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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Der 50-Cent-Krieg von Wien: Aufstand an der Klotür

Grafik: Wiens 50-Cent-Krieg - Gleichheit an der Klotür

Ein Mann darf kostenlos aufs Pissoir, eine Frau soll 50 Cent zahlen. Ronald Tramp berichtet über Wiens großen Toilettenkrieg, sanitäre Gleichberechtigung und die Revolution aus dem Münzautomaten.

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Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für internationale Krisen, große Geschäfte und sehr kleine Münzen

Meine Damen, meine Herren und alle Menschen, die schon einmal dringend mussten: Wien steht vor einer historischen Entscheidung.

Vergessen Sie Inflation.

Vergessen Sie geopolitische Spannungen.

Vergessen Sie Sachertorte.

Die österreichische Hauptstadt hat jetzt ein Problem, das so tief in die gesellschaftliche Infrastruktur hineinreicht, dass man sagen muss:

Es geht um die Wurst.

Oder genauer:

Es geht darum, wohin sie nach dem Kaffee verschwindet.

Eine Wienerin spazierte mit einem Freund durch den Stadtpark. Ein wunderschöner Tag. Vielleicht Sonne. Vielleicht Vögel. Vielleicht irgendwo ein Walzer. Wien eben.

Dann geschah das Unvermeidliche.

Beide mussten auf die Toilette.

Der Mann entdeckte ein kostenloses Pissoir.

Preis:

Null Euro.

Fantastischer Deal.

Die Frau hingegen sollte für die Benutzung einer WC-Kabine 50 Cent bezahlen.

Fünfzig!

Cent!

Und damit begann möglicherweise der bedeutendste österreichische Münzkonflikt seit irgendjemand beschlossen hat, dass ein Kaffee 4,90 Euro kosten darf, wenn ein Glas Leitungswasser danebensteht.

Ein Freund, zwei Blasen, zwei Tarife

Die Situation ist bemerkenswert.

Zwei Menschen gehen spazieren.

Beide besitzen eine Blase.

Beide haben dasselbe biologische Problem.

Aber der Markt sagt:

Der Herr darf gratis.

Die Dame bitte Münze einwerfen.

Das ist keine Toilette mehr.

Das ist dynamisches Pricing.

Vielleicht basiert der Preis bereits auf einem Algorithmus.

„Geschlecht erkannt. Kabinenbedarf wahrscheinlich. Bitte 50 Cent.“

Bei Männern:

„Schnellspur verfügbar. Vielen Dank für Ihren Besuch.“

Unglaublich!

Ich habe viele Wirtschaftsmodelle gesehen. Sehr viele. Manche gut. Manche schlecht. Manche wahrscheinlich von Unternehmensberatern erfunden, die dafür 900 Euro am Tag bekommen.

Aber das hier ist brillant einfach:

Man berechnet Gebühren anhand der sanitären Architektur.

Das muss Silicon Valley erst einmal nachmachen.

"Nicht mit meiner Münze!"

Die Wienerin hielt die Sache offenbar nicht für besonders lustig.

Sie argumentiert, dass diese unterschiedliche Behandlung gegen das Wiener Antidiskriminierungsrecht verstoßen könnte.

Und sie verklagt die Stadt.

Das gefällt mir.

Großartig.

Andere Menschen verlieren 50 Cent und sagen:

„Na gut.“

Sie verliert 50 Cent und sagt:

„Wir sehen uns vor Gericht.“

Das ist Konsequenz.

Das ist Unternehmergeist.

Das ist Österreich mit amerikanischer Prozessenergie.

Irgendwo sitzt jetzt wahrscheinlich ein Jurist vor einem Aktenordner mit dem Titel:

Republik gegen Blase – Band I.

Der Pissoirvorteil

Der Kern des Problems ist schnell erklärt.

Männer haben vielerorts eine zusätzliche kostenlose Möglichkeit:

das Urinal.

Frauen nicht.

Das Argument ihrer Anwältin lautet deshalb im Grunde:

Wenn eine öffentliche sanitäre Leistung für eine Gruppe kostenlos angeboten wird, die andere Gruppe aber zahlen muss, könnte darin eine Ungleichbehandlung liegen.

Logisch.

Sehr logisch.

Fast zu logisch für Verwaltung.

Verwaltung liebt nämlich Dinge, die historisch so entstanden sind.

