruiniert.
Wer immer nur fragt, ob etwas verhältnismäßig ist, baut niemals einen bombensicheren Ballsaal unter einem Regierungssitz.
Historiker sehen das Weiße Haus als Symbol.
Architekten sehen ein historisches Ensemble.
Denkmalschützer sehen schützenswerte Bausubstanz.
Und Donald Trump sieht offenbar:
„Da unten ist noch Platz.“
Das ist Unternehmergeist.
Der ultimative Eventraum
Vielleicht ist das Ganze aber einfach die logische Konsequenz unserer Zeit.
Wir leben schließlich in einer Welt, in der jedes Gerät alles können muss.
Das Handy ist Kamera, Bank, Fernseher, Navigator und Lebensberater.
Der Kühlschrank hat WLAN.
Die Uhr telefoniert.
Warum sollte ein Ballsaal nur ein Ballsaal sein?
Altmodisch!
Der moderne Ballsaal muss multifunktional sein.
Tanzen.
Dinieren.
Diplomatie.
Drohnenabwehr.
Bombenschutz.
Vielleicht noch Tiefgarage.
Fitnessstudio.
Streaming-Studio.
Und ein kleiner Souvenirshop.
Man weiß ja nie.
Ronald Tramps Veranstaltungspaket
Ich sehe bereits die Broschüre:
White House Ballroom – Premium Apocalypse Package
Enthalten:
Cocktailempfang draußen.
Drei-Gänge-Menü.
Live-Orchester.
Hochsicherheitsbereich.
Evakuierungsoption.
Drohnenresistente Abendunterhaltung.
Fünf unterirdische Etagen voller Dinge, über die niemand sprechen darf.
Parken leider separat.
Und natürlich gibt es verschiedene Pakete.
Silver Package: Abendessen und Tanz.
Gold Package: Abendessen, Tanz und Bunkerführung.
Presidential Package: Abendessen, Tanz und strategische Kontinuität der Regierung.
Das ist Hospitality!
Der neue amerikanische Traum
Früher bestand der amerikanische Traum aus einem Haus, einem Garten und zwei Autos.
Heute besteht er aus einer Cocktailterrasse über einem militärisch relevanten Mehrzweckkomplex.
Und irgendwie passt das perfekt.
Denn nichts sagt stärker:
„Wir freuen uns auf einen entspannten diplomatischen Abend“
als ein Gebäude, das gleichzeitig für den Einschlag unbekannter Flugkörper vorbereitet ist.
Vielleicht wird das sogar der neue internationale Standard.
Paris baut einen Bunker unter den Eiffelturm.
London ergänzt Buckingham Palace um Raketenabwehr.
Berlin baut beim Kanzleramt einen bombensicheren Biergarten.
Deutschland braucht dafür allerdings zuerst eine Machbarkeitsstudie.
Dauer:
14 Jahre.
Kosten:
Noch offen.
Ich persönlich finde:
Wenn schon Größenwahn, dann bitte mit Garderobe.
Wenn schon Weltpolitik, dann mit Cocktailspieß.
Und wenn schon ein Ballsaal, dann einer, bei dem der DJ sagen kann:
„Und jetzt alle auf die Tanzfläche – sofern Sicherheitsstufe DEFCON 2 es erlaubt!“
Das ist Amerika.
Das ist Architektur.
Das ist Eventmanagement mit geopolitischer Tiefe.
Oben klirren die Gläser.
Unten summt vermutlich etwas, das streng geheim ist.
Und irgendwo dazwischen steht Ronald Tramp mit einem Martini und denkt:
Endlich hat jemand verstanden, dass der Weltuntergang ohne vernünftigen Empfang einfach nur schlechte Organisation ist.

