Trump bereut seine drei Supreme-Court-Nominierungen, weil sie ihm zu oft widersprechen. Ronald Tramp sucht deshalb nach der verschwundenen Richter-Treuekarte.
Meine Damen und Herren, Ronald Tramp meldet sich aus Washington, wo gerade eine sensationelle Entdeckung gemacht wurde:
Richter sind keine Kundenbindungsprogramme.
Unglaublich.
Schockierend.
Fast verfassungswidrig unpraktisch.
Donald Trump hat nämlich festgestellt, dass Neil Gorsuch, Brett Kavanaugh und Amy Coney Barrett gelegentlich Entscheidungen treffen, die ihm nicht gefallen. Ausgerechnet diese drei! Die drei Menschen, die er höchstpersönlich für den Supreme Court nominiert hat.
Und nun fragt sich der Präsident offenbar:
Wo ist eigentlich die Treuekarte?
Ich stelle mir die Szene ungefähr so vor:
Trump sitzt abends im Weißen Haus, öffnet seinen Supreme-Court-Ordner und sagt:
„Moment. Ich habe drei Richter bestellt.“
Ein Mitarbeiter nickt.
„Ja, Sir.“
„Mit lebenslanger Amtszeit.“
„Korrekt.“
„Und jetzt entscheiden die selbstständig?“
„Das ist im Wesentlichen das Konzept.“
Stille.
Sehr lange Stille.
Dann vermutlich:
„WER HAT DIESE BEDINGUNGEN GELESEN?“
DIE LEBENSLANGE STELLE – OHNE BONUSPROGRAMM
Trump beschwerte sich sinngemäß, er habe den drei Richterinnen und Richtern die Position ihres Lebens ermöglicht, und trotzdem stimmten sie gelegentlich gegen ihn.
Meine Damen und Herren, ich, Ronald Tramp, finde: Hier liegt offensichtlich ein grundlegendes Missverständnis vor.
Der Supreme Court ist kein Restaurant.
Man kann nicht drei Richter nominieren und danach erwarten:
„Zehn Entscheidungen sammeln, die elfte ist gratis.“
Es gibt keine Stempelkarte.
Kein Richterbonus.
Keine Supreme-Court-App.
Keinen VIP-Code „DONALD2026“.
Und vermutlich auch kein kleines goldenes Schild:
„Dieser Richtersitz wurde Ihnen präsentiert von Donald J. Trump.“
Obwohl ich sicher bin, dass darüber bereits jemand nachdenkt.
DAS GROSSE LOYALITÄTSPAKET
Besonders schön wurde es beim Thema Loyalität.
Trump sagte zunächst, er schätze Loyalität. Später betonte er, dass er von seinen Kandidaten keine persönliche Loyalität erwarte.
Das ist politische Kommunikation auf höchstem Niveau.
Ungefähr:
„Ich erwarte keine Geschenke.“
Pause.
„Aber ich schätze Geschenke.“
Noch längere Pause.
„Besonders große.“
Ronald Tramp hat deshalb das neue Supreme-Court-Loyalitätsmodell entwickelt.
Es gibt drei Tarife:
BASIC JUSTICE
Der Richter liest die Verfassung und entscheidet unabhängig.
Nicht empfohlen.
PREMIUM JUSTICE
Der Richter liest die Verfassung, schaut kurz Richtung Weißes Haus und räuspert sich nervös.
Interessant.
ULTRA MAGA JUSTICE GOLD
Der Richter fragt vor jeder Entscheidung:
„Wie möchte der Präsident es gerne haben?“
Leider mit der amerikanischen Gewaltenteilung nicht kompatibel.
Sehr bedauerlich.
RICHTER MIT EIGENEM KOPF – SKANDAL!
Dabei ist die eigentliche Pointe fast zu perfekt:
Natürlich wurden Gorsuch, Kavanaugh und Barrett von Trump nominiert.
Natürlich gelten alle drei als konservative Richter.
Natürlich verschob sich der Supreme Court durch Trumps Ernennungen deutlich nach rechts.
Und trotzdem folgt daraus nicht, dass jede einzelne Entscheidung automatisch den politischen Wünschen des Präsidenten entsprechen muss. Reuters beschreibt die Bilanz entsprechend als gemischt: Trump bekam vom Gericht sowohl Unterstützung als auch deutliche Niederlagen.
Das muss man sich vorstellen.
Ein Richter kann konservativ sein …
… und trotzdem manchmal anders entscheiden als der Präsident.
Washington war offenbar nicht vorbereitet.
Sofort wurden sämtliche Notfallpläne aktiviert.
„Sir!“
„Was ist passiert?“
„Ein von Ihnen ernannter Richter hat einen eigenständigen Gedanken!“
„Evakuieren Sie das Gebäude!“
DIE NEUE JOBBESCHREIBUNG
Ich habe deshalb exklusiv einen Entwurf für zukünftige Stellenausschreibungen erhalten:
Gesucht: Richter am Supreme Court.
Anforderungen:
Jurastudium von Vorteil.
Kenntnisse der Verfassung optional.
Robe vorhanden.
Lebenslange Beschäftigung möglich.
Teamfähigkeit erwünscht.
Eigene Meinung bitte vorher anmelden.
Loyalität wird selbstverständlich nicht erwartet.
Aber sehr geschätzt.
Extrem geschätzt.
Wirklich wunderschöne Loyalität.
Die beste Loyalität.
DER SUPREME COURT ALS AMAZON-REZENSION
Trump könnte künftig einfach Bewertungen hinterlassen:
⭐⭐⭐⭐⭐
„Gorsuch. Sehr schöne Robe. Lieferung schnell. Entscheidung leider falsch.“
⭐⭐⭐
„Kavanaugh. Gute Sitzhaltung. Manche Urteile gefallen mir nicht.“
⭐⭐
„Barrett. Produkt entsprach nicht vollständig meinen Erwartungen.“
Darunter:
„Würden Sie diese Richter erneut nominieren?“
Trump:
„Nein.“
Und irgendwo in Washington sitzt James Madison als Geist auf einem Stuhl und murmelt:
„Genau deshalb haben wir die Gewaltenteilung eingebaut.“
RONALD TRAMPS URTEIL
Meine Damen und Herren, genau darin liegt die große Ironie:
Ein Präsident darf Richter nominieren.
Der Senat darf sie bestätigen.
Danach dürfen Richter tatsächlich …
festhalten …
richten.
Nicht winken.
Nicht applaudieren.
Nicht Treuepunkte sammeln.
Richten.
Das ist vermutlich für jeden Präsidenten manchmal ausgesprochen nervig.
Aber genau das gehört zum System.
Ronald Tramp bleibt deshalb vor dem Supreme Court.
Ich habe bereits eine große Kundenkarte vorbereitet.
Darauf stehen neun freie Felder.
Oben:
„Supreme Court Rewards.“
Und darunter:
„Nach zehn loyalen Urteilen erhalten Sie einen kostenlosen Golfaufenthalt.“
Leider hat mir gerade jemand erklärt, dass das rechtlich möglicherweise problematisch wäre.
Typisch Washington.
Nicht einmal Bonusprogramme funktionieren hier richtig.