„Warum kostet das für Frauen 50 Cent?“

„Weil das immer so war.“

„Warum ist es für Männer kostenlos?“

„Weil dort ein Pissoir steht.“

„Warum steht dort ein Pissoir?“

„Weil Männer eines benutzen können.“

„Und warum kostet die Kabine?“

„Weil sie eine Kabine ist.“

Bumm.

Österreichische Verwaltungsphilosophie.

Die große Wiener Toilettenreform

Natürlich gibt es eine naheliegende Lösung.

Toiletten für alle kostenlos.

Aber Vorsicht!

Das wäre gefährlich unkompliziert.

Wir sprechen schließlich über eine europäische Großstadt.

Da braucht man zunächst mindestens eine Kommission.

Die Arbeitsgruppe Geschlechtergerechte Kommunalsanitärfinanzierung Wien 2035.

Zwölf Mitglieder.

Drei Unterausschüsse.

Ein wissenschaftlicher Beirat.

Zwei externe Gutachten.

Ein Pilotprojekt in Favoriten.

Eine Evaluierung 2029.

Dann kommt die erste Handlungsempfehlung:

„Es besteht weiterer Forschungsbedarf.“

Kosten:

4,8 Millionen Euro.

Ergebnis:

Die Toilette kostet weiterhin 50 Cent.

Fantastische Effizienz.

Ronald Tramp berechnet die große Ungerechtigkeit

Fünfzig Cent klingt natürlich nicht viel.

Aber wir denken groß.

Sehr groß.

Nehmen wir einmal an, eine Frau besucht 100-mal im Jahr ein kostenpflichtiges öffentliches WC.

Das sind 50 Euro.

Über 50 Jahre:

2.500 Euro.

Mit Zinsen, Inflation, opportunistischen Anlageentscheidungen und einem sehr aggressiven Investmentberater könnte daraus vermutlich eine Eigentumswohnung werden.

Zumindest irgendwo außerhalb Wiens.

Plötzlich reden wir nicht mehr über Toiletten.

Wir reden über Vermögensaufbau!

Der Mann uriniert kostenlos und investiert seine gesparten Münzen.

Die Frau zahlt für die Kabine.

Mit 67 besitzt der Mann ein ETF-Portfolio.

Die Frau besitzt 3.000 kleine Papierbons mit Aufdruck „WC“.

Das nennt man wahrscheinlich strukturelle Sanitärökonomie.

Vielleicht brauchen wir eine Pinkelsteuer für Männer

Die zweite Lösung wäre natürlich:

Alle zahlen.

Gleichberechtigung durch Gebühren!

Das ist der Traum jeder Finanzverwaltung.

Nicht:

Frauen kostenlos.

Sondern:

Männer endlich auch zur Kasse bitten.

Sehr stark.

Man könnte Drehkreuze vor die Pissoirs stellen.

Münze rein.

Schranke hoch.

Oder besser noch:

App.

Natürlich braucht heute jede öffentliche Dienstleistung eine App.

WienPipi+

Konto erstellen.

E-Mail bestätigen.

Datenschutz akzeptieren.

Standort freigeben.

Zahlungsmittel hinterlegen.

Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Dann QR-Code am Urinal scannen.

Bis der Code funktioniert, hat sich das Problem möglicherweise bereits selbst erledigt.

Vielleicht nicht im Sinne der Stadt.

Premium-Pinkeln kommt bestimmt

Wenn man konsequent marktwirtschaftlich denkt, könnte Wien sogar verschiedene Tarife anbieten.

Basic: 50 Cent.

Kabine, Papier, Tür.

Comfort: 1,50 Euro.

Zusätzlich Seife.

Premium: 4,90 Euro.

Handtuch, Spiegel und beruhigende klassische Musik.

Imperial Vienna Executive Lavatory: 12 Euro.

Goldener Türgriff, Mozart aus dem Lautsprecher und ein Mitarbeiter sagt beim Verlassen:

„Ausgezeichnet erledigt, gnädige Frau.“

Für Männer könnte es natürlich ebenfalls Angebote geben.

Urinal Economy.

Urinal Plus.

Urinal Business.

Der Business-Kunde bekommt zwei Zentimeter mehr Privatsphäre und bevorzugtes Boarding.

Das ist die Zukunft.

Wien könnte Geschichte schreiben

Sollte sie den Rechtsstreit gewinnen, könnte der Fall tatsächlich größere Bedeutung bekommen.

Denn ähnliche Modelle gibt es auch in anderen Städten.

Plötzlich müssten sich Kommunen fragen:

Sind unsere öffentlichen Toiletten eigentlich geschlechtergerecht organisiert?

Und schon sehen wir Bürgermeister in ganz Europa panisch auf ihre Sanitäranlagen starren.

„Karl!“

„Ja?“

„Wie viel kostet Kabine Nummer drei?“

„50 Cent.“

„Und das Urinal?“

„Nichts.“

„Mein Gott.“

Krisensitzung.

Vielleicht wird es irgendwann EU-Richtlinien geben.

Natürlich wird es EU-Richtlinien geben.

EU-Sanitärgleichbehandlungsverordnung 2031/URIN-4.

Mindestens 186 Seiten.

Vorgeschriebene Piktogrammgröße.

Mindestabstand zwischen Münzautomaten.

Barrierefreie Zahlterminals.

Und eine verpflichtende Information darüber, dass Bürger ein Recht auf Beschwerde bei der Europäischen Toilettenagentur haben.

Sitz:

Brüssel.

Natürlich.

Das Problem ist kleiner als eine Münze – und größer als gedacht

Das Interessante an diesem Fall ist aber gerade, dass er so banal wirkt.

Es sind 50 Cent.

Kaum jemand wird wegen 50 Cent finanziell ruiniert.

Aber Gleichbehandlung zeigt sich häufig nicht bei großen feierlichen Reden, sondern bei den kleinen Regeln des Alltags.

Wer darf was?

Wer zahlt?

Wer bekommt eine Alternative?

Und warum wurde das eigentlich nie hinterfragt?

Das ist die Stelle, an der Satire plötzlich gefährlich vernünftig wird.

Deshalb hören wir sofort wieder damit auf.

Ronald Tramps fantastischer Kompromiss

Ich habe nämlich die perfekte Lösung.

Eine enorme Lösung.

Wahrscheinlich die beste sanitäre Lösung Europas.

Wien schafft sämtliche Gebühren ab und stellt stattdessen neben jeder öffentlichen Toilette eine Spendenbox auf.

Darauf steht natürlich nichts, denn Beschilderung kostet Geld.

Wer zufrieden ist, zahlt freiwillig.

Wer besonders zufrieden ist, zahlt mehr.

Influencer bekommen einen QR-Code.

Touristen zahlen automatisch das Dreifache.

Und Wiener sagen:

„Na sicher ned.“

Das System finanziert sich also überhaupt nicht.

Aber es wäre wenigstens gerecht.

Oder wir machen es noch einfacher:

Jeder Mensch bekommt beim Wiener Meldeamt jährlich ein staatliches Toilettenkontingent.

500 kostenlose Aufenthalte.

Danach greift der Spitzensteuersatz.

Familien können ungenutzte Toilettenminuten übertragen.

Unternehmen dürfen Sanitärgutscheine als geldwerten Vorteil anbieten.

Und wer mehr als drei Toiletten besitzt, zahlt Leerstandsabgabe.

Ich sehe schon:

Das Finanzministerium ruft an.


Manchmal beginnen große gesellschaftliche Debatten nicht im Parlament.

Nicht auf Parteitagen.

Nicht in Universitäten.

Sondern vor einer Toilettentür.

Ein Mann geht kostenlos hinein.

Eine Frau sucht 50 Cent.

Und plötzlich steht die Frage im Raum:

Warum eigentlich?

Genau diese Frage ist gefährlich.

Denn sobald Bürger anfangen, bei ganz alltäglichen Regeln „Warum eigentlich?“ zu fragen, geraten Verwaltungen in Schwierigkeiten.

Ich bin Ronald Tramp.

Und ich sage:

Gleichberechtigung darf nicht an der Toilettentür enden.

Es sei denn, die Tür öffnet sich nur mit 50 Cent.

Dann endet sie exakt dort.

Und vergessen Sie nicht:

Politische Revolutionen beginnen manchmal mit großen Reden.

Andere mit einer kleinen Münze.

Und manche beginnen schlicht deshalb, weil jemand sehr dringend muss.

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Tags: Gleichberechtigung Diskriminierung Österreich Wien öffentliche Toiletten
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